Studie zur Eigenbluttherapie – Hau wech, die Kohle!

Manchmal wundert man sich schon, für welchen Blödsinn an deutschen Universitäten Forschungsgelder – trotz der knappen Ressourcen im Hochschulbereich – verbrannt werden.

So ist in der neuen Ausgabe von VETImpulse (Nr.1/2010) eine Annonce der „Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilian-Universtität Müchnen“ zu finden, in der eine Doktorandin Studienteilnehmer (Hunde)  für eine Eigenbluttheraphie als Behandlung caniner atopischer Dermatosen sucht.

Eigenbluttherapie? Wasndas? 

Die geheime Lehre vom heilenden Hämatom ist in der Humanmedizin wirklich noch eine Geheimlehre. Geheim ist dabei vor allem, warum – trotz fehlender Heilwirkung – Menschen sich zu dieser Therapie überreden lassen.

Warum nun ausgerechnet bei allergischen Hunden die vorsätzliche Erzeugung von intramuskulären Hämatomen eine andere Wirkung haben soll als bei Menschen, mag in mancherlei Hinsicht eine interessante Frage sein.

Ob diese allerdings – aus medizinischer Sicht – von so enormer Bedeutung ist, um daraus ein Thema für eine Dissertation zu machen, sei dahingestellt; vor allem angesichts der bisherig erkannten Wirkungslosigkeit dieser „Therapie“ aus dem humanmedizinischen Quacksalber-Fundus des frühen 20. Jahrhunderts.

Nun ist die Fragwürdigkeit des Verfahrens offensichtlich auch in München bekannt, weshalb man auf der Internetseite des Instituts lesen kann:

Die Eigenbluttherapie findet schon seit vielen Jahren verbreitet Anwendung in der Praxis und erzielt scheinbar gute Erfolge, allerdings ist die Wirkung bis heute umstritten.

Das Ziel dieser Studie ist die Evaluierung der Wirksamkeit der Eigenbluttherapie bei caniner atopischer Dermatitis anhand von klinischen und immunologischen Parametern.

Da möchte man der Doktorandin doch ins Ohr flüstern: „Herzchen, die Eigenbluttherapie ist nicht so sehr in der „Praxis“ (1) , sondern vielmehr in der „Heilpraxis“ verbreitet, und zeigt nur dort schöne Erfolge, wo es in erster Linie um das Ausplündern des Patienten geht.“

Und, ja, die Wirkung ist nicht umstritten, ganz im Gegenteil: es gibt fast ausschließlich negative Berichte; zumindest unter den Berichten, die ernstzunehmen sind. Der Rest sind die in der alternativheilerische Szenen üblichen anekdotischen Einzelfallkasuistiken, deren Beweiskraft gegen Null tendiert.

Die ernstzunehmenden Studien zeigen allerdings, dass die behaupteten Wirkmechanismen nicht plausibel sind, die Therapieerfolge nicht existieren, und mit der Behandlung immer auch das latente Riskio für eine Infektion oder eine Autoimmunreaktion gegen körpereigene Eiweiße verbunden ist.

n

Nonsense-Forschung ist „en vogue“

Nun ist es  – vor allem in der Medizin – heute richtig angesagt, gegen die Vernunft zu forschen.

Besonders dort, wo Wunschdenken und Machbarkeitswahn aufeinander treffen, also im Bereich der „Alternativmedizin“, zeigen uns solche Lichtgestalten wie beispielweise Harald Walach, dass man selbst mit der Evaluation größten Unfugs ein Forscherdasein rechtfertigen kann. Ob es um die „Wirkung“ von „Bach-Blüten“ oder um den dräuffzigsten Nachweis geht,  dass Homöopathie zwar bei  ziemlich vielen Dingen  nicht wirkt, aber möglicherweise bei einem eingerissenen Zehennagel; Walach untersucht´s.

Warum sollte sich der akademische  Nachwuchs also anders verhalten ?

Man sucht sich ein medizinisches Problem, sprich – eine Krankheit,…

a) …welche starke psychosomatische Anteil enthält, und damit für Placebo-Behandlungen gut zugängig ist, vermeidet es allerdings dann, üblicherweise mit dem Hinweis auf ethische Bedenken, gegen Placebo zu testen.

oder

b) …die schubweise (mit Besserungsphasen) verläuft, so dass man die beschwerdeärmen Phasen als Heilung interpretieren kann;

oder

c) …die multifaktorell zu therapieren ist – und behaupte nach einer erfolgreichen Studie – dass ausgerechnet das getestete Quacksalber-Mittel ursächlich für den Heilungseffekt ist.

