Kindesmißhandlungen ? Nein, sanfte Homöopathie !

Es ist eine Eigenart des wörldweidwebs, dass der alltägliche Irrsinn, der sonst in den eigenen vier Wänden oder  hinter verschlossenen (Heilpraktiker)-Praxistüren stattfindet, an manchen Stellen so offen zutage tritt, dass man sich veranlasst fühlt, nach dem Jugendamt oder den Strafverfolgungsbehörden zu rufen.

Beispielweise im Lage & Roy-Forum.

Dort trifft man auf Fallbeschreibungen, die einem nicht nur die Füße unter dem Hintern weghauen, sondern auch sämtliche Urteile bestätigen, die man bezüglich des unglückseligen Verhältnisses von Kindern und Homöopathie bisher schon hatte.

Fall 1

Hallo,

mein Sohn hat jetzt bereits seit fünf Wochen Scharlach (1) .Er ist bisher ohne AB (AB = Antibiotika, Anm. d. Verf.)  behandelt worden (2) .Ich habe ihn symptomatisch (3) behandelt.

Er hatte zwei Tage Fieber u. drei Tage Ausschlag (4) .Danach ging es ihm wieder gut. Ich geh seitdem immer zum Kinderarzt, den Abstrich machen lassen ob er noch ansteckend ist (5) .

Vorgestern Nacht hat er wieder Fieber bekommen u. gestern hatte er dann in seiner Höchstphase 40 grad (6). Er hat dann über Herzschmerzen (7) geklagt also gab ich ihm einen Tropfen Herzchakra (8) u. hab auch die Herzgegend eingerieben.

Darauf ist er gleich eingeschlafen und hat nicht mehr darüber geklagt.Ich dachte,es ist vielleicht ein anderer Virus (9) . Nachdem ich heute wieder den Abstrich machen lassen habe und er immer noch positiv (10) ist, mach ich mir jetzt Sorgen wegen Spätfolgen.

Es scheint ein Rückfall zu sein.

Beladonna (11) hilft bei ihm nicht. Das Fieber verschlechtert sich im Schlaf. Er hat Lachesis (12) bekommen,daraufhin ist es gesunken (13) . Gestern hat es nicht mehr gewirkt (14) , darauf gab ich ihm Rhus Tox (15) u. das Fieber war von 40 gestern Nacht auf 38,3 heute morgen gesunken (16) . Bis heute Mittag ist es auf 37,5 gesunken. Jetzt steigt es wieder trotz Rhus tox (17) , ist wieder bei 39.

Ich weiß bald nicht mehr weiter.  Kann ich ihm die Nosode Scarlatinum(18) geben?Die Bakterien müssen doch bald mal verschwinden.

Bei meinem kleinen Sohn war nach zwei Wochen der Abstrich negativ. Er wurde vorher prophylaktisch mit Beladonna (19) behandelt. Meine Tochter hatte nur zwei Tage Halschmerzen bekommen, dank Beladonnagaben (20) .

Für eine schnelle Antwort wäre ich sehr dankbar

Liebe Grüße
Romy

Die Antwort aus dem Forum:

Hallo Romy,

ich kann Dir bei der Behandlung leider nicht weiterhelfen, finde es aber sehr gut, dass du den Scharlach homöopathisch behandelst (21) .

In meiner Umgebung gibt es Kinder, die schon bis zu 5 mal Scharlach hatten weil die Krankheit jedesmal mit Antibiotika unterdrückt (22) wurde.

Für Dich und Deine alles Gute.
Elke

(Die Zahlen in Klammern wurden vom Verfasser zwecks Kommentierung eingefügt.)

Anmerkungen zum Irrsinn:

(1) Scharlach, eine akute Infektion des oberen Respirationstraktes (Nasen-, Rachen- und Mundraum) durch betahämolysierende Streptokokken des Typs A, verläuft in der heutigen Zeit unproblematisch, vor allem dann, wenn die möglichen und häufigen Komplikationen durch die Verabreichung von Antibiotika verhindert werden.
Wenn jedoch die antibiotische Behandlung unterbleibt, kann in etwa 25 % der Erkrankungsfälle mit problematischen Krankheitsverläufen gerechnet werden.

Welche Komplikationen können bei einer Scharlach-Erkrankung auftreten?

