Homöopathie : Abgesang auf einen kollektiven Wahn

Es sind jetzt gerade einmal zwei Wochen vergangen, seit der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, fast zeitgleich mit dem „Spiegel“, eine Diskussion um die Homöopathie anstieß, und mit einigen  wenigen Sätzen die Nation mehr in Aufruhr versetzte, als jede der zahlreichen Zumutungen der gegenwärtigen Politik es auch nur annähernd gekonnt hätte.

Fast jede größere Zeitung hat den Spiegel-Essay und/oder Lauterbachs Vorstoß mehr oder weniger –  in den  meisten Fällen weniger – kompetent kommentiert (1), und in den Redaktionen sind bundesweit abertausende von Leserkommentaren eingegangen, die unmißverständlich zeigen:

Deutschland steht kurz vor einem Bürgerkrieg.

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Magie gegen Medizin, VooDoo gegen Validität ?

Ein Bürgerkrieg, der nicht wegen Gründen geführt wird, die sonst als berechtigte Anlässe dienen, sich gegenseitig auf´s Haupt zu hauen: beispielsweise desolate gesellschaftliche Verhältnisse und schwerwiegende soziale Schieflagen, verletzte religiöse Gefühle – oder wenigstens Fußball.

Keineswegs, es geht nur um die Frage, ob auch in Zukunft eine bestimmte Art von „Arzneien“, die in den meisten Fällen keine pharmakologischen Wirkstoffe enthalten, weiterhin von der Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten für solche „Patienten“ mitfinanziert werden müssen, die fest davon überzeugt sind, dass bei nicht behandlungsbedürftigen Erkrankungen die Einnahme von nicht wirkstoffhaltigen Heilmitteln allemal besser ist, als der gänzliche Verzicht auf Medikamente und das Vertrauen auf die Selbstheilungskraft des Menschen.

Diese Frage entzweit berechtigterweise die Nation.

Sie trennt die, die der Ansicht sind, dass Medizin das ist, was seine Heilwirkung nachweisen kann, von denen, für die eine Medizin erst dann richtig gut ist, wenn Engel, Elfen und Zaubersprüche am Geschehen beteiligt sind, und die noch viel besser wird, wenn man sie – die Medizin – nicht so richtig versteht; denn dann kann man sich völlig hemmungslos dem Wunschdenken hingeben, und zur Rechtfertigung mal wieder den Hamlet zitieren (2).

Und weil es offenbar der Seelenlage des (post)modernen Menschen entspricht, sich mystische Spielwiesen zu suchen, intonierte in den letzten Tagen dann auch ein vielstimmiger Chor von Glaubulisten lautstark das Credo der individualisierten homöopathischen  Therapie, ungeachtet der kaum zu bestreitenden Tatsache, dass die Mehrzahl von ihnen ganz individuell „Belladonna“ verordnet bekommt. Selbstverständlich nach einer völlig individuellen Anamnese und in unbedingtem Respekt vor der einzigartigen Persönlichkeit des Klienten…

Irgendwie erinnert mich das Ganze an die Massenkonzerte eines britischen Barden, der, nachdem er jedem seiner (weiblichen) Fans unmissverständlich vermittelt hat, die „Einzige“ zu sein, gerne auch noch die Mär von der allumfassende Fürsorge jenseits kleinlicher menschlicher Dimensionen anstimmte:

And through it all she offers me protection,                                                                                     A lot of love and affection, whether I’m right or wrong
And down the waterfall                                                                                                            wherever it may take me                                                                                                                        I know that life won’t break me,                                                                                                    when I come to call, she won’t forsake me…
When I’m feeling weak and my pain walks down a one way street…

Ganz weit ist die Homöopathie von solchen Affektlagen nicht entfernt.