Mit dem Blick auf das obengesagte und auf das Studienobjekt:  Nichts ist so wackelig wie Allergien, sie gehören in alle drei genannten Kategorien. Was nicht zuletzt der Grunddafür ist, warum sich Homöopathen und andere Alter-Naive gerade die Allergiker als die „erfolgversprechensten“ Kandiaten für Studien heraussuchen.

Damit soll nicht angedeutet werden, dass die Beschwerden  der Allergiker zu vernachlässigen wären.

Ganz im Gegenteil: Gerade weil diese oft – nehmen wir die atopische Dermatitis / Neurodermitis –  für die Betroffenen quälend sind, bedarf es hier intensiver wissenschaftlicher Weiterentwicklung.

Nur findet man diese nicht dort, wo Nonsense-Therapien Gegenstand von Nonsense-Forschungen sind.

b

Hinweis zur kritischen Distanz

Auch wenn man Richard Feynmans mahnende Worte zur Vermeidung von Cargo Cult Science nicht als Poster im Labor hängen hat,  so besteht meines Erachtens doch die Verpflichtung für jeden, der mit öffentlichen Geldern forscht, die geplante Forschungstätigkeit nach Sinn und  Nutzen abzuklopfen, und sich darüber klar zu werden,in welchem Maße Populismus und Wunschdenken die Forschung beeinflussen, besser gesagt beeinträchtigen.

So sei der Münchener Doktorandin auch eine Stellungnahme eines altgedienten Dermatologen zur Lektüre empfohlen, bevor sie den Weg Richtung Selbst- und Fremdtäuschung beschreitet:

Schulmedizin und „Naturheilkunde“  – Neun Thesen aus schulmedizinischer Sicht

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Naturheilkunde“ bzw. „Naturheilverfahren“, und in welchem Verhältnis steht die Naturheilkunde zur Schulmedizin? Neun Thesen sollen zur Klärung dieses Verhältnisses, das häufig Mißverständnissen unterworfen ist, beitragen.

In der siebenten Novelle der Approbationsordnung für Ärzte wird gefordert, daß das Gebiet „Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren und Homöopathie“ in den Prüfungsstoff der akademischen Medizinerausbildung aufgenommen wird. Diese Thematik aufgreifend, hat am 6. November 1993 an der Universität Marburg ein Studentensymposium über „Schulmedizin und Naturheilverfahren“ stattgefunden. Daß bei dieser Veranstaltung die Naturheilkunde im eigentlichen Sinne so gut wie gar nicht erwähnt worden ist, kann nur denjenigen überraschen, der mit der hierzulande und heutzutage praktizierten Sprachregelung nicht vertraut ist. Die folgenden Thesen stellen einen Versuch dar, Klarheit in die verworrene Situation zu bringen.

These 1:
Notwendigkeit einer Klärung der Begriffe

„Schulmediziner“ und „Naturheilkundige“ sprechen verschiedene Sprachen. Sie sollten aber versuchen, sich zumindest darüber zu einigen, für welche Bereiche die Begriffe „Schulmedizin“ und „Naturheilkunde“ gelten sollen, da man sonst nur aneinander vorbeireden wird. (Die Worte „Naturheilverfahren“ und „Naturheilkunde“ werden in diesen Thesen als Synonyme aufgefaßt.)

These 2:
„Naturheilkunde“ ist nicht Naturheilkunde.

Naturheilkunde im ursprünglichen und eigentlichen Sinne hat die Erforschung des therapeutischen Einflusses von Wärme, Kälte, Klima, Sonne, Luft, Meerwasser oder Diät zum Gegenstand. Dieses Wissensgebiet ist mit dem rationalen Denken vereinbar und deshalb integraler Bestandteil der „Schulmedizin“. Heute ist jedoch in Deutschland dem Begriff „Naturheilkunde“ von interessierter Seite eine andere Bedeutung untergeschoben worden. Aufgrund dieser allgemein etablierten Sprachregelung umfaßt der Begriff „Naturheilverfahren“ alle medizinischen Konzepte, die sich mit rationalem Denken nicht begründen lassen. Ihre Basis ist zumeist eine metaphysische Überzeugung. Diese „Naturheilkunde“ schließt auch solche Methoden ein, die mit „Natur“ nichts zu tun haben (Beispiele: Eigenbluttherapie, „Amalgam-Ausleitung“, „Neuraltherapie“, chinesische Akupunktur; oft wird auch die Homöopathie mit einbezogen). Damit ist der Begriff „Naturheilverfahren“ zu einem nebelhaften Propagandawort, einem Synonym für Pseudo-Naturheilverfahren, umgewertet worden. Integraler Bestandteil dieser „Naturheilkunde“ sind die Gänsefüßchen, die in den vorliegenden Thesen durchgehend gebraucht werden, um einer Verwechslung mit der Naturheilkunde im eigentlichen Sinne vorzubeugen.