Streptokokken können, in Abhängigkeit vom Serotyp und weiterer Pathogenitätsfaktoren, unter anderem zu Mittelohrentzündung (Otitis media), Abszessen im Rachenbereich (Phlegmone), Nasennebenhöhlen-Entzündung (Sinusitis), oder Hirnhautentzündung (Meningitis) führen, daneben sind Lymphdrüsenbeteiligung zu registrieren.

Auch kann es – in selteneren Fälle – zu einem toxischen Verlauf des Scharlachs kommen. Die Beschwerden sind dann von Anfang an sehr viel ausgeprägter. Hohes Fieber, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit, Krämpfe und Kreislaufversagen bis zum Schock können auftreten

Daneben gibt es allerdings schwere Folgekrankheiten, die zu Dauerschäden an lebenswichtigen Organen wie Herz und Nieren führen können. Dazu zählen insbesondere das akute rheumatische Fieber (ARF), sowie die Glomerulonephritis, eine Nierenentzündungen.

Das rheumatische Fieber tritt zwei bis drei Wochen nach einer Scharlach-Erkrankung auf. Es kann zu Entzündungen der Gelenke, des Herzens, sowie zu Bewegungsstörungen kommen.
Mögliche Dauerschäden am Herzen betreffen die Herzklappen und können eine lebenslange Behandlung mit Antibiotika erforderlich machen. Bei der akuten Nierenentzündung kommt es ein bis zwei Wochen nach dem Scharlach zu einer Nierenschädigung. Daher sollte etwa drei Wochen nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika eine erneute ärztliche Untersuchung stattfinden, die dann häufig eine Urinuntersuchung beinhaltet.

Die Beschreibung der Mutter aus dem o.g. Beispiel weist mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass hier eine Scharlach-Erkrankung im Bereich der Komplikationen angelangt ist.

(2) Die Anwendung von Antibiotika ist in diesem Fall unbedingt angezeigt. Die Mutter signalisiert hier, dass ihr die komplette Problematik einer Scharlach-Erkrankung im weitestgehend unbekannt ist

(3) Hier zeigt sich unübersehbar die Schwäche der homöopathischen, symptomorientierten Behandlung. Das einzige wirksame Mittel wäre hier die Bekämpfung der bakteriellen Infektion. Die wiederum ist mit homöopathischen Medikamenten nicht möglich. Das Argument der Resistenzbildung trägt hier nicht, da zumindest für das primäre Antibiotikum Penicillin keine resistenten Stämme von Streptococcus pyogenes beschrieben wurden.

(4) Auch zeigt sich die Unwissenheit der Mutter zum Verlauf einer Scharlach-Erkrankung.

(5) Angesichts der Tatsache, dass offenbar ein Arzt registriert, dass bei einem Kleinkind schon seit 5 Wochen Streptococcen nachweisbar sind, und er sich nicht veranlasst fühlt, irgendwie zu reagieren, deutet darauf hin, dass dieser Arzt wohlmöglich selbst dem alternativen Lager zu zurechnen ist, oder, aus der Erfahrung mit der Mutter, jeden Versuch der Beeinflussung aufgegeben hat.

(6,7,8) Der Zeitpunkt des Fieberschubs in Verbindung mit dem Nachweis der Streptococcen und der „Herzschmerzen“ lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine post- oder parainfektiöse Myokarditis schließen. Hier wäre zweifellos eine kardiologische Begutachtung notwendig.
Die Behandlung durch die Mutter mit dem obskuren Mittel „Herzchakra“ aus dem Haus Lage & Roy ist jedoch absolut unwirksam.

(9) Auch die Festellung, dass möglicherweise ein „anderer Virus“ für die Probleme des Kindes verantwortlich ist, ist ein deutliches Zeichen, dass die Mutter nichts über die Pathogenese der Erkrankung weiß, d.h. ihr die Problematik der Post- oder Parainfektion nicht geläufig ist.

(10) In konsequenter Weiterentwicklung ihrer „symptomatischen Behandlung“ setzt dann die Mutter auch weiterhin übliche homöopathische Allerweltsmittel ein, die ihrer Meinung nach das Fieber senken könnte.

(11,12,13,14,15,16) Unabhängig von der durch die Verdünnung der Arzneistoffe ohnehin nicht vorhandene pharmakologischen Wirkung, muss man feststellen, dass die verwendeten Mittel Belladonna (Atropin), Lachesis (Schlangengift) oder Rhus toxicodendron (Giftsumach) ohnehin keine fiebersenkende Wirkung haben.
Selbst bei einer ausschließlich homöopathischen Kriterien vorgenommene Beurteilung läßt sich die Anwendung dieser Mittel – zumindest hinsichtlich der Fiebersenkung – allerhöchsten für Belladonna nachvollziehen.