Und dreihunderttausend mitgröhlende Seelenleidende (3) sind ein deutlicher Beweis für die These eines durchaus klarsichtigen Mannes, Johann Cristoph August Heinroth, der mit seiner nachfolgend abgedruckten Sentenz allerdings weniger einen zum Entertainer avancierten Boy-Group-Boy meinte, sondern einen posthum zum Pop-Star der Medizin erklärten Dogmatiker der Deutschen Romantik:

„Von jeher hat sich die Ueberzeugung eines determinirten Mannes, wenn diese Ueberzeugung auch nur ein Wahn war, leicht auch anderen Gemüthern mitgetheilt.“

Womit wir wieder beim Thema wären.

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Gegen den Wahn – Zum Ersten…

Heinroth, ab 1811 erster deutscher Professor für Psychologie in Leipzig,  war einer der Zeitgenossen Hahnemanns, die sich schon ganz früh bemühten, die Homöopathie richtig zu verstehen. Das ist ihm wahrhaftig gut gelungen, und zwar so gut, dass er sich, ganz offensichtlich ziemlich empört über den Hahnemannschen Quatsch, 1825 genötigt sah, ein Anti-Organon (4) zu veröffentlichen.

Wie sehr Heinroth erzürnt über das war, was Hahnemann bei der fortschreitenden Entwicklung seiner Irrlehre seinen wissenschaftlichen Kollegen zumutete, wird schnell deutlich, wenn man nur allein die Einleitung zum Anti-Organon liest:b

„(…) allein das ganze Lehrgewebe (um nicht vor der Zeit zu sagen: Spinngewebe) der Hahnemannischen Theorie ist noch nicht auf die Weise ins Auge gefasst worden, wie der Verfasser der vorliegenden Schrift der Meinung ist, daß man mit demselben verfahren müsse.

Er hat sich nämlich überzeugt, daß man viel zu nachsichtig mit Herrn Hahnemann rücksichtlich der von ihm aufgestellten originellen Begriffe verfahren ist; daß man ihm (Hahnemann) Vieles hat hingehen lassen, was sich vor dem Richterstuhle des strengen Verstandes gar nicht vertheidigen läßt; überhaupt, daß man Herrn Hahnemanns, zwar nicht Kunst, aber doch Art, sich ein System zusammenzubauen, und nicht bloß unerwiesene, nicht bloß unerweisliche, sonder auch sich selbst widersprechende Begriffe und Sätze zu den Grundpfeilern seinen Gebäudes zu machen, mit einer Milde hat durchgehen lassen, deren sich Herr Hahnemann gegen die Gesamtheit der Äerzte nicht in gleicher Weise beflissen hat. (…)

Wer falsche Begriffe hat, spricht auch falsche Regeln aus, wenn er auf seine Begriffe Regeln baut; und thut er dies, so verleitet er auch zu einem falschen Verfahren.“

Ungeachtet dieser mahnenden Worte nutzten die Zeitgenossen – und vor allem die Erben Hahnemanns – die folgenden sieben oder acht  Jahrzehnte, um sich gründlich lächerlich zu machen.

Man gewinnt bei einem chronologischen Studium der einschlägigen Literatur den Eindruck, je mehr sich durch die wegweisenden Impulse solcher Wissenschaftler und Ärzte wie Semmelweis, Koch oder Pasteur, die Nüchternheit der wissenschaftlichen Erkenntnis in das Einzug hielt, was wir heute wissenschaftliche Medizin nennen, um so unkritischer, spekulativer und mystischer wurde die „Theorie“ der Homöopathie.

Als spektakulärstes Beispiel dürften die Elaborate J.T. Kents gelten, welcher der Homöopathie in den Vereinigten Staaten Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen hochgradig abwegigen, wenngleich sehr phantasievollen Arzneimittelbildern den Garaus bereitete. Wie abwegig, zeigt die Diskussion selbst unter ausgewiesenen Homöopathen im Nationalsozialismus, bei der der damalige Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) Hanns Rabe die Ansicht vertrat, dass wohlmöglich 90-95 % aller von Kent genannten Symptome eines Arzneimittels „Placebo-Symptome“ (5) seien.

