Teer und Daune… (Hellinger meets Hahnemann II)

Wir wissen ja, dass die Homöopathie seit 200 Jahren Verfahren benutzt, deren Validierung nur an der „Unfähigkeit der Wissenschaft“ scheitert, geeignete Tests zu entwickeln.

So ist auch die sogenannte Arzneimittelprüfung, mit deren Hilfe Homöopathen die therapeutische Tauglichkeit von Brillux Flächenlasur, Waldis Excrementen, Wattwürmern oder eben weiblichem Ejakulat feststellen, eher eine unendliche Komödie, als ein wissenschaftlich verifiziertes Verfahren.

Nun ist das Manko der fehlenden Wissenschaftlichkeit zwar ein ständig schmerzender Stein im Schuh jeden Homöopathen, (sonst würde man wohl nicht das viele Geld für Claudia Witt ausgeben) , aber die richtigen Glaubulisten, also die, deren Restverstand von ihrer Geschäftstüchtigkeit weit übertroffen wird, haben sich längst dazu entschieden (solange die Wissenschaft weiterhin so unfähig ist), eben nur auf einem Bein zu stehen, und derweil Entwicklungsarbeit zu leisten.

Denn weil der ganze Kram ohnehin nicht bewiesen ist, und man sich deshalb kaum bemühen muss, auf geprüftes Wissen Rücksicht zu nehmen, bieten sich ungeahnte Möglichlichkeiten, dem esoterischen Trieb nach Ekkletizimus zu fröhnen. Schließlich hat man ja genug Knete für Jodeldiplome verschiedenster Provenienzen auf den Tisch diverser Schmalspur-Gurus gelegt; da muss ein angemessener Return on Investment doch möglich sein.

Solch Eindruck entstand jedenfalls bei mir, als ich mich vor kurzem mit der mir bis dato unbekannten Existenz der Arzneimittelentwicklungsaufstellung konfrontiert sah.

Dieses Verfahren wurde von dem Berliner Heilpraktiker Andreas Krüger (1) entwickelt, und verbindet die innere (aber wirklich nur „innere“) Logik der Hahnemannschen Arzneimittelprüfung mit der inneren (aber wirklich nur „inneren“) Logik des systemischen Aufstellens, welches der Herr Krüger in seiner Vita als Fortbildung ausweist.

Dieses pseudowissenschaftliche Verfahren hat durch den erzreaktionären Ex-Kuttenträger Suitbert „Bert“ Hellinger (2,3) in den 1990er Jahren traurige Berühmheit erlangt.

In Kürze dargestellt: Es geht darum, dass in einer Massenveranstaltung wildfremden Leuten ein „wissendes Feld“ angeblich sämtliche Informationen über andere wildfremde Leute liefert, und dadurch, in einer Art Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, diese wildfremden Leute den anderen wildfremden Leuten Erkenntnisse über deren innere Antrieb oder karmische Verstrickungen – und, seit Andreas Krüger sich der Sache angenommen hat – auch über die individuelle Wirksamkeit homöopathischer „Arzneien“ vermitteln können.

Wie das genau funktioniert, soll Andreas Krüger (4) in einem Interview lieber selber erzählen, (ich bekomme beim Schreiben solcher Texte Krämpfe in den Fingern):

Frage: Wer deine therapeutische Arbeit als Aufsteller mit Aufmerksamkeit verfolgt, stellt fest, dass homöopathische Mittel schon immer ein Strukturelement der Ikone darstellten und sich so in diesem von dir entwickelten Format seit jeher Stellungsarbeit und Prozessorientierte Homöopathie berührten?

Antwort A. K.:  Ja, die Ikone der Seele ist eine lösungsfokussierte Form der Aufstellung, deren zentraler Bestandteil das Wunder des Patienten ist, gewissermaßen die Essenz des geheilten Zustandes, die in einem Stellvertreter buchstäblich Gestalt annimmt.

Der Stellvertreter des Klienten geht am Ende der Aufstellung auf das Wunder zu, wobei neben der Zielannäherungslinie zu beiden Seiten homöopathische Mittel aufgestellt werden, die zum Geschehen der bisherigen Aufstellung passen. Glaubt der Stellvertreter nun, eines dieser Mittel zu benötigen, um zum Wunder zu gelangen, nimmt er es an die Hand und schreitet mit ihm gemeinsam zum Ziel.

Besonders wirksam ist diese Form der Mittelwahl, weil die Namen der Mittel dem Stellvertreter nicht genannt werden, und er sich so einzig auf die repräsentierende Wahrnehmung, also auf sein Gefühl, verlassen muss.

Die dem Heilungsprozess entsprechende Potenz wird auf die gleiche intuitive Weise durch das Wunder ermittelt.

Zudem arbeite ich in der Ikone auch mit der konkreten Mittelgabe für einen bestimmten Repräsentanten zur Unterstützung der Prozessarbeit. Wenn ein sehr schweres Schicksal vorliegt, oder in dem System ein schreckliches Ereignis ausgeblendet wird, oder sich eine lösungsverhindernde Haltung über Generationen verfestigt hat, verabreiche ich auch ein Mittel für das gesamte Feld.

Nun, seit der skandalösen Entscheidung, die Homöopathie zu einem öffentlich legitimierten Teil der deutschen Medizin zu erheben, müssen wir damit leben, dass dergleichen Irrwitz leider nicht zur prompten Erhitzung von Teer und zum Aufschlitzen von Daunenbetten führt, sondern Krankenkassen solchermaßen eruierte „Heilmittel“ tatsächlich zahlen.

Aber genau so, wie die Homöopathen endlich auf die Erleuchtung der Wissenschaft warten, gibt der Verfasser dieses Beitrags die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann ein deutscher Gesundheitsminister von seinem Verstand mehr hält, als von der ahnungsfreien Meinung des komplementärmedizinisch verarschten Publikums.

Ob Claudia Witt (5)  wohl die Krügersche Arzneimittelaufstellung  kennt ?

(1) http://www.andreaskruegerberlin.de/frame.htm

(2) http://www.esowatch.com/index.php?title=Familienaufstellung_nach_Hellinger

(3) http://www.vachss.de/mission/berichterstattung/hellinger_2.html

(4) http://www.andreaskruegerberlin.de/pressemappe/amea_1.htm

(5) http://www.champ-info.de/unser_team/prof_dr_claudia_witt/

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