Leitsymptome für:
Lachesis: Eifersucht, Infekte
Belladonna: Fieberhafte Infekte
Rhus toxicodendron: Rheumatische Erkrankungen

(17,20) Hier finden wir den für Homöopathen typischen „post hoc ergo propter hoc“- Denkfehler  (Klick), denn die gleiche Fieberverlaufskurve wäre auch ohne jede pharmakologische Einflussnahme zu verzeichnen gewesen.

(18) Nosoden bestehen aus infektiöser/pathogener Körpersubstanz, Wundexsudaten u.ä., die homöopathisch aufbereitet wurden. Sie sollen nach homöopathischen Vorstellungen die Selbstheilungskräfte aktivieren.
Wie verquast muss Denken sein, wenn man angesichts eines mit pathogenen Keimen überschwemmten Organismus, eine Heilwirkung von eben diesem Keim in homöopathischer Dosierung erwartet ?

(19) Hier beweist sich die immer wieder zu erlebende Feststellung, dass die meisten Anwender der Homöopathie keine Vorstellung von der Theorie der klassischen Homöopathie nach Hahnemann haben. Wird nach dem simile-Prinzip einem Menschen prophylaktisch – also zu einem Zeitpunkt an dem dieser Mensch gesund ist – ein bestimmtes Mittel verabreicht, findet durch den Einsatz eines Mittel höchstenfalls eine Arzneimittelprüfung statt. Homöopathische Prophylaxe existiert nicht.

(21) Der Zynismus dieser Antwort ist bedrückend: Die Beraterin ignoriert die gesamte geschilderte Problematik, die selbst für Ahnungslose eigentlich nur auf eine einzige Empfehlung hinaus laufen dürfte, nämlich sofort einen Facharzt aufzusuchen, bestärkt jedoch die Mutter in ihrem Versuch, die Scharlach-Erkrankung homöopathisch zu behandeln.
Verantwortungsloser kann man kaum agieren.

(22) Und – zum schlechten Schluß – beweist auch die Antwortende mit dieser Bemerkung, dass sie keine tiefergehenden Kenntnisse über diese Infektionskrankheit besitzt.
Denn Scharlach wird von verschiedenen Streptococcen-Varianten ausgelöst wird, für die dann zwar eine partielle Immunisierung vorliegt, was jedoch keineswegs eine Infektion mit einem anderen Serotyp ausschließt.

Systematischer Schwachsinn

Wer den Fall 1 nur  für einen „Ausrutscher“ hält, dem  sei versichert, es ist nicht so. Wahnsinn hat meistens Methode, wie Fall 2 zeigt:

Hallo,
ich leg einfach mal los:
mein Sohn (15 Monate) hat letzte Woche Donnerstag Nacht fast 40 C Fieber bekommen. Da er sehr unruhig war, gab ich ihm ein Viburcol Zäpfchen (1) .

Am nächsten Tag hat er an der Oberlippe ein kleines Fieberbläschen (2) bekommen.

Da er keine Erkältung hatte, habe ich ihn erstmal fiebern lassen. Er bekam eine rote heisse und eine weisse kalte Wange. Sein Zahnfleisch ist sehr dunkelrot und immer noch so sehr geschwollen dass die Zähnchen fast nicht mehr zu sehen sind. Die Stelle wo die Eckzähne wären sind ebenfalls geschwollen und geht sehr in die Spitze. Deswegen habe ich angenommen dass er wahrscheinlich zahnt (3) .

Da er immer noch mit Fieber auch tagsüber um 39,5 C zu kämpfen hatte und feste Nahrung verweigerte bzw. wieder ausgespuckt hatte und auch sonst war er, bzw. ist er sehr untröstlich habe ich ihn 3 x 5 Globuli Belladonna D12 gegeben und Nachts auch mal Osanit Kügelchen (4) .

Sollte noch anmerken, dass er eingentlich nachts gestillt werden will, aber jetzt verweigert er öfter die Brust und will lieber kalten Tee oder Wasser trinken.

