Rien ne va plus, Hundescheiße !

Wenn man die Wirkmechanismen der modernen Wissenschaftsmedizin mit denen  der Neuzeit-Schamanen-Medizin vergleicht, wird schnell deutlich, dass bei Therapeutika – in der Wissenschaftmedizin wie auch in der Parallelwelt-Heilerei –  eine Kausalität zwischen Dosis und Wirkung  besteht.

Bei der Schamanen-Heilerei allerdings nicht im pharmakologischen, sondern im psychischen Sinn. Und die maßgebliche Dosis ist nicht die Menge einer Arznei, sondern das Quantum kritiklosen Glaubens an die Tauglichkeit eines Verfahrens.

Wobei das zwar ungeschriebene, aber trotzdem eisern angewendete Gesetz des forcierten Selbst- und Fremdbetrugs  (Lex Hahnemanni) gilt: Je abwegiger das Verfahren und je absurder die „Arznei“ ist, also je mehr „Glauben“ vom Patienten erbracht werden muss, desto wirksamer ist die Therapie; zumindest bei Befindlichkeitsstörungen (und in der Diskussion mit Zweiflern).

„Optimiertes Placebo“ nennen es ironisch einige Aufgeklärte der Schamanen-Branche. Die Zyniker unter den Gegenwarts-Magiern jedoch loten die Grenzen des Mechanismus bis zum Erbrechen hin aus.

Der widerwärtige Dr. Eberle, Preisträger „Dodo des Monats“(11/2008)  , ist so ein Fall, und seine Arznei „Excrementum caninum“ ist das Musterbeispiel aus dem Katalog des Irrsinns.

Philanthroper Canide bei der Herstellung homöopathischer Arzneimittel

Als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit alternativheilerischen Verfahren in der Therapie chronischer Erkrankungen – in diesem Fall Morbus Crohn – beschäftigte, bin ich auf das – aus  Eberles verqueren Hirnwindungen stammende – homöopathische „Arzneimittelbild“ von Waldis Stoffwechselprodukten gestossen.

Laut Eberle sind die Leitsymptome für Hundescheiße

– Folgen von Besetzung durch Eltern, Kinder oder Partner;

– Folgen von zu viel mit Alkohol und Rauchen;

– Schokoladeverlangen;

– Depression durch Arbeitsplatzverlust;

also weitestgehend psychische Problemlagen. An diese aber knüpft Eberle ziemlich ungeniert somatische Krankheitsbilder, z.B. den Morbus Crohn.

Nun ist es dem Psychoboom der letzten Jahrzehnte zu verdanken, dass besonders die Nutzer  der Schmananen-Medizin bereit sind, bei chronischen Erkrankungen – auch ohne eine konkrete, nachvollziehbare Begründung – eine psychische Ursache anzunehmen, also sich von von Virchows „causa externa“ verabschieden, und lieber die Schuld an einer Krankheit bei sich selber, sprich in ihrer Psyche – in falschen Ansichten und falschem Verhalten – suchen.

Bei Eberle sieht man diese Verhalten in Reinkultur:

Frau, 36 Jahre alt
Diagnose: Morbus Crohn

Die Patientin leidet seit 15 Jahren mit Unterbrechungen an Morbus Crohn, der in ihrer ersten Schwangerschaft auftrat. Trotz 16mg Cortison leidet die Patientin an bis zu 5 Stühlen mit wässrig, breiiger Konsistenz und unbefriedigendem Gefühl nach Stuhlgang.
Begleitbeschwerden: Schulterschmerzen stechend hauptsächlich nachts, Bewegung und Wärme bessert. Bei geringer Cortisongabe leidet die Patientin an heftigen, krampfartigen Unterbauchschmerzen vor Stuhlgang.
Lebenssituation: Die Patientin hat in ein bäuerliches Anwesen mit großem Feriengäste- und Pensionsbetrieb eingeheiratet. Bis jetzt gehört den Eltern des Ehemannes das Anwesen. Sie hat immer versucht nie anzuecken, arbeitet 16 Stunden am Tag und versucht alles Recht zu machen. Bei der Anamnese fällt auf, daß sie ihren Mund nicht aufbringt, um zu sagen, was wirklich los ist. Kernproblem ihrer Lebenssituation ist ihre Schwiegermutter, mit der sie in der Küche zusammenarbeitet, wobei die Schwiegermutter dominiert und sie sich unterdrückt fühlt.