Um so mehr verwundert es, wenn man in einer 1994 erschienenen Neuübersetzung von Boerikes „Materia medica“ (6) lesen darf:

„Den guten Homöopathen erkennt man daran, daß auf der einen Seite seines Schreibtisches der „Kent“ und auf der anderen Seite der „Boericke“ liegt.“

Wer sich allerdings heute, gut 100 Jahre nach den Kentschen Halluzinationen, die Auftritte des medizinischen Laien Vithoulkas (7) zu Gemüte führt, kommt nicht um die Erkenntnis, dass sich am spekulativen Mystizimus der Homöopathie wohl nichts geändert hat.

Bestätigt wird diese Ansicht, wenn man sich der aus den 1990er Jahren stammenden Literatur widmet, in der – zeitgeistig verursacht –  die Homöopathie mit der Psychoanalyse und Psychotherapie zu einem metaphysischen Konglomerat übelster Machart verpanscht wurde. Wer es sich antun mag, möge dazu die von Rainer Appell anläßlich der „Hainstein-Tagung“ von 1992 herausgegebene Zusammenstellung von Aufsätzen (8) lesen.

Und für die ganz Hartgesottenen  noch ein weiterer Tipp aus dem Reich des ungebändigt tobenden Narrativums: Rosina Sonnenscheinschmidt „Miasmen und Kultur“, erschienen im Berliner Verlag Homöopathie & Symbol, in dem Martin Bomhardt, ein Schüler von Andreas Krüger, dem Schulleiter der Berliner Samuel-Hahnemann-Schule und Fan von Bert Hellinger,  es sich zur Aufgabe gemacht hat, das metaphysische Getaumel diverser Dozenten dieser wirklich unglaublichen Leereinrichtung (Nein, es ist kein Schreibfehler) zu Papier zu bringen.

Es ist einfach nicht zu ignorieren: Der Erfolg der Homöopathie lag und liegt in der Beliebigkeit alternativer Weltdeutung, die – oft, aber dennoch falsch – als Chance der Bewusstseinserweiterung gepriesen werden, aber letztlich nicht anderes ist, als die banale Ignoranz der normativen Kraft des Faktischen, beschrieben durch die Disziplinen der Naturwissenschaften.

Doch zurück in die Chronologie des andauernden Scheiterns, und damit an den Anfang des  20. Jahrhundertsb

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Homöopathie zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus

Hier ist es an der Zeit, kurz von der Adoption der Homöopathie durch die große Doppelnull, durch „Rudi den Versteinerten“,  zu berichten, der die Homöopathie wohl vor allem deswegen in sein von der Ignoranz der Realität geprägtes Weltbild aufnahm, weil diese in ihrer Abwegigkeit dem seinen in nichts nachstand.

In die Parallelwelt der Steinerschen Anthroposophie in der Epoche des  Fin-de-siécle, passte die an Selbstbezogenheit und Narzissmus  kaum noch zu übertreffende Homöopathie der Burnetts, Kents oder Boerickes nämlich ganz vorzüglich.

Der Zeitgeist des Jahrhundertwechsels, gekennzeichnet vom ständigen Wechsel zwischen Aufbruchsstimmung und euphorischen Zukunftserwartungen und – im Gegenentwurf – indifferenter Zukunftsangst und regressiven Verhaltensweisen, bot ideale Voraussetzungen für die Gestaltung vielfältiger irrationaler Spielwiesen.

Auf eine ähnliche Geisteshaltung traf die Homöopathie auch nach der Weimarer Republik im aufkommenden Nationalsozialismus. Geboren aus großer gesellschaftlicher Verunsicherung ist hier ebenfalls eine kollektive Realitätsverweigerung gesellschaftliches Programm, denn je klarer die bedrückende ökonomische Realität nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise durch die mit ihr verbundenen Zumutungen des Alltags ans Licht traten, desto stärker wurde die Sehnsucht nach einem wohligen Nebel, der sie wieder verhüllte.