Das Fieber ist seit Montag früh weg. Leider hat sich der Herpes sehr verbreitet. An der Oberlippe innen hat es mit weissen gefüllten Punkten angefangen, mittlerweile ist fast die ganze Oberlippe innen eitrig gelb, bildet vorne Krusten und riecht sehr steng. An der Unterlippe bilden sich seit Gerstern auch weisse Pünktchen die wachsen. Die Zunge ist auch belegt und hat vorne so Pickelchen (5).

Gerstern hat mir der Kinderarzt (6) Merc. C30 (leider ist es nicht ausgeschrieben) mitgegeben. Habe ihm gestern 3×3 Globuli gegeben und heute 4 Gaben (4 Globulis im Glas aufgelöst).Und gebe ihm auch Kamillentee zum trinken. Sein Allgemeinzustand hat sich zwar gebessert, er isst wieder etwas feste Nahrung, die Lippen sind nicht mehr so geschwollen aber der Herpes macht mir noch Sorgen. Ausserdem wacht er fast stündlich auf, weint und lässt schwer beruhigen. Oft muss ich sogar den Raum wechseln und wo anders mit ihm schlafen

Sollte ich mit dem Mittel aufhören? Was soll ich tun? Habe nicht wirklich viel Ahnung davon und in den Bücher von Ravi Roy habe ich leider nix darüber gefunden.
Schon mal herzlichen Dank für Euere Hilfe.

Liebe Grüße
Jen

Die Antwort aus dem Forum:

Hallo Jen,
Mercurius solubilis ist eines der Hauptmittel bei Soor und Aphten mit üblem Mundgeruch. Was du noch einsetzen könntest wäre eine Hypericum Tinktur zum Auftupfen und zum Gurgeln.

Auch die Zellregenerierende Essenz und Salbe habe ich schon erfolgreich bei Lippenherpes angewandt.
Auch Borax oder Kalium chloratum käme in Frage und deshalb würde ich dir vorschlagen, dich im Zweifelsfall noch einmal an deinen Arzt zu wenden. Übrigens muß ich deinem Arzt ein großes Lob(7) aussprechen, daß er nicht gleich Zovirax Saft oder ein Antibioticum verordnet hat .
Um das Immunsystem deines Sohnes zu stärken würde ich dir empfehlen, ihm mal über ca. 3-4 Wochen tgl 1 Tropfen Herzchakra sowie 1 Tropfen Kelch des Lebens zu geben (8).

Gute Besserung wünscht Kirsten

(Die Zahlen in Klammern wurden vom Verfasser zwecks Kommentierung eingefügt.)

(1) „Virbucol“ von Heel. Homöopathisches Komplexmittel, rezeptfrei.

Zusammensetzung: Tollkirsche(Belladonna/Atropin),Kalziumkarbonat (Austerschale), Kamille, Breitblättriger Wegerich, Kuhschelle

Die Zusammensetzung lässt nicht den geringsten Verdacht aufkommen, dass mit dem Medikament irgendeinem, bei der Zahnung entstehenden Problem, beigekommen werden kann.

Die Zulassung von Virbucol als „Medikament“ erfolgt nach den Regeln der „Besonderen Therapierichtungen“, also ohne die im Rahmen der „normalen“ Medikamentenzulassung durchgeführten Prozeduren und Studien. Da das Mittel ein Homöopathikum ist, reichen die im „Binnenkonses der jeweiligen Therapierichtung“ getroffenen Entscheidung: „Das Mittel hilft.“

D.h., „Zugelassen“ wurde das Medikament

– ohne jeden Wirksamkeitsnachweis
– ohne vorklinische und klinische Prüfungen
– ohne Prüfung der Toxizität und der Pharmakokinetik

(2) Fieberbläschen steht umgangssprachlich für die Hautreaktion einer Herpes simplex-Infektion.

(3) Hätte das Kind zusätzlich zum Fieber eine Erkältung gehabt, hätte sich die Mutter Gedanken gemacht. Aber so, und weil sich MamaDoc die Diagnose nicht direkt aufdrängt, lassen wir das Kind erst einmal  fiebern. Angesichts der nachfolgenden Symptome schien allerdings Nachdenken angeraten, zumal das Kind ja nun auch schon mehr als einen Tag sehr hohes Fieber hat.  Und MamaDoc kommt zum natürlich zum Ergebnis: Das Kind zahnt.

Die beginnende Herpes-Infektion ignoriert sie, obwohl sie ein Fieberbläschen schon festgestellt hat.

(4) „Osanit“ von Zeppenfeld. Homöopathisches Komplexmittel. Anmerkungen zur Zulassung wie bei „Virbucol“.

