Notfall-Homöopathie bei Tieren ist Unsinn !

Anmerkungen zum Beitrag: Die kleine „homöopathische Notfallapotheke“ für Haustiere (1)

(Nachtrag 1 vom 06.12.09: Der oben genannte Beitrag wurde – nach Veröffentlichung dieser Anmerkung – noch am gleichen Tag gelöscht. Die Reaktion spricht für sich selbst.)

(Nachtrag 2 vom 06.12.09: Der oben genannte Beitrag wurde – nach der Veröffentlichung dieser Anmerkung – noch am gleichen Tag gelöscht, und nach Veröffentlichung des 1. Nachtrags – wieder eingestellt. Die Reaktion spricht für sich selbst. )   

Als Tierhalter übernehme ich die gesetzliche und ethische Verpflichtung, einem Tier vermeidbares Leiden zu ersparen. Dazu gehört auch eine adäquate medizinische Versorgung durch Veterinärmediziner. Homöopathische Notfallbehandlung sind im unwirksam, und keinesfalls eine angemessene Therapie.         

1. Im Rahmen der aktuellen Forschung bezüglich der Homöopathie wird immer offensichtlicher, dass das pharmakologische Konzept der Homöopathie als gescheitert angesehen werden darf (Rainer Lüdtke, Karl und Veronika Carstens-Stiftung, 2007), und der einzige Erklärungsansatz der Placebo-Effekt ist. 

Gerade bei akuten Notfällen – Verletzungen, Knochenbrüche, Vergiftungen, Herz-und Kreislaufproblematik, Infektionskrankheiten – hat der Placebo-Effekt in der Behandlung eine allenfalls untergeordnete Bedeutung.   

Aus der Fürsorge-Verpflichtung dem Tier gegenüber bedeutet das, dass im Notfall auschließlich eine veterinärmedizinische Behandlung vertretbar ist.

2. Homöopathische Arzneien in den im betreffenden Artikel genannten Dosierungen (außgenommen „Symphytum D6“)  wirken nicht, da sie keine pharmakologisch wirksamen Bestandteile enthalten.

Bei den beschriebenen Notfällen ist konkrete (pharmakologische) Therapie allein schon aus Tierschutzgründen angesagt.

3. Die Arzneimittelbilder der angegebenen Stoffe stammen aus homöopathischen Arzneimittelprüfungen am gesunden Menschen. Es ist veterinärmedizinsch nicht vertretbar, Arzneistoffe für Menschen – ohne entsprechende Wirksamkeitsnachweise – in die Tierbehandlung zu übernehmen. 

4. Laut der DHU, einem der bedeutsten Hersteller von Homöopathika, gehört zur homöopathischen Behandlung „unbedingt“ die ausgiebige Anamnese des Patienten. („Homöopathisches Repetitorium der Deutschen Homöopathischen Union). Klassische Homöopathen legen Wert darauf, dass die Symptome in der Sprache des Patienten beschrieben werden, und messen mentalen Symptomen ein besonderes Gewicht bei.

 Im Hinblick auf diese Anforderungen für „erfolgreiche“ Anwendung der Homöopathie ist völlig ungeklärt (und auch kaum umsetzbar), wie man die für Menschen entwickelte klassische Vorgangsweise nach Hahnemann:

 – Feststellung des Konstitutionstyps

(Konstitutionstypen in Analogie zur antiken 4-Säftelehre),

 – Beurteilung der Art und Lokalisation des Symptoms

(z. B. Schmerz),

 – Fragen nach Modalitäten

(verschlimmernde und bessernde Einflüsse, z. B. Kälte),

 – Bestimmung des Leitsymptoms

(z. B. Furcht, brennende Charakter und Periodizität aller Beschwerden) 

 – Feststellung der Anfälligkeiten

(z. B. Migräne, Regelstörungen)

 auf ein Tier überträgt.

 Der immer wieder gebrachte Hinweis, dass Homöopathie auch „bei Kind und Tier wirken würde“, ist eine völlig unbewiesene These, die auch noch eine schwere Fußfalle birgt: Denn wer „erfolgreich“ Homöopathie (siehe Homöopathisches Repetitorium) betreiben will, muß sich streng an die oben aufgezählten Regeln halten.

In der diagnostischen Homöopathie ist das Krankheitssymptom (Leitsymptom, Modalitäten etc.) von zentraler Bedeutung. Doch es existiert(e) bis zum heutigen Tag noch kein homöopathischer Tierarzt oder Humanmediziner, der mit Tieren oder Babys die für die Arzneifindung notwendigen langwierigen Gespräche führen kann.

Auch kann die „Konstitution“ bei Tieren und Kleinkindern nicht bestimmt werden.
Die Schutzbehauptung der Homöopathen, dass „die Tierbesitzer“ oder „die Eltern“ dem Homöopathen die nötige Information liefern können“, entspricht absolut nicht der Realität, denn hierbei werden nur subjektive Annahmen Dritter formuliert.

Ich selbst bin seit langen Jahren dem Reitsport verbunden, und habe nicht selten unsere Pferde über Hunderte von Kilometern zu Fachkliniken zur Diagnostik gefahren, weil vor Ort kaum zu klären war, welche Ursache z.B. eine Bewegungsstörung hat. Man muß sich nur einmal die vielfältigen Ursachen für einen „unsauberen Gang“ vergegenwärtigen.
Ich würde einen Tierhomöopathen nicht einmal in die Nähe unserer Zossen lassen. Aus Gründen des Tierschutzes.

Homöopathie ist Fremdtäuschung des Klienten und Selbsttäuschung des Behandlers; und im Zusammenhang mit Tieren, möglicherweise auch Tierquälerei.

Vor der Konsultation eines „Tierheilpraktikers“ warne ich ausdrücklich. Der Beruf des Tierheilpraktikers ist gesetzlich nicht geregelt und die Berufsbezeichnung nicht geschützt. Die Ausbildung unterliegt keinen gesetzlich vorgegebenen Richtlinien. Der Tierheilpraktiker muss zur Niederlassung keine (staatlich) anerkannte Prüfung ablegen oder eine Ausbildung nachweisen.

(1) http://tiertafelberlin.wordpress.com/2009/12/04/die-kleine-%e2%80%9ehomoopathische-notfallapotheke%e2%80%9c-fur-haustiere/

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