Blauzungen-Blödheit: Fluch der Ökonomie

Nachdem der deutschsprachige Raum im letzten Jahr nur knapp einem biologisch-dynamischen Bauernaufstand entkommen ist, dessen Ursachen in der Zwangsimpfung gegen die Tierseuche „Blauzungen-Krankheit“ lagen, hat sich die Situation derzeit ein wenig verändert.

Es fehlt der Impfstoff.

Unterschätzte Impfbereitschaft

Wenn man nämlich seine Aufmerksamkeit vom impfgegnerischen Gezeter des meist aus dem Demeter-Umfeld stammenden, biologisch-dynamisch versteinerten Landvolks zu solchen Tierhaltern lenkt, die ihre Verstand noch beieinander haben,  wird man feststellen, dass es eine große Zahl von Züchtern und Haltern gibt, die sehr genau die Gefahr für ihre Herden durch die Seuche wissen, und die die Schutzimpfung als Segen auffassen, wenn sie denn zu bekommen wäre.

Die Fachzeitung VetImpulse (Ausgabe 10 / 15.Mai 2010) meldet jetzt, dass es bei Blauzungen-Impfstoffen zu massiven Engpässen gekommen ist.

Verantwortlich sei dafür auf der einen Seite die Erfolgsgeschichte der Impfung, die zu einer erheblichen Senkung des Infektionsdrucks geführt habe, was sich auch auf die Einschätzung der Nachfrage, und damit auf die Menge des produzierten Impfstoffes ausgewirkt hat. Offenbar ist aber die Sorge um das liebe Vieh, und damit auch die Nachfrage nach Impfstoffen, – vor allem unter den Schafzüchtern – deutlich größer, als angenommen.

Weiterhin macht der im Artikel zitierte Vorsitzende des „Bundesverbandes für Tiergesundheit“ Dr. Dieter Schillinger, auch die Aufhebung der Impfpflicht für die Produktionprobleme verantwortlich. Hierdurch seien erhebliche Planungsprobleme bei den Impfstoffherstellern entstanden, nicht zuletzt deswegen, weil Impfstoffproduktionen Vorlaufzeiten bis zu einem halben Jahr haben.

Es scheint also, als hätten Politik und Ökonomie der Tierseuchenbekämpfung ein Bein gestellt.

Beeindruckt vom lautstarken Protest der bäuerlichen Impfgegner – möglicherweise auch von der Misere der H1N1-Impfkampagne – , und genau so wegen des „ruhigen Infektionsgeschehens“, hat man sich der ersten Bürgerpflicht hingegeben, und die Politik der ruhigen Hand betrieben.

Offenbar war die – angesichts der realen epidemiologischen Gefahren – jedoch ein wenig zu ruhig. In Spanien nämlich wird die auch dort 2008 ausgesetzte Impfpflicht in Schutzzonen wieder eingeführt, nachdem sich in Marokko und Tunesien die Imfektion mit dem Serotyp 4 wieder zunehmen.

Epidemiologen wissen heute sehr genau, wie  welchem Tempo sich Erreger ausbreiten können. Und sie auch, dass der einzig wirkliche Schutz gegen Infektion die Impfung ist und bleibt.

Nach Ansicht des Verfassers ist es eine der wesentlich Aufgaben der Politik,  wirksame medizinische Prophylaxe sicher zu stellen.  Auch wenn sich, wie bei der H1N1 – Pandemie geschehen, herausstellt, dass ein Erreger doch nicht der befürchtete Killer ist.

Besser ein Impfstoff ohne Epidemie, als eine Epidemie ohne Impfstoff.

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Eine Antwort zu Blauzungen-Blödheit: Fluch der Ökonomie

  1. yerainbow schreibt:

    Hi, hab Deinen Blog eben entdeckt und möchte ihn auf meinen (ganz harmlosen) Blog verlinken.
    Falls Du damit nicht einverstanden bist, protestiere bitte umgehend…
    Grüßle
    YR

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