Die Lebenssituation der Patientin wertete ich als Unterdrückung des eigenen Bedürfnisses und Ausdrucks, da der ganze Lebensraum, in dem sie sich befindet, durch die Schwiegermutter besetzt ist.

Ergebnis:

Nach 4 Monaten Behandlung mit Ex. can. in aufsteigenden Potenzen bis zur Q10 konnte ich die Patientin beschwerdefrei und ohne Cortisongaben entlassen. Die Blutsenkung normalisierte sich vollständig. Die Patientin machte auch eine positive psychische Entwicklung. Sie öffnete sich mehr und die Unterdrückung in ihrer familiären Situation wurde ihr klarer und bewußter, das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter freier. Eine neue Perspektive ergab sich dadurch, daß ihre Schwiegereltern in naher Zukunft zurücktreten und wegziehen werden.

Eberle konstruiert hier mit einer kaum nachzuvollziehenden Arroganz eine Kausalität, die – so zeigen die vielfältigen Forschungsansätze im Zusammenhang mit chronischen Darmentzündungen – mit außerordentlich hoher Wahrscheinlichkeit falsch ist.

Zwar verursacht fast jede chronische Erkrankung auf Dauer eine psychische Belastungssymptomatik, aber im Umkehrschluß die Symptome zur Ursache zu erklären, ist ein schlichter Diagnosefehler, der dann, wenn man sich in die Hände solcher Therapeuten wie Eberle begibt, auch zur Therapie mit Hundekot führt.

In einem Artikel des Deutschen Ärzteblatt aus 2004 ist zu lesen:

Eine Zunahme der Patientennachfrage nach komplementärmedizinischen Angeboten ist in vielen westlichen Industriegesellschaften zu beobachten. Dieser Trend ist per se nicht als Beleg für Wirksamkeit der Komplementärmedizin aufzufassen, aber deutet auf den Wunsch nach Erweiterung der therapeutischen Optionen seitens der Patienten und ihrer behandelnden Ärzte hin, insbesondere bei chronischen oder nicht heilbaren Krankheiten.

Schauen wir also mal, ob die altenativheilerische Option tatsächlich zu einer besseren Versorgungslage beispielsweise der Morbus Crohn – Patienten führen würde.

Wird sich also die Hundkot-Therapie auf Dauer durchsetzen, ist die endzündliche Darmerkrankung in Zukunft ein Fachgebiet für homöopathisch-psychotherapeutische Heilpraktiker und Waldi?

Dafür spricht nur sehr wenig, viel spricht allerdings für die Empfehlung an Morbus Crohn-Patienten, sich von Therapeuten und Therapien zu verabschieden, die sich vorrangig mit der Psyche ihrer Patienten beschäftigen.

Und diese Empfehlung  basiert wiederum auf der Grundlagenforschung der kalten Schulmedizin…

b

Grundlagenforschung in Sachen  „Morbus Crohn“:

Was nämlich sich derzeit bei Morbus Crohn abzeichnet, ist in etwa gleichzusetzen mit der Entwicklung der Gastritis und des Ulkus ventriculi vom Stress-Symptom zur Infektionserkrankung.

Nachdem heute eine genetische Disposition für die Entstehung eines MC als wahrscheinlich gilt, kam bereits in den späten 1990er Jahren der Verdacht auf, dass Morbus Crohn möglicherweise die Folge einer Infektion durch den Erreger Mycobacterium paratuberculosis (MAP) ist.

