“Homöopathen ohne Grenzen”: Schlechte Verlierer

Anti-Science without borders” – nett formuliert in einem Kommentar in P.Z. Myers Blog Pharyngula – ist nicht unbedingt eine Wertschätzung, sieht man mal von solchen Kreisen der Bevölkerung ab, die, gefangen in der Wahnwelt aus romantisiertem Wunschdenken und postmodernem Machbarkeitswahn, mit dem numerischen Kalkül konsequent angewandter Naturwissenschaft nichts mehr anfangen können.

Davon gibt es einige (und – gefühlt – einige zuviel).

Aber es gibt eben auch genügend andere, die nicht mit auf die Glaubulisten-Party wollen, was sich so Hardcore-Homöo-Patinnen wie Elisabeth von Wedel Heilpraktikerin und Vorsitzende von “Homöopathen ohne Grenzen” oder Dörte Giebel Heilpraktikerin und PR-Fachfrau bei der Agentur Laub & Partner,  wohl nur mühsam vorstellen können; haben sie doch den ultimativen Heilsweg für die Menschheit längst entdeckt.

Und den wollen die natürlich auch dort verkünden, wo er zwar am wenigsten benötigt wird, jedoch die Hilflosigkeit am größten und damit die Gegenwehr am geringsten ist.  Das gefällt nicht jedem.

Und es ist nicht mehr zu übersehen (was für die Alternativ-Heiler jeder Couleur wohl eine bittere Erfahrung ist), dass die Opposition, die nicht mehr stillschweigend dem bunten Treiben auf dem Jahrmarkt irrationaler Weltbilder zuschaut, die Mechanismen des Internets wenigstens so gut beherrscht, wie die Gegenwarts-Magier.

Marylin Fergusons Ruf nach der weltweiten Vernetzung der Wassermänner und -frauen zum Zwecke der globalen Ausschaltung von Vernunft und Verstand ist nicht ungehört geblieben; allerdings hat auch die andere Seite mitgehört.

Und so musste die Angehörige des norddeutschen Flachadels mit Heilermacke wohl doch erstaunt registrieren, dass es mitunter nicht ganz so einfach ist, das Volk zu verarschen, dass über sozial wertvolles Engagement durchaus unterschiedliche Auffassungen existieren, und dass sich diesbezügliche Diskussionen mittlerweile hauptsächlich im Internet abspielen.

Ausgerechnet im Internet, dem Heimstadion für die Artisten des hochpotenten GanzundGarnix, gab´s dann eine Klatsche, die die Missionare vom Orden der wirkstofffreien Zuckerkugel wohl ziemlich unerwartet getroffen hat.

Nicht nur, dass PR-Managerin Dörte Giebel feststellen muss, dass es nicht so ganz einfach ist, bei Wikipedia “Homöopathen ohne Grenzen” marketinggerecht unterzubringen, nein, das Internet-Volk lies sich auch nicht überreden, 10.000 Euronen für Hahnemann-Schamanismus zu bewilligen.

Frau von Wedel machen diese Erkenntnisse offenbar schwer zu schaffen. So veröffentlicht sie (oder vielleicht doch eher PR-Kraft Dörte Giebel) auf der Internetseite von “Homöopathen ohne Grenzen” die nachfolgende kleine Abrechnung mit den “Gegnern der Homöopathie”, die ich, zwecks Kommentierung, mit einigen Nümmerchen verziert habe:

” Leider waren mit der Nominierung für den Engagementpreis nicht nur angenehme Folgen verbunden. Denn gleich zu Beginn der Abstimmung wurde in diversen Internetforen unsachliche Informationen über die Arbeit von HOG und die Wirkungsweise der Homöopathie verbreitet (1) .

In vielen Foren wurde dazu aufgerufen eine Spitzenplazierung (2) von HOG zu verhindern.

Unterstützt wurden diese Kampagnen durch die Anonymität des Internets (3) .

Im Zuge dieses Ereignisses konnten wir erfahren was unsere Kollegen und Kolleginnen in England seit längerem erleben: Gezielte Desinformation mittels Internetpublikationen ist ein machtvolles Instrument der Gegner der Homöopathie (4) .

Wir möchten daher alle Befürworter der Homöopathie, sei es als homöopathischer Praktiker oder als Patient, ermuntern: Veröffentlichen Sie zum Thema Homöopathie im Internet, seien es Studien oder Erlebnisberichte, tragen Sie zu einer positiven Darstellung und einer stärkeren Präsenz der Homöopathie im Internet bei (5) .

Sollten Sie über eine eigene Webseite verfügen setzen Sie gerne einen Link zu Homöopathen ohne Grenzen e.V. und unterstützen Sie damit den Verein im Netz.