Hier bot und bietet die Homöopathie mit ihrem spiritualistischen Überbau ein Verfahren, dass für jedwede Befindlichkeitsstörung ein Mittelchen bereitstellt; ungeachtet einer medizinischen Notwendigkeit. Dazu addiert sich die in den Homöopathie-Kreisen weitestgehend totgeschwiegene, wenngleich unbetreitbare historische Tatsache, dass besonders die esoterik-versessenen Nazis, allen voran Hess und Himmler, der Homöopathie äußerst wohlwollend gegenüber standen, und der Therapie zu einem aus wissenschaftsmedizinischer Sicht kaum nachzuvollziehenden Bedeutung verhalfen.

Allerdings, was im Grunde nicht wundert, wurden die umfänglichen Versuche, die Homöopathie wissenschaftlichen Überprüfungen zu unterziehen, zu einem völligen Deasaster. In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf den Donner-Report (5) verwiesen.

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Gegen den Wahn – zum Zweiten…

Als dann, nachdem in  Deutschland die Kriegsfolgen einigermaßen bewältigt waren, das große gesamtgesellschaftliche Vergessen der Nazi-Greultaten auch in der Medizin einsetzte – wogegen u.a. Alexander Mitscherlich mit seinem Protokoll der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse  „Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Medizinische und eugenische Irrewege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg“ leider nur bedingt erfolgreich anschrieb –  nutzten natürlich auch die Homöopathen dieses Vakuum aus Geschichtsignoranz und temporärer gesellschaftlicher Amnesie, um sich neu zu formieren.

Und schon 1955 verkündet einer der bekanntesten Homöopathen des deutschsprachigen Raums, der Österreicher Mathias Dorcsi voller Zuversicht (und Arroganz) :

„Die Homöopathie ist die Therapie der Zukunft. Wir haben auf der Hut zu sein, daß man nicht Homöopathie betreibt, ohne etwas davon zu wissen, und uns unseres Eigentums beraubt.“

Diese Chuzpe, lag ja die große wissenschaftliche Pleite der Homöopathie unter den Nazis gerade mal ein Jahrzehnt zurück, war möglicherweise der berühmte Tropfen, der das Fass für einen weiteren Kritiker zum Überlaufen brachte:

Im Jahre 1957, mehr als 100 Jahre nach der ersten wirklich vernichtenden Kritik an der Homöopathie durch Johann Christian August Heinroth, veröffentlichte der kürzlich verstorbene, langjährige Direktor des Institutes für Gerichtliche Medizin der Humboldt Universität Berlin, Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Otto Prokop (Klick) zusammen mit seinem Bruder Prof. Dr. Ludwig Prokop seine profunde Auseinandersetzung mit der Homöopathie (9), die heute, wieder als ein halbes Jahrhundert später, nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Allenfalls ist die die Prokops bestätigende Datenlage umfangreicher geworden.

Dieses Buch war der Auftakt einer Reihe homöopathie-kritischer Stellungnahmen, zu denen sich, nach Prokop, und nicht selten in Zusammenarbeit mit ihm, eine keineswegs geringe Zahl von Wissenschaftlern veranlasst sah; wobei erwähnt werden muss, dass die Wiedergeburt esoterischer und okkulter Weltbilder im Rahmen der New Age-Bewegung der 1970er -´90er Jahre diesem Streben einen zusätzlichen Impuls verlieh, sich von wissenschaftlicher Seite mit irrationalen Weltmodellen auseinanderzusetzen.

So finden wir entsprechende Publikationen (10) nicht allein in der Medizin, sondern in allen Disziplinen der Naturwissenschaften, und genau so auch aus den Reihen der Psychologen, der Soziologen, und nicht zuletzt auch von Seiten der Theologie.

Allerdings stehen diesen kritischen  Stimmen eine Vielzahl unkritischer Jubelpublikationen zur Homöopathie und anderer alternativmedizinscher Verfahren gegenüber.

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Gegen den Wahn – …und zum Dritten !