Diese Mycobakterien haben ihr Reservoir in Wiederkäuern, und inzwischen ist belegt, dass die dass die Häufigkeit von Morbus Crohn positiv mit dem Verzehr von tierischem Protein – insbesondere Milchprotein – korreliert.

Inzwischen hat sich der Verdacht mehrfach bestätigt, zuletzt durch eine internationale Studie von Veterinär- und Humanmediziner aus den USA, Norwegen und Dänemark, die Immunreaktion von Morbus Crohn-Patienten auf Kontakte mit Mycobacterium avium paratuberculosis beobachteten.  Weiterhin ist der Erfolg einer antibiotischen Therapie bewiesen, was ebenfalls für die These einer Infektionserkrankung spricht.

Die wissenschaftliche Beweislage ist zwingend. Aufgrund der Vielzahl von Belegen, dass der Erreger MAP nicht nur für das Krankheitsbild der Paratuberkulose bei Wiederkäuern und anderen Tieren verantwortlich ist, sondern auch am Morbus Crohn des Menschen beteiligt ist, reagieren jetzt weltweit Landwirtschaft, Milchindustrie und Veterinärmedizin mit Anti-Paratuberkulose-Programmen.

b

Rien ne va plus, Hundescheiße !

Was hier wieder einmal deutlich wird: Medizinische Entwicklung bedarf der Grundlagenforschung. Sie ist das einzige Instrument gegen den Selbst- und Fremdbetrug der Alternativheiler-Szene, sie ist das einzige Mittel gegen Quacksalber wie Eberle.

Manchmal dauert es lange, die kausale Ursache einer Krankheit zu identifizieren; aber letztlich wird sie entdeckt. Und jede eindeutig belegte Krankheitsursache ist eine Widerlegung der homöopathischen Annahme einer „gestörten Lebenskraft“.

Deshalb mutet geradezu zynisch an, wenn eine „Professorin“ wie Claudia Witt   von der Charité –  oder jemand wie der Dr. Eberle  –   ernsthaft den Eindruck vermitteln wollen, dass Homöopathie-Forschung (oder das, was sie für Forschung halten) tatsächlich eine wissenschaftliche Bereicherung darstellt.

Was allein nötig ist, ist die Suche nach Krankheitsursachen und spezifischen Therapien.

Alles andere ist Patientenverdummung; gelegentlich garniert mit Hundescheiße.

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3 Antworten zu Rien ne va plus, Hundescheiße !

  1. arnesto schreibt:

    Du sprichst mir aus der Seele…
    Was den armen Patienten da als Medizin verkauft wird ist schon fast kriminell. Das Problem ist nur, dass die Idioten den Kram auch noch mit offenen Armen annehmen. Wofür Homöopathen allerdings gar nicht so empfänglich ist sind wissenschaftliche Fakten oder berechtigte Kritik an ihrem Bullshit. Ich streite mich fast täglich mit meinen öko-Kollege darüber.

    Übrigens ist die Sache mit dem Tierkot in der Homöopathie nichts neues. Ich hab mal zum Spaß nach einem Medikament für mehr Kreativität gesucht. Daraufhin wurde mir ein Mittelchen mit einem bedeutungsträchtigen lateinischen Namen empfohlen. Hinter diesem verbarg sich dann der Wirkstoff: „Ausscheidungen des Pottwals“

    Mjam mjam

  2. Huber schreibt:

    Zur Scharlataneriemisere im deutschsprachigen Raum:

    http://kidmed.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=12094

    Das ist eine Übersicht über die Scharlatanerie-Kriminalität im Gesundheits- bzw. Krankheitsbereich.

    Das macht Einen fertig!

  3. 35723m schreibt:

    Zur kriminellen Homöopsychopathie:

    http://kidmed.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=7499

    Sie sind alle herzlich zum Mitlesen und Mitschreiben bei http://www.kidmed.de eingeladen.

    Viele Grüße aus Frankfurt/M.

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