Organon 2010: Homöopathische Immunisierung…

…gibt´s nicht. Jedenfalls nicht als wirksame medizinische Therapie.

Aber die Überschrift ist auch anders gemeint: Sie bezieht sich auf die einzige Strategie, in der Homöopathen derzeit höchste wissenschaftliche Anstrengungen betreiben.  Die Strategie, der Welt durch passend zurechtgefummelte Biometrik eine Evidenz der Homöopathie vorzugauckeln, um sich damit vor dem bösen Vorwurf „Keine Wirksamkeitsnachweise“ zu immunisieren.

Weltmeisterin darin ist derzeit die Königin der epidemiologischen Kohortenstudie, Stiftungsprofessorin Claudia Witt, die sich, finanziert durch die Gelder des Lobbyisten-Vereins KVC (Karl und Veronika Carstens-Stiftung), intensiv bemüht, nicht nur die kritische Evaluation mit Hilfe der  RCT zu diskreditieren, sondern vor allem eine Form von Evidenznachweisen in der Medizin zu etablieren, die jedem Qualitätsbemühten (1) den Angstschweiß auf die Stirne treibt.

Frau Prof. Witt gibt sich, hier in Berlin, demnächst in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts die Ehre, und präsentiert Ihre professionellen Überlegungen alternativheilerische Cargo Kult Wissenschaft.

In der homöopathischen Fallaufnahme und Behandlung spielt Individualität eine wesentliche Rolle. Individualität lässt sich im Rahmen von klinischen Studien jedoch kaum abbilden, hier zählen Standardisierung der Diagnose, der Therapie und der Erfassung des Therapieerfolgs.

Welche Forschung braucht die Homöopathie?

Welche Fragen können durch welche Studiendesigns beantwortet werden?

Kann Individualität im Rahmen der Versorgungsforschung berücksichtigt werden?

Diesen Fragen werden Claudia Witt und Michael Teut nachgehen und mit Hilfe von Beispielen beantworten.

Wer also interessiert daran ist, mit welchen Validierungstechniken in Zukunft komplementärmedizinischer Mumpiz unters gläubige Volk gebracht werden soll, für den gibt´s  einen Pflichtermin, bei dem auch nur Südafrika gegen Uruguay verpasst wird.

Mittwoch, 16. Juni in Berlin
Vortrag: Individualisierung und Versorgungsforschung – Ergänzung oder Gegensatz?

Begrüßung: Kurt-Jürgen Zander, Oberbürgermeister der IBA-Stadt Köthen (Homöopathie als Entwicklungskraft)
Moderation: Curt Kösters, 2. Vorsitzender des DZVhÄ
Vortrag und Diskussion: Prof. Dr. Claudia Witt und Dr. Michael Teut vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin
Zeit: 16. Juni 2010, 18.30–21.00 Uhr
Ort: Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Luisenstraße 18, Berlin Mitte
Der Eintritt ist frei.

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Ich denke, es wird ein anregender Abend, und ich hoffe, dass sich dort auch einige Vertreter der Wissenschaftsmedizin und der Skeptiker-Szene einfinden werden, um Frau Witts Ausführungen angemessen zu würdigen.

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Endnote:

(1) Zum Thema ein weiterführender Artikel im GWUP-Blog:  

Jürgen Windeler und das IQWiG: Wie prüft man Therapieeffekte?

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8 Antworten zu Organon 2010: Homöopathische Immunisierung…

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  2. ferdi schreibt:

    danke für den tipp! ich denke, ich werde mir einen amüsanten abend in einer parallelwelt gönnen😉
    fundis ärgern, klasse! wer kommt mit?🙂

  3. 40_Fieber schreibt:

    Leider zu weit weg für mich.

    Aber die Witt umgeht gezielt randomisierte Doppelblindstudien und behauptet es gäbe kein Studiendesign dazu. Das ist gelogen. Wer dort hingeht, sollte sich mit der „Münchner Kopfschmerzstudie“ von Walach befassen. Die Witt kennt und ignoriert sie. Sie war auf dem Homöopathiekongress der DHU dabei als eben auch über diese Studie von Walach gesprochen wurde.

    Es ist total einfach eine individualisierte Doppelblindstudie zu basteln.

    Das ist das Design:

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18415620

    Für die Studie selbst gibts leider kein abstract. Aber der Ausgang war desatrös. So desatrös. daß ich mich heute noch darüber wundere, weshalb Walach die Ergebnisse nicht korrigiert hat:

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9137850

    http://www.google.com/search?ie=UTF-8&oe=UTF-8&gfns=1&sourceid=navclient&rls=com.google:de:official&q=Classical+homeopathic+treatment+of+chronic+headaches.

  4. excanwahn schreibt:

    High Fever!

    Classical homeopathic treatment of chronic headaches

    Abstract:

    We conducted a randomized, placebo-cor rolled, double-blind clinical trial in order to determine the efficacy of classical homeopathic therapy in patients with chronic headaches. After 6 weeks of baseline observation, patients received either the prescribed individualized homeopathic medication or an indistinguishable placebo for 12 weeks. Outcome parameters were headache frequency, duration, and intensity, measured daily by diary. Use of medication for acure headache was also monitored. Of the 98 patients in the sample, 37 were randomized to receive placebo, 6I received individualized homeopathic remedies. Groups were comparable at the beginning of the treatment. The median age was 48.5 years; 76% suffered from migraine, 51% from tension-type headaches, and 94% were previously treated for headache. The median headache frequency was 3 days a week. Headaches were present for 23 years (median). In both groups, patients showed an improvement of one headache day less per month. The use of medication for acute headache was reduced. The headache frequency of 11 patients was reduced by more than 40%. Thirty-nine patients either did not improve or experienced aggravations. There was no significant difference in any parameter between homeopathy and placebo.

    Key Words: Homeopathy • migraine • placebo • randomized controlled trial • tension headache

    Cephalalgia, Vol. 17, No. 2, 119-126 (1997)
    DOI: 10.1046/j.1468-2982.1997.1702119.x

    Desaströs. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    • pharmatante schreibt:

      *kicher* ‚placebo-controlled‘? *rofl* Zuckerkügelchen mit Placebo zu vergleichen, ist schon irgendwie lustig… Schön, dass das mal jemand gemacht hat.

  5. 40_Fieber schreibt:

    Ah, wunderbar!
    Das ist ein wasserdichtes individuelles Studiendesign. Darauf, daß es sowas nicht gäbe, kann sich die Witt nicht herausreden. Sie kennt die Studie auch.
    Globuli sehen alle gleich aus und es ist völlig egal, welches Individualmittel der Patient nun bekommt. Man vergleicht ja nicht die Arzneien, sondern will seit 200 Jahren wissen, ob da überhaupt irgendwas funktioniert, wenn jemand ein individuelles Mittel repertorisiert.

    Eine Studie dieser Art von Homöopathen wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Das trauen die sich nicht mehr.
    Notfalls müßte man den Edzard Ernst mal fragen, ob er nochmal sowas machen will. Dann können die Homöopathen ja ihre besten Pfuscher zum Repertorisieren schicken.

  6. excanwahn schreibt:

    Ich werde versuchen, Frau Stiftungsprofessorin auf Walachs größten Bock anzusprechen. Schauen wir mal, ob´s denn möglich ist.

    Ein zu kommentierender Bericht zur Veranstaltung kommt aber auf jeden Fall.

  7. Pingback: Homöopathie-Forschung: Käpt´n Blaubärs Nebenjob « excanwahn-Blog

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