Da HOG sich nicht hinter Pseudonymen verstecken muss, und uns die Transparenz unserer Arbeit ein echtes Anliegen ist werden wir ab 2010 einen Newsletter anbieten den Sie kostenlos beziehen können, um sich über unsere Arbeit zu informieren. Wer rechtzeitig vom Erscheinen des ersten Newsletters informiert werden möchte…”

(1) Ganz abgesehen davon, dass im Internet mittlerweile soviel kritische Informationen zur Homöopathie zu finden sind, dass es schon an Größenwahn grenzt, zu behaupten, ausgerechnet die Bewerbung von “Homöopathen ohne Grenzen” für den Engagementspreis 2009 hätte zu gezielten Falschinformationen über die Wirkungsweise der Homöopathie führt,  fragt man sich dann doch, welche unsachlichen Information über “HoG” verbreitet wurden ?

Ganz im Gegenteil: Versachlicht wurde das bewußt romantisierte Bild vom altruistischen Homöopathen(innen), die mutig in Kriegs- und Krisengebieten humanitären Einsatz leisten,  erst durch die kritischen Anmerkungen in den diversen Foren. Beispielsweise hierhierhier, oder hier.

(2) Das hat Frau von Wedel oder Frau Giebel durchaus richtig erkannt. Darum ging es letztlich. Denn es waren nicht nur die 19 Alternativen bei “geben gibt” allesamt besser, es gibt schließlich auch gute Gründe schon allein aus der Homöopathie heraus.

(3) Anonymität des Internets ? Die wesentliche Aufklärungsarbeit lief über ScienceBlogs oder die GWUP. Da ist nichts anonym (siehe Links unter Punkt 1). Davon abgesehen: Ändert sich an der Kraft der Argumente irgend etwas, wenn die Verfasser der Beiträge bekannt oder eben unbekannt sind ?

Und – nicht zuletzt –  haben in den goldenen Jahren der Internet-Biotope für Alternativ-Schamanen, nicht ganze Heerscharen von selbsternannten Heilern gerade in der Anonymität des WWW ihre herrlichen Fälschungen und außerordentlichen Betrügereien vollbringen können, weil es so schön anonym war ?

Dieses Argument, Frau von Wedel/Frau Giebel, gehört in die Gattung Rohrkrepierer & Nebelkerzen.

(4) Wie wäre es denn einmal mit einem Beispiel ? Oder meint die Autorin möglicherweise das hier ?

(5) Darauf warten die Kritiker der Methode schon richtig lange, etwa 200 Jahre. Auf eine richtig gute Studie.

Gutes Design, doppelt verblindet, randomisiert, mit entsprechend großer Teilnehmerzahl, und eindeutigem Ergebnis für die therapeutische Tauglichkeit der Homöopathie. Also keinesfalls eine sogenannte “Homöopathische Arzneimittelprüfung”.

Gäbe es eine solche Studie nämlich, gäbe es diesen Beitrag nicht. Und dann brauchten die Homöopathen ohne Grenzen auch keine PR-Agentur, die sich gezielt um die positive Darstellung im Internet  kümmert.

Die käme ganz von allein.

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5 Antworten zu “Homöopathen ohne Grenzen”: Schlechte Verlierer

  1. Gunnar schreibt:

    Ah, getroffene Hunde, die bellen. Da kann wohl eine nicht verschmerzen, dass ihr sauberer kleiner Plan nicht auf allgemeine Gegenliebe gestoßen ist. Gut, dass HOG nicht gewonnen hat. Welch bessere Bestätigung als die Worte von Frau von Wedel gibt es dafür?

  2. Pingback: Tweets that mention „Homöopathen ohne Grenzen“: Schlechte Verlierer « excanwahn-Blog -- Topsy.com

  3. wahrsagercheck schreibt:

    Die arme Frau von Wedel kann einem ja richtig leid tun. Nicht mal die Pressemeldung der DHU (einem selbstverständlich gewinnorientierten Unternehmen …) mit Link zum direkten Abstimmen für die Verbreiter des Verdünnungswahnsinns (http://www.webcitation.org/5lAzzlDGC) hat geholfen … … man stelle sich vor, irgend ein anderes Unternehmen hätte einen Kandidaten bei dieser Abstimmung via Pressemeldung unterstützt …

  4. Roadrunner schreibt:

    Immerhin klasse PR-Agentur. Das Logo mit den Buchstaben “HOG” in der linken oberen Ecke gefällt mir besonders gut :-D
    Hätten die den Preis bekommen, dann hätte man wirklich Perlen vor die Säue geschmissen…

  5. Pingback: Zuckerpillen für Afrika? | gwup | die skeptiker

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