These 3:
„Schulmedizin“ ist nicht „konventionelle Medizin“; „Naturheilkunde“ ist nicht „unkonventionelle Medizin“.

Die Konzepte der Schulmedizin unterliegen unausgesetzt dem Prozeß der Verifizierung oder Falsifizierung, d.h. sie werden immer wieder überprüft. Was heute als Lehrmeinung gilt, kann morgen als Irrtum erkannt und verworfen werden. Ein Wesensmerkmal der Schulmedizin ist somit, daß sie durchaus „unkonventionell“ ist. Viele Konzepte der „Naturheilkunde“ sind konservative Denksysteme, die sich über Jahrhunderte nicht gewandelt haben. Die Lehrsätze von Altmeistern, auf die man sich beruft, unterliegen nicht dem Prozeß der Verifikation oder Falsifikation, sondern man glaubt an sie aufgrund einer Konvention. Ein Wesensmerkmal vieler „naturheilkundlicher“ Konzepte ist somit, daß sie durchaus „konventionell“ sind.

These 4:
Das rationale Denken als Paradigma der Schulmedizin

In der Schulmedizin müssen sich alle Konzepte vor dem rationalen Denken verantworten; was vor diesem Kriterium nicht bestehen kann, wird nicht in die Lehre aufgenommen. Wesentliche Merkmale schulmedizinischer Konzepte sind Abstraktion, Möglichkeit zur Generalisierung, Reproduzierbarkeit der Daten, „Objektivierbarkeit“ der Befunde. Der Begriff „rationales Denken“ bedeutet, daß die Schulmedizin eine breitere Grundlage hat als die rein naturwissenschaftliche. Die Schulmedizin ist sich darüber im klaren, daß sich nur ein kleiner Teil menschlichen Krankseins erforschen und erklären läßt. Sie verzichtet auf den totalitären Anspruch, alles erforschen und erklären zu können. Sie ist sich bewußt, daß zum Arztsein mehr gehört als das, was als Prüfungsstoff abgefragt werden kann. Die Schulmedizin arbeitet analysierend und zerstückelnd; dennoch betreibt jeder gute Arzt im eigentlichen Sinne „Ganzheitsmedizin“ (ohne dieses vielfach mißbrauchte Propagandawort für sich zu reklamieren).

These 5:
Kritik am rationalen Denken als Paradigma der „Naturheilkunde“

Die „Naturheilkunde“ stellt das rationale Denken in Frage und läßt auch andere Denkmuster gelten. Diese haben eine metaphysische Dimension, für deren Anerkennung ein „Glaube“ im religiösen Sinne vonnöten ist. Die Konzepte der „Naturheilkunde“ betonen die Einzigartigkeit eines jeden kranken Menschen und richten sich gegen Abstraktion, Möglichkeit zur Generalisierung, Reproduzierbarkeit der Daten und Doppelblindversuche. Der metaphysische Ansatz erzeugt eine systemimmanente Sprache („paradigmenfreies Denken“, „alternative Medizin“, „ganzheitliche Betrachtung“, „erweiterte Heilweisen“). Viele Konzepte der Naturheilkunde beruhen auf Wesensschau („ganzheitliche“ Erklärung des Menschen und seiner Stellung im Kosmos; Ablehnung einer „partikularistischen Ontologie“; Annahme eines „ganzheitlichen Menschenorganismus-Gestaltkraftsystems“; Erkennbarkeit einer Gestaltungskraft jenseits des naturwissenschaftlichen Kausalitätsdenkens; „geistartige Lebenskraft“ (vis vitalis)).

In der Tatsache, daß die Schulmedizin nicht alles erklären kann, sieht die „Naturheilkunde“ eine „Krise der etablierten Medizin“. Demgegenüber lehnt die Schulmedizin den totalitären Anspruch der „Naturheilkunde“ ab, auch das Unerforschliche erklären zu können. Die Forderung, die Schulmedizin solle einen „Paradigmenwechsel“ vollziehen und den metaphysischen Konzepten der „Naturheilverfahren“ eine wissenschaftliche Basis nachträglich unterschieben, ist nicht erfüllbar.