Man kann davon ausgehen, dass der Pharmakologe Prof. Dr.med et phil Wolfgang H. Hopff, Autor einer weiteren kritischen Auseinandersetzung mit der Homöopathie (11), wohl den berühmten Nagel auf den Kopf traf, als er in der Einleitung zu seinem 1991 erschienenen Buch schrieb:

„(…) In den letzten Jahren hat sich nicht nur auf theologischen Gebiet eine beängstigende Sektenbildung etabliert, sondern auch in der Medizin hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden.

Dabei werden, hauptsächlich durch inkompetente Vertreter der Medien, mit ungeheuerem Aufwand an Medientechnik Behauptungen aufgestellt, die den Grundlagen der Wissenschaften, sowohl auf dem Gebiet der Philosophie, als auch auf dem Gebiete der exakten Naturwissenschaften widersprechen. Alle paramedizinischen Methoden beruhen auf mystischen Grundlagen und werden meist recht fanatisch von „Sektenführern“ und deren Anhängern vertreten. Als Beweis für die Richtigkeit der aufgestellten Hypothesen gelten dann „Heilungen„, die jedoch ohne Mühe auf rationale Weise erklärt werden können.Wir müssen uns bewußt sein, dass viele Krankheiten ohne Therapie ausheilen und alle Störungen unserers Wohlbefindens bereits durch menschliche Anteilnahme gebessert werden können. Dabei spielt nicht nur unser beträchtliches Selbstheilungspotential, sondern auch der Placebo-Effekt eine Rolle.“

Auch diese Sätze bestehen seit 20 Jahren, ohne dass sich Anlass für eine Korrektur ergeben hätte. Im Gegenteil, zwei Jahrzehnte ausgiebiger Homöopathieforschung lieferten eine beeindruckende Bestätigung der Feststellungen bzw. der vorgebrachten Kritik (12).

Wenn wir also Prokops oder Hopffs Positionen – stellvertretend für die schweigende Mehrheit der Wissenschafter bis zu den 1990er Jahren – zusammenfassen, entsteht folgendes Bild der Homöopathie:

  • Die Entwicklung der Homöopathie basiert auf der Fehlerhaftigkeit und der Fehlinterpretation früher pharmakologischer Experimente.
  • Die homöopathischen Krankheitslehre entpuppt sich als Sammlung von Fehleinschätzungen sowie Mythen und Legenden.
  • Die Theorie der homöopathischen Arzneiherstellung präsentiert sich als ein pseudowissenschaftliches Verfahren. Potenzierung, Dynamisierung und Energetisierung in ihrer homöopathischen Verwendung sind substanzlose Begriffe.
  • Sämtliche Erklärungsmodelle der Homöopathie sind unvereinbar mit gesichertem und angewendetem Wissen, sowie inhaltlich voller Widersprüche.
  • „Die“ Homöopathie, als einheitliches Verfahren, existiert nicht, sondern besteht aus verschiedenen Schulen, die sich inhaltlich widersprechen, z.B. die Komplexmittel-Homöopathie und die klassische Homöopathie.
  • Obwohl der überwiegende Teil der homöopathischen „Arzneien“ ohne vorhergehende homöopathische Anamnese verwendet wird, lässt in den anekdotischen Heilungsberichten kein diesbezüglicher Unterschied feststellen. Der „Erfolg“ der Homöopathie scheint also keineswegs an die fürsorgliche Beratung eines erfahrenen Homöopathen gebunden zu sein.
  • Wirklich glaubhafte Heilungsberichte erstrecken sich fast ausschließlich auf Krankheitsbilder, die üblicherweise auch ohne therapeutische Intervention ausheilen. Dem gegenüber haben zahlreiche – nach homöopathischen Kriterien gestaltete – Studien gezeigt, dass dort, wo klassische medikamentöse Interventionen nötig sind, homöopathische Arzneien nicht in der Lage sind, diese zu ersetzen, oder überhaupt eine spezifische Medikamentenwirkung auszulösen.
  • Und nicht zuletzt: In mehr als 200 Jahren homöopathischer Behandlungs- praxis konnte sich für keine einzige Erkrankung ein Behandlungskonzept, das auf homöopathischen Prinzipien beruht, in der Wissenschaftsmedizin etablieren, so dass – objektiv betrachtet – keine schlechtere Versorgung der Patienten zu befürchten wäre, würde man die Homöopathie nicht mehr praktizieren.