Zusammensetzung: Calciumcarbonat, Calciumphosphat, Eisenphosphat, Kamille.

Einsatzgebiet: Zahnungsschmerzen. Und da MamaDoc ja schon – mit ihrer gesamten heilerischen Erfahrung aus ungezählten Homöopathie-Schwarten – diagnostiziert hat…

(5) Langsam wird´s offensichtlich, dass MamaDoc mit ihrer Diagnose ein wenig daneben lag.  Übers Wochenende hat sie einer sich entwickelnden Herpes-Infektion zugesehen, welche sich möglicherweise – aufgrund der beschriebenen Symptome – zu einer bakteriellen Stomatitis ausgeweitet hat.

Ein Arztbesuch hat offenbar, wie es aus der Chronologie des Beitrags abzuleiten ist, frühestens am darauffolgenden Dienstag stattgefunden.

D.h., bis zum Arztbesuch hat die Mutter das Kind – mit seinen Schmerzen – basierend auf einer falschen Selbstdiagnose, untauglich therapiert; obwohl ihr aufgefallen ist, dass das Kind „mit Fieber auch tagsüber um 39,5 C zu kämpfen hatte und feste Nahrung verweigerte bzw. wieder ausgespuckt hatte…“

(6) Nun (endlich) kommt der Besuch bei einem (wahrscheinlich alternativmedizinisch therapierenden Arzt) von dem nur zu erfahren ist, dass dieser Quacksalber Quecksilber in homöopathischer Dosierung verschreibt. Mercurius (Merc. C30) ist eines der Homöopathischen Universalmittel und wird bei unzähligen Symptomen angewendet, die mit dem vorhandenen Krankheitsbild des Kindes nicht das geringste zutun haben.

Dass die Therapie – wie zu erwarten war – nicht greift, ist selbst für diese Mutter dann doch nicht zu übersehen.

Abgesehen davon, dass die Worte der Mutter nicht unbedingt für eine umfängliche Aufklärung durch den alternativmedizinischen Arzt sprechen, kann man nur hoffen, dass dieser „Heiler“ wenigsten abgeklärt hat, dass keine sich schwerwiegende Infektion anderer Organe oder eine Sepsis entwickelt, denn grundsätzlich bedeutet eine Herpes-Infektion bei Säuglingen ein erhebliche Gefährdung. Durch sie kann – je nach Verlauf der Karnkheit mit sekundärer bakterieller Infektion – eine virale oder baterielle Meningitis oder eine virale Enzephalitis entstehen.

Bei dem leisesten Verdacht, dass ein Kind sich angesteckt haben könnte, ist sofort der Kinderarzt oder auch die Notfallaufnahme einer Klinik aufzusuchen. Zur Vorbeugung von Folgeschäden sollte dann frühzeitig ein virusabtötendes Mittel durch Infusion verabreicht werden.

Dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Herpes-simplex-Enzephalitis

http://de.wikipedia.org/wiki/Meningitis

Aber anstatt den Arzt (oder besser einen Anderen) wenigstens telefonisch zu konsultieren, greift das Mütterchen zur Lektüre ihres Homöopathie-Gurus.

Dem allerdings geht’s offenbar genau so wie MamaDoc:

Habe nicht wirklich viel Ahnung davon und in den Bücher von Ravi Roy habe ich leider nix darüber gefunden.

(7) Die Antwort aus dem Forum setzt dem Ganzen dann die Krone auf.

HobbyDoc „Kirsten“ kommt erst garnicht auf den Gedanken, dass es sich um eine schwerwiegende Infektion handeln könne. Dafür lebt sie ungeniert ihre Antibiotika-Paranoia aus, und findet es gut, dass ein Arzt Nicht-Therapie betreibt; wie auch schon HobbyDoc „Elke“ im ersten beschriebenen Fall.

Dass hier Kinder sich möglicherweise in Lebensgefahr befinden, geht diesen (ich sag es mal deutlich) bekloppten Homöopathen-Trullas völlig am Arsch vorbei.

(8) Das Verhökern obskurer Mittelchen wie „Herzchakra-Essenz“ oder „Kelch des Lebens“ , deren Zusammensetzung nicht einmal auf der Lage & Roy Website zu erfahren ist, sei hier nur nebenbei angemerkt.    Auch sei darauf hingewiesen, dass es sich nicht um Medikamente handelt.