These 6:
Bewertung des Plazeboeffektes in beiden Bereichen

Die Schulmedizin arbeitet in vielfältiger und intensiver Weise mit dem Plazeboeffekt. Doppelblindstudien sind ein Versuch, den Plazeboeffekt auszuschalten. Andererseits ist es eine unbezweifelbare Tatsache, daß „Naturheilverfahren“ erhebliche Plazeboeffekte bewirken können. Dieses Phänomen ist intensiv erforscht und nichts Ungewöhnliches. Sofern mit einer „naturheilkundlichen“ Methode mehr erreicht werden kann als ein Plazeboeffekt, kann sie verifiziert und damit Teil der Schulmedizin werden.

„Wer heilt, hat recht“: Mit diesem Satz ist die Schulmedizin nicht einverstanden, da sie zwischen Plazeboeffekt und anderen Heilwirkungen unterscheidet. In der Therapie fordert das „schulmedizinische“ Denken den Wirkungsnachweis durch Vergleich mit Kontrollen (nicht immer müssen es Doppelblindstudien sein). Das „naturheilkundliche“ Denken vertraut auf die Erfahrung („Erfahrungsheilkunde“).

These 7:
Zweifel versus Glaube in Schulmedizin und „Naturheilkunde“

Ein Wesenszug schulmedizinischen Denkens ist der Zweifel. Im Umgang mit dem Patienten muß der „schulmedizinische“ Arzt stets abwägen, wieviel „Zweifel“ der Patient ertragen kann. Das schulmedizinische Idealziel ist der mündige Patient, der über ein Maximum an Information verfügt, um selbst über die Behandlung mitzuentscheiden. (Aus vielfältigen Gründen wird dieses Idealziel oft nicht erreicht.) Ein Wesenszug „naturheilkundlichen“ Denkens ist der Glaube. Das „naturheilkundliche“ Idealziel ist der Patient, der an den heilenden Arzt und seine Konzepte glaubt. Hierin liegt die Stärke der „Naturheilkunde“, aber auch ihre Schwäche, denn wissenschaftliches Denken schließt stets den Zweifel mit ein.

These 8:
„Natur“ als Ersatzreligion?

In einer Zeit zunehmender Entfremdung von den Glaubensinhalten der etablierten Kirchen bleibt die urtümliche Sehnsucht des Menschen nach metaphysischer Bindung unerfüllt und sucht nach einem Ersatz. Das Wort „Natur“ bekommt für manchen eine religiöse Dimension. Die Stärke der „Naturheilkunde“ liegt darin, daß sie ein religiöses Grundbedürfnis des Menschen zumindest teilweise befriedigen kann. Mit anderen Worten: gerade der Umstand, daß die Konzepte der „Naturheilkunde“ nicht mit dem rationalen Denken vereinbar sind, macht sie für viele Menschen so attraktiv.

These 9:
Freiheit der Meinungen und metaphysischen Überzeugungen ist nicht zu verwechseln mit „Wissenschaftspluralismus“.

Die Freiheit, verschiedene metaphysische Überzeugungen zu entwickeln und zu bekennen auch in Bezug auf Krankheit und Kranksein, ist in einer demokratisch verfaßten Gesellschaft unverzichtbar. Jedem Arzt steht es frei, „naturheilkundlichen“ Glaubensrichtungen anzuhängen und seine Patienten entsprechend zu behandeln. Diese Freiheitsgarantie ist jedoch nicht gleichzusetzen mit „Wissenschaftspluralismus“. Die Hochschulmedizin muß vielmehr darauf achten, den Prüfungsstoff freizuhalten von metaphysischen Kategorien. Die Frage, was wir an einer medizinischen Fakultät mit dem rationalen Denken für vereinbar halten sollen und was nicht, entzieht sich grundsätzlich der Verfügungsgewalt einer staatlichen Anordnung.

Autor:
Rudolf Happle, Dr. med., Univ.-Professor, Dermatologie u. Venerologie, Geschäftsführender Direktor der Dermatologischen Klinik, Universität Marburg

Endnote:

(1) In den Arztpraxen der Humanmediziner ist die Eigenbluttherapie eine IGEL-Leistung, d.h. sie wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Dazu der Standpunkt der AOK:

Die verschiedenen Formen der Eigenblutbehandlung erfüllt nicht die hohen Qualitätsanforderungen, die die AOK – Ihre Gesundheitskasse an eine Behandlung stellt. Bisher ist es den Anhängern des Verfahrens nicht gelungen, die Wirksamkeit zweifelsfrei nachzuweisen. Es gibt auch keine wissenschaftlich haltbare Erklärung für das postulierte weite Anwendungsspektrum. Daher kann die AOK die Kosten für eine solche Behandlung nicht übernehmen.

Hier gilt der Grundsatz, die Versichertengemeinschaft nicht mit den Ausgaben für ein Verfahren zu belasten, dass keine medizinische Wirksamkeit hat.