Aus medizinischer, pharmakologischer und epidemiologischer Sicht gibt es also nicht den geringsten Anlass für die Anwendung der Homöopathie im Kanon anerkannter Heilverfahren.

Wer sich die einmal die Mühe macht hat,  Hahnemanns „Die chronischen Krankheiten“ zu lesen, und auch nur über Grundkenntnisse der Pathologie verfügt, wird die völlig Untauglichkeit der miasmatischen Ätiologie kaum ignorieren können, was um so mehr von Bedeutung ist, als dass die Homöopathie für sich eine besondere Kompetenz bei der Behandlung  „chronischer  Erkrankungen“ in Anspruch nimmt.

Aber alle diese – zugestanden auch polemischen Sichtweisen – stammen von Vertretern der Schulmedizin und Anhängern einer wissenschaftlichen Sichtweise in der Medizin, und entbehren deshalb „natürlich“ jeglicher Objektivität.

Viel interessanter sind deshalb die Entwicklungen, die bei Homöopathens in den eigenen vier Wänden stattfinden.

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Was Ihnen der freundliche Homöopath von Nebenan nicht erzählt…

…ist nämlich, dass es in der großen Homöopathen-Familie schwer bröselt.

Gut, einig war man sich ohnehin immer nur im Schulterschluß gegen Allopathie und Schulmedizin, ansonsten herrscht ein ziemliches Chaos, was die Exegese der Hahnemannschen Theorien angeht. Nur war Hahnemann selber ein großer Häuptling vom Stamme der gespaltenen Zunge, was seine eigenen Therapievorschläge angeht, insoweit bewegen sich Homöopathen in gepflegten Traditionen…

Aber, wie gesagt, es bröselt.

So lohnt sich z.B. die Lektüre des Büchleins von Anne Carolin Ulrich, die in ihrer Dissertation (13) die Hahnemannschen Hypothesen zur Ätiologie und Pathogenese der „chronischen Krankheiten“ so ziemlich atomisiert. Da dieses Werk in der „edition forschung“ im KVC-Verlag (14) erschien, ist ein möglicher Vorwurf, die Autorin sei per se der Homöopathie ablehnend gegenüber eingestellt, kaum aufrecht zu erhalten.

Nachfolgend einige Zitate, die verdeutlichen, zu welchen Ergebnissen auch Homöopathen kommen können, wenn sie sich vom sakrosankten Image des Gründervaters nicht beeindrucken lassen:

Zur Sykosis:

„(…) Geprüft am aktuellen Stand des medizinischen Wissens erscheint Hahnemanns Begriff der „Sykosis“ deshalb nicht gültig.“

Zur Psora (nach Hahnmenann die Mutter aller chronischen Krankheiten):

„(…) Dass er die Psora zur Urkrankheit heraufhob und sie für 7/8 aller chronischen Krankheiten verantwortlich machte, beweißt nur, dass er die Hypothese seiner Zeitgenossen bis ins Extrem weiterentwickelt hat. Da Hahnemanns Erläuterungen weder die Ursache noch eine konkrete Gestalt der Psora erklären, bleibt der Hahnemannschen Psora die Anerkennung als nosologische Einheit versagt.“

„(…) Hahnemanns Konzept des beschwichtigen Lokalsymptoms am Beispiel der Syphilis lässt sich deshalb nicht mehr halten.“

Zum „Gestaltenwandel“ der inneren Krankheiten

„(…) Es ist deshalb davon auszugehen, dass Hahnemanns Hypothese für die Parasitose Scabies (Krätze, Psora) heute keine Gültigkeit mehr hat.“