 

Die Wurzeln des Übels:

Alle diese Verirrungen sind das Ergebnis der Dauerberieselung mit absurden Quacksalber-Theorien, die das Internet in den Biotopen der Bekloppten zu Haufe anbietet. Beispielweise auf den Seiten der Schweizer AEGIS-Organisation, die von den vielen selbsternannten Heilern als Referenz angegeben werden.

Zum AEGIS-Schwachsinn:  http://www.gandhi-auftrag.de/bakterien.htm

Zu selbsternannten Heilern: http://houseofchi.wordpress.com/2009/11/13/der-sinn-von-kinderkrankheiten-betrachtung-aus-klassisch-homoopathischer-sicht/

Da sind dann solche Absurditäten zu finden:

Ein Glaubenssatz der etablierten Lehrmedizin besteht darin, ständig das Auftreten von Mikroben bekämpfen zu müssen, ohne sich dessen bewußt zu sein, damit die Heilungsphase der Krankheit direkt zu torpedieren.

Da die Mikroben ganz gezielt erst in der zweiten Phase der Erkrankung vermehrt auftreten, können sie gar keine echten Erreger und damit Auslöser der Erkrankung sein. Somit ist auch der Begriff „Erreger“ grundverkehrt (deshalb hier meist in Anführungszeichen geschrieben)! Genaugenommen sind diese Mikroben bestenfalls Indikatoren der zweiten Phase einer Erkrankung, der eigentlichen Heilungsphase!

Ein Heilpraktiker oder Arzt, der wissenschaftlich ungesicherte oder wegen ihren nachgewiesenen Unwirksamkeit abgelehnte „Therapien“ anbietet, weil er sie für wirksam hält, ist dumm und in seiner Dummheit gemeingefährlich.

Ein HP oder Arzt, der aus ideologischen Gründen oder – noch schlimmer – aus monetärem Interesse – solche „Therapien“ dort anbietet, wo gesicherte Therapien zur Verfügung stehen, verübt eine strafbare Handlung, die nicht durch die ärztliche Therapiefreiheit abgedeckt ist.

Ein Heilpraktiker oder Arzt, der wissenschaftlich ungesicherte oder abgelehnte „Therapien“ anbietet, obwohl er weiss, dass bestenfalls Placeboeffekte auftreten werden, nutzt die Bildungsdefizite Anderer zu seinem Vorteil, statt sie beheben zu helfen. Das ist verantwortungsloses, unethisches Verhalten.

Patienten, die sich von einem Heilpraktiker oder Arzt wissenschaftlich ungesicherte oder abgelehnte „Therapien“ andrehen lassen oder sogar einfordern, sind mindestens genauso dumm oder unbedarft wie jene, die sie anbieten.

Sie alle können nur so handeln, weil eine Entscheidung zwischen Wissen und Glauben als Folge wissenschaftlicher Ahnungslosigkeit von vielen Menschen nicht mehr getroffen werden kann.
Deswegen gewinnen die Vermittler völlig illusionärer Weltbilder immer mehr Anhänger; auch gegen jede Vernunft.

Was Vernunft in diesem Zusammenhang bedeutet, drückt der nachfolgende Beitrag aus dem „Deutschen Ärzteblatt“ aus:

Historische Entwicklung in Deutschland am Beispiel Säuglingssterblichkeit (Auszug) Geburts- und Perinatalmedizin eine steigende Bedeutung zu.

(…) In den Industrieländern sank die Kindersterblichkeit bereits lange vor der Einführung effektiver medizinischer Interventionen. Hierzu trugen neben wachsendem Wohlstand vor allem konsequentes Stillen sowie beratende, soziale und hygienische Maßnahmen und zunehmend auch die Kinderheilkunde bei. Mit der breiten Verfügbarkeit von Impfungen und Antibiotika verbesserte sich die Situation weiter. Zwischen 1970 und 2004 sank die Kindersterblichkeit in den Industrieländern von 27 / 1 000 auf 6/1 000 – ein Rückgang um 78 %. Hierbei kam dem Überleben von Frühgeborenen dank einer leistungsfähigen, aber natürlich auch kostenintensiven…

Der gesamte Text: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/…l.asp?id=57331

Nachweis zu den genannten Fällen:

Fall 1: http://www.lage-roy.de/forum/viewtopic.php?p=1131&highlight=scharlach#1131

Fall 2: http://www.lage-roy.de/forum/viewtopic.php?p=6010&highlight=viburcol#6010

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