Schade, dass Waldi nicht lesen kann.

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4 Antworten zu Studie zur Eigenbluttherapie – Hau wech, die Kohle!

  1. Ralf Mueller schreibt:

    An den anonymen Schreiberling von abwertenden Emails,

    wer immer Sie sind, ich finde es feige, nicht zu seinem Standpunkt zu
    stehen, sondern nur polemisch anonym über irgend etwas zu lästern.

    Diese Studie kostet die Universität keinen Cent, damit kann man von
    finanzieller Verplemperung sicher nicht sprechen, sondern nur von böser
    Nachrede. Und sie wird gemacht, weil von vielen Tierheilpraktikern UND
    vielen Tierärzten diese Therapie angeboten wird und keine Studien zur
    Verfügung stehen, die sie bewerten. Wenn die Therapie nicht wirkt, wird das
    veröffentlicht und damit hoffentlich von Leuten wie Ihnen genauso wie von
    besorgten Besitzern gelesen und zitiert, damit die Verwendung der
    Eigenbluttherapie sachlicher gesehen werden kann. Und wenn es doch
    funktioniert, dann wird hoffentlich nochmal jemand eine solche Studie machen
    (weil eine einzelne Studie sicher noch keine Garantien gibt) und die
    Ergebnisse bestätigen oder widerlegen. Das wäre (im Gegensatz zu anonymer
    Polemisierung) der richtige wissenschaftliche Weg, auch wenn es schwieriger
    und zeitaufwändiger ist als reines Lästern.

    Ralf Mueller

    PS: Einige der heute von der AOK bezahltne Therapien wurden vor 50 Jahren
    für Humbug gehalten, andere, die vor 50 Jahren lege artis waren, werden
    heute nicht mehr finanziert ….

    • excanwahn schreibt:

      Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Müller,

      zuerst einmal danke ich Ihnen für Ihren Beitrag, obwohl ich mich doch ein wenig darüber wundere, dass Ihre Doktorandin nicht selbst die professionelle Eloquenz besitzt, den Sinn und Zweck ihrer Forschungsarbeit darzustellen.
      Zumindest nach meinem Verständnis ist eine Dissertation doch der Nachweis,“eigenständig“ wissenschaftliche Forschungsarbeit leisten zu können.
      (Wobei ich natürlich – möglicherweise unberechtigt – annehme, dass Frau Sudach das im Diskurs stehende Forschungsprojekt zum Thema ihrer Dissertation macht.)

      Nun, mir scheint, angesichts Ihrer Reaktion, dass ich ein Reizthema angesprochen habe.
      Ich bemühe mich deswegen um eine sachliche Kommentierung Ihres Beitrags.

      Zitat Prof. Dr. Müller:
      (…)An den anonymen Schreiberling von abwertenden Emails, wer immer Sie sind, ich finde es feige, nicht zu seinem Standpunkt zu stehen, sondern nur polemisch anonym über irgend etwas zu lästern

      Über Ihre Eingangsfloskel muss ich – mit Verlaub – ein wenig schmunzeln, weil die Attacke „ad hominem“ eine der typischen Verhaltensweisen ist, die man eher von solchen Zeitgenossen gewohnt ist, die sich ausschließlich ihren ureigensten Überzeugungen verpflichtet fühlen. Als Wissenschaftler aber müssten Ihnen die Person hinter den Argumenten egal sein, da ein Argument sicher nicht in Abhängigkeit vom Verkünder besser oder schlechter wird.

      Nur der Ordnung halber – und natürlich für´s Publikum – veröffentliche ich hier kurz die „abwertende e-mail“, (gerichtet an die Doktorandin an der Kleintierklinik der LMU München) auf die sich Prof. Dr. Müller bezieht:

      Email an Frau Budach:
      Sehr geehrte Frau Budach,
      ich habe Ihr o.g. Projekt in einem Blog über Alternativmedizin kommentiert.
      https://excanwahn.wordpress.com/2010/01/03/eigenbluttherapie-hau-wech-die-kohle-nr-1/
      Ich wäre ihnen dankbar, wenn Sie dort (gerne aber auch per email) die Datenlage darstellen würden, die Ihnen – jenseits anekdotischer Darstellungen – die Annahme vermittelt, dass die Eigenbluttherapie tatsächlich eine erfolgversprechende Methode in der Veterinärmedizin sein könnte.

      Da Sie sich nicht darüber ausgelassen haben, was an dieser Email nun „abwertend“ ist, bitte ich Sie, diesen Vorwurf doch einmal zu präzisieren.