Zum „Vitalismus“

„(…) Hahnemanns Idee einer dynamischenAnsteckung spiegelt das Unwissen seiner Zeit über die Ätiologie von Krankheiten wieder. Er wusste nichts über Viren, Bakterien und über ein Immunsystem. Die Vorstellungen einer Lebenskraft, die den Organismus belebt, (…) zeigt Hahnemanns Verwurzelung in vitalistischer Anschauung.“

Zu Begriff der „chronische  Krankheiten“:

„(…) Seine Definitionen von von den natürlichen „chronischen Krankheiten“ als miasmatisch verursachte, dauerhafte und stetig progrediente Krankheiten, welche ohne medizinische Behandlung lebenslang im Körper bestehen bleiben und niemals von selbst weichen, findet jedoch keine Bestätigung mehr, da das Auftreten von intermittierenden Verläufen, Spontanremisssionen und Spontanverläufen allgemein anerkannt ist. Ebenso wenig erscheint seine Einteilung in natürliche (miasmatische) und uneigentliche Krankheiten gegenwärtig noch angemessen. (…) Hahnemanns drei chronische Krankheiten „Syphilis“, „Sykosis“ und „Psora“ haben als „miasmatisch“ verursachte Krankheiten heute keine Berechtigung mehr. (…) Hahnemanns monokausale Vorstellung von einer Urkrankheit und drei chronischen Miasmen ist demzufolge nicht mehr berechtigt.“

Als Fazit:

„(…) Hahnemanns monokausales Modell der Entstehung chronischer Krankheiten fordert in großen Teilen aufgegeben zu werden, und durch plurikausale Modelle der modernen Medizintheorie ersetzt zu werden. Dieses Ergebnis korrespondiert mit der Meinung Wischners, dass Hahnemann seine Krankheitslehre in eine Sackgasse steuerte.“

  • Randnotiz:
    Angesichts dieser durchaus nicht überraschenden Erkenntnisse zur Untauglichkeit der Miasmen-Lehre,  muss man sich fragen,  wieviel unnötiges menschliches Leid die eingefleischten „Miasmatiker“ der Homöopathen-Gilde unter ihren Patienten verursacht haben und weiter verursachen werden?  Davon abgesehen, wie soll heute, im Jahr 2010, eigentlich eine sachliche Diskussion mit den Vertretern eines Verfahrens aussehen, die weiterhin an der Idee festhalten, dass Syphilis, Feigwarzen und Krätze die Ursache jeder chronischen Erkrankung sind?

Konkret spiegeln sich diese Erkenntnisse zur den unhaltbaren Hypothesen Hahnemanns natürlich auch in den Resultaten der aktuellen und zeitnahen Homöopathie-Forschung wieder.

Die Liste der wissenschaftlichen Studien, die selbst mit einem aus homöopathischer Sicht „optimierten Studiendesign“, negative Ergebnisse der homöopathischen Therapie zeigen, ist mittlerweile so umfangreich,  dass sie den Rahmen dieses Essays sprengen würde. In den Endnoten ist unter (15) eine kleine Zusammenstellung zeitnaher Studien zu finden.

Anhängern der Homöopathie sei hier eigene Recherche empfohlen. Sie liefert keinen Anlass zum Jubel.

Und aus dem, was homöopathisch-alternativ orientierte „Spitzenforscher“ wie  Witt, Willich, Walach, Linde, Lüdtke und Co. so produziert haben, die Berechtigung für die Integration der Homöopathie in den wissenschaftsmedizinischen Kanon abzuleiten, ist entweder eine schlichte Frechheit, oder der eindeutige Beweis für den Verlust jeder Bodenhaftung.