      Was den „anonymen Schreiberling“ angeht:

      Ich selbst habe mir, vor allem durch jahrelange Recherche im Internet, angewöhnt, mich in erster Linie mit den Botschaften und nicht mit den Botschaftern auseinander zu setzen.
      Schon allein deswegen, um das Verständnis für Gesagtes und Geschriebenes nicht von der Reputation des Autors beeinflussen zu lassen.

      Im übrigen, meine Gründe, im Internet Anonymität zu pflegen, können Sie im Impressum meines Blogs nachlesen.

      Zitat Prof. Dr. Müller:
      Diese Studie kostet die Universität keinen Cent, damit kann man von finanzieller Verplemperung sicher nicht sprechen, sondern nur von böser Nachrede.

      Da eine wissenschaftliche Studie immer Ressourcen – Personalkosten, Medikamente, Rechnerzeiten, Räumlichkeiten etc. – in Anspruch nimmt, sei hier die Frage gestellt, wer die Studie finanziert. Auf der Internetseite des Instituts ist diesbezüglich kein Hinweis zu finden.
      Im übrigen halte ist es für legitim, im Zusammenhang mit Forschungsprojekten die Frage nach den Kosten im Verhältnis zum erwarteten Nutzen zu stellen. Was das nun mit „böser Nachrede“ zutun hat, erschließt sich mir auch nach längerem Nachdenken nicht.

      Zitat Prof. Dr. Müller:
      Und sie wird gemacht, weil von vielen Tierheilpraktikern UND vielen Tierärzten diese Therapie angeboten wird und keine Studien zur Verfügung stehen, die sie bewerten.

      Dieses Anmerkung ist nach meiner Ansicht ein doppelter Rohrkrepierer:

      Zum einen finde ich es schon bedenklich, dass Ihnen der aus der Humanmedizin sattsam bekannte Mechanismus der Anwendung obsoleter, para- und pseudowissenschaftlicher Therapien vor allem durch die nichtärztlichen „Heilpraktiker“, keinen Anlass gibt, der Eigenbluttherapie in jeder Beziehung kritisch gegenüber zu stehen.

      In der Humanmedizin ist die Anwendung der „Eigenbluttherapie“ deswegen eine Domäne der „Heilpraktiker“ geworden, weil die medizinische Entwicklung schon in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts gezeigt hat, dass der allenfalls geringe therapeutische Nutzen eine Weiterentwicklung der Therapie wenig sinnvoll macht.

      Zum anderen finde ich es auch bemerkenswert, dass Sie sich, als Lehrstuhlinhaber, nicht mit aller Deutlichkeit gegen den Einsatz einer therapeutisch fragwürdigen Methode aussprechen, die deswegen fragwürdig ist, weil sich in den mehr als 100 Jahren seit ihrer Begründung kein begründeten Anlass gezeigt hat, dieses Verfahren in den Kanon valider Therapien aufzunehmen. Nicht zuletzt deswegen habe ich in meiner Email nach der Datenlage gefragt, die möglicherweise auf bisher noch nicht bekannte Wirkmechanismen hinweist.

      Zitat Prof. Dr. Müller:
      Wenn die Therapie nicht wirkt, wird das veröffentlicht und damit hoffentlich von Leuten wie Ihnen genauso wie von besorgten Besitzern gelesen und zitiert, damit die Verwendung der Eigenbluttherapie sachlicher gesehen werden kann.

      Abgesehen davon, dass die fast endlosen Nachweise der Wirkungslosigkeit alternativer Therapien durch die akademische Medizin, für einen bestimmten Klientenkreis genau der Anlaß sind, sich dieser Therapie zu widmen
      – (Was die Wissenschaftsmedizin ablehnt, muss helfen, weil es die Wissenschaftsmedizin ablehnt… – ist dafür die irrationale Begründung), kann die Eigenbluttherapie – jenseits realitätsfremden Wunschdenkens (1) und der damit oft verbundenen esoterischen Welterklärungen (2) – völlig sachlich gesehen werden.

      Der Erklärungsansatz ist eindeutig: Es geht um die Immunstimulierung, bei der eine Konfrontation mit sehr unterschiedlich modifizierten Präparaten aus Eigenblut – über eine Entzündungsreaktion – das Immunsystem günstig im Sinne der zu bekämpfenden Krankheit beeinflussen soll.

      Allenfalls für die unspezifische Anregung des Immunssystem gibt es derzeit Hinweise, deren therapeutischer Nutzen allerdings als so schwach erscheint, dass die Therapie als wenig sinnvoll – angesichts möglicher Nebenwirkung (3) angesehen werden muß.
      Für eine Vielzahl von Krankheitsbildern (4), die im Zusamenhang mit der Eigenbluttherapie genannt werden, gibt es nicht einmal ansatzweise sinnvolle Erklärungen, geschweige denn valide Erkenntnisse.

      Zitat Prof. Dr. Müller
      Und wenn es doch funktioniert, dann wird hoffentlich nochmal jemand eine solche Studie machen (weil eine einzelne Studie sicher noch keine Garantien gibt) und die Ergebnisse bestätigen oder widerlegen.

      Ich wiederhole mich noch einmal, Herr Prof. Dr. Müller: Es gibt (im Regelfall methodisch schwache) Studien, die marginale Effekte (5) vorweisen, bei denen jedoch die geringfügigen Effekte gegen die Risiken der Therapie abgewogen werden müssen. Jede Nutzen-Risiko-Analyse spricht jedoch gegen die Eigenbluttherapie.

      Es gibt jedoch deutlich bessere Studien, die sich vor allem mit Variationen der Eigenbluttherapie beschäftigen, bei denen das Blut insgesamt oder bestimmte Blutbestandteile modifiziert werden.
      Diese Studien weisen keinen therapeutischen nutzbaren Effekt nach.

      Zitat Porf. Dr. Müller
      Das wäre (im Gegensatz zu anonymer Polemisierung) der richtige wissenschaftliche Weg, auch wenn es schwieriger und zeitaufwändiger ist als reines Lästern.

      Auch hier wiederhole ich mich noch einmal: Ich habe Sie bzw. Ihre Doktorandin um die Darstellung der aktuellen Datenlage gebeten, die Sie mir nicht liefern können oder wollen. Außerdem stellen Sie selbst fest, dass keine Studien existieren; was eben so nicht stimmt.

      Als ich für den Artikel recherchierte, habe ich mich in ein paar Stunden durch die dünne Literatur (6) gequält. Gequält deswegen, weil in allen Werken die Darstellung schon nach ein paar Seiten nur noch von Anekdoten und Esoterik beherrscht wurde. Nur am Rande sei darauf hingewiesen, dass sich in der Humanmedizin die Eigenbluttherapie besonders im Umfeld der Anthroposophischen Medizin etabliert hat, und somit rationale Erklärungen ohenhin nicht zu erwarten sind.

      Zitat Prof. Dr. Müller
      PS: Einige der heute von der AOK bezahltne Therapien wurden vor 50 Jahren für Humbug gehalten, andere, die vor 50 Jahren lege artis waren, werden heute nicht mehr finanziert ….

      Das, Herr Prof. Dr. Müller ist üblicherweise das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung. Aber ich gebe zu, dass die AOK hier nicht der beste Zeuge war.
      Vor allem deswegen, weil die Entscheidung der AOK nicht deren eigene war, sondern, wie der gesamte Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen auf den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beruht.
      Dessen Position bezüglich bestimmter Variationen der Eigenbluttherapie ist eindeutig.

      Endnoten:

      (1) Zitat: Die Zusammenfassung der Geschichte der Eigenblutbehandlung macht bereits deutlich, daß der uralte Glaube an die im Lebenssaft schlummernden Heilkräfte seine Berechtigung hat.
      Und wenn Goethe Mephistopheles sagen lässt: „Blut ist ein ganz besonderer Saft“, dann kann die tiefe Wahrheit dieser Worte niemand besser verstehen, wie der heutige Mensch in unserem aufgeklärten Zeitalter…
      (Krebs, H., Eigenbluttherapie 4. Auflage, Urban & Fischer 1999, S. 5)

      (2) Zitat: Mit der Immunologie und ihrer mikrokosmischen durchflußzytrometrischen Betrachtung entsteht wieder die alte psychosomatische Verbindung und wir entdecken im Blut erneut die Spuren des Göttlichen: Nicht nur die Funktionen, sondern auch die Steuerungen des Seins ganzer Zellpopulationen werden vom Geist, von der psychischen, seelischen Ordnung beeinflusst.
      (Lanninger-Bolling, Dagmar „Blut als Heilmittel“ Sonntag Verlag 1995, S. 10)

      (3) Zu Nebenwirkungen / Risiko-Nutzen-Abwägung:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Eigenbluttherapie#Komplikationen_und_Nebenwirkungen

      http://www.gwup.org/infos/themen-nach-gebiet/77-komplementaer-und-alternativmedizin-cam/846-eigenbluttherapie

      http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Eigenbluttherapie#Unerw.C3.BCnschte_Wirkungen_.2F_Bekannte_Zwischenf.C3.A4lle

      (4) Allein Krebs verzeichnet im Anwendungsspektrum über 100 (!) akute und chronische Krankheitszustände, bei denen die Eigenbluttherapie angeblich sinnvoll anwendbar ist