Wie nämlich die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnislage derzeit aussieht, fasste der Parapsychologe Harald Walach, einer der Hauptakteure in Sachen Homöopathie-Forschung, (16) in einem Beitrag zur Veranstaltungsreihe  „Organon 2010“ auch sehr offenherzig zusammen:

„Eine Weile schien es, als würde gute Forschung die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen. Dann wiederum kehrte große Frustration in die Forschergruppen ein.(…)“

Und Rainer Lüdtke, Chef-Statistiker und Sprachrohr der Karl & Veronica Carstens-Stiftung (KVC), die sich der Förderung und Erforschung der Homöopathie widmet, äußerte sich nicht weniger eindeutig (17):

„Das Grundkonzept der Homöopathieforschung, die allgemeine Wirksamkeit der Homöopathie an der isolierten Wirksamkeit der homöopathischen Arzneimittel festzumachen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden.“

Nun muss man sich fragen, wie man ein solches Urteil über ein Heilverfahren, dessen einziges therapeutisches Ziel die Suche nach einer „Arznei“ ist, wohl nennen sollte, wenn dieses auch noch aus dem inneren Zirkel des homöopathischen Hochadels verkündet wird?

Vielleicht „vernichtend“?

Schön ist allerdings, dass sich hier homöopathische Sachwalter und die Kritiker ausnahmsweise einmal wirklich einig sind. Angeraten scheint es also, die Homöopathie endlich auf Dauer einzusargen und sich nur noch einen schönen Grabsteinspruch einfallen zu lassen.

So in etwa: „Du warst lange genug Ärgernis, nun gib endlich Ruhe !“

Jedoch, so bestechend einfach diese Lösung wäre, so unrealistisch erscheint sie.

Das aber liegt an drei Beteiligten, deren Motive unterschiedlicher zwar nicht sein könnten, die sich aber in einem einig sind: Ohne Homöopathie geht gar nichts !

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Marketing für Para- und Pseudomedizin

Als da wären der alternativmedizinisch angehauchte Patient, die alternativmedizinischen Forscher und Therapeuten, und, last but not least, die alternativmedizinische Pharmaindustrie.

Sie alle leben in einer, partizipieren an einer und kämpfen für eine irrationale Kunstwelt,  die schon längst keiner Legitimation mehr bedarf, außer der expandierenden Nachfrage der Patientenschaft, die wiederum das Ergebnis einer fast  unvergleichlichen Marketing-Kampagne (18) ist, bei der Ideologen und Ökonomen die Feder führten, und die mit ihren Aussagen auf ein zumindest fachlich naives, faktenunkundiges und im hohen Maße glaubenshungriges Publikum traf.

Sie ist das Ergebnis einer inkompetenten, dafür um so sensationsgeileren Boulevard-Journaille, die sich jeder journalistischen Ethik entledigt hat, und nicht mehr das geringste Gefühl für Fehlleistungen hat, wenn sie dem Rezipienten nach dem Maul schreibt, oder, was wenigsten genau so oft vorkommt,  dem umworbenen Anzeigenkunden ein „positives Umfeld“ für dessen Produkte verschafft.

Sie ist das Ergebnis der konsequenten Arbeit von Lobbyisten vor allem aus dem Lager der Anthroposophen, die skrupellos sämtliche agressiven Instrumente der Werbung einsetzte. Die weder vor offensichtlichen Lügen, noch vor spekulativen Behauptungen  zurückschreckten, und selbst deren eindeutige Widerlegungen – irgendwie – noch mindestens als Teilerfolge verkauften.

Deren erster großer Coup darin bestand, 1976 die Neuformulierung des Arzneimittelgesetzes so zu beeinflussen, dass anthroposophische und homöopathische Arzneien von dem Zwang befreit wurden, normgerechte Dokumentationen zur Wirksamkeit vorzulegen, und sich standardisierten Prüfungs-Verfahren zu unterziehen.

Damit war der Weg frei, weiterhin alles behaupten zu können, jedoch nichts beweisen zu müssen.

Deren zweiter großer Coup dann noch in der Umfirmierung des Gegenwarts-Schamanismus  von „Alternativmedizin“ in „Komplementärmedizin“ bestand, nachdem es allzu offensichtlich wurde, dass die universellen Heilsversprechungen „alternativer“ Verfahren  nicht nur unhaltbar waren, sondern sich, durch den Verzicht auf wissenschaftsmedizinische Therapien, eher als Unheilsversprechen entpuppten, und