      (5)<strong>http://www3.interscience.wiley.com/journal/118864605/abstract

      Randomized, double-blind, placebo-controlled trial of autologous blood therapy for atopic dermatitis
      M.H. Pittler , N.C. Armstrong*, A. Cox†, P.M. Collier†, A. Hart‡ and E. Ernst
      Department of Complementary Medicine, Peninsula Medical School, Universities of Exeter and Plymouth, 25 Victoria Park Road, Exeter EX2 4NT, U.K. *Eurocat Project, University of Ulster, Newtownabbey, U.K. †Dermatology Outpatients Clinic, Royal Devon and Exeter NHS Trust, Exeter, U.K. ‡Medical Statistics Group, University of Central Lancashire, Preston, U.K.
      Correspondence to Prof. E.Ernst.

      Conclusions: These data suggest that, according to the SASSAD score, ABT has beneficial effects in the treatment of AD, although this was not confirmed by the patient-rated assessments. The improvement in observer-rated skin condition suggested by this study needs confirmation in larger trials.

      (6) Zusätzlich verwendete Literatur:

      Haferkamp, H., „Die Eigenblutbehandlung“ Hippokrates-Verlag, Stuttgart, 1951

      Lanninger-Bolling, D., „Blut als Heilmittel“ Sonntag Verlag, Stuttgart, 1995

      Krebs, H., „Eigenbluttherapie“ 4. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München, 1999

      Krebs, H., „Praxis der Eigenbluttherapie“ 5. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München, 2008

      Gedeon, W. (Herausgeber) „Eigenbluttherapie und andere autologe Verfahren“, Haug Verlag Heidelberg, 2000

      Stiftung Warentest, „Die andere Medizin“, Eigenverlag der Stiftung, Berlin, 2005

      Oepen, I. (Herausgeber), „Unkonventionelle medizinische Verfahren“, Fischer Verlag, Stuttgart, 1993

      Bock, K. D., Wissenschaftliche und alternative Medizin“, Springer-Verlag, Berlin, 1993

  2. Ralf Mueller schreibt:

    Offensichtlich haben Sie sich bei der Reaktion auf meine Email sehr viel mehr Mühe gegeben als bei der eigentlichen obenstehenden Botschaft. Das erkenne ich an und dafür danke ich Ihnen auch. Allerdings haben Sie keine einzige rezensierte Studie als Quelle genannt sondern Bücher und Webseiten. Jeder kann Bücher und Webseiten verfassen, ohne sich kritischer Durchsicht stellen zu müssen, daher „zählen“ solche Informationen nur bedingt und sind mit Vorsicht zu geniessen. Des Weitern ist das alles nicht auf Hunde geeicht, daher haben Sie, was die Tiermedizin angeht, keine Informationen gegeben. Sie haben weder Frau Budach noch mich mit Ihren Argumenten überzeugt, wir werden die Studie wie geplant durchführen und vor der Veröffentlichung von sachlichen und fachlich kompetenten Leuten überprüfen lassen. Dass eine junge Doktorandin nicht die Erfahrung besitzt, sich persönlich mit solchen Kommentaren auseinanderzusetzen (und die Email war nicht das Problem sondern Ihr obenstehendes vernichtendes Urteil gegen eine Studie und deren Umstände, die Sie weder im Detail kennen noch sachlich angegriffen haben) und sich ein Mentor dann einschaltet, ist für mich normal. Damit werden wir es allerdings jetzt belassen, weil von unserer Seite alles gesagt ist, was gesagt werden sollte.

    Ralf Mueller

  3. arno schreibt:

    komisch, dachte (5) wäre eine Studie??? Desweiteren find ich die Argumentation „das wurde nicht alles auf Hunde geeicht“ sehr schwach, oder haben Hunde ein besonders anderes Blut? Hängt das von der Hunderasse ab? Da hat Herr Mueller ja noch einige Doktorarbeiten zu vergeben. Naja schade, hätte gedacht, es gäbe da einiges interessanteres zu erforschen. Aber wer in der Forschung ist, der weiß ja dann auch, man muss entweder sehr gut sein, oder sich ein abgelegenes Gebiet suchen, das aus welchen Gründen auch immer noch nicht 1000x beackert wurde.
    Naja ich habe zumindest nicht ganz verstanden, warum es für eine Doktorandin (und offensichtlich auch für Herr Mueller) nicht möglich ist, die Eigenbluttherapie rational in ihrer Wirkweise zu begründen. Weil dann wäre es ja garkeine „Naturheilkunde“, sondern: Medizin. Und dagegen hat der Verfasser des Artikels bestimmt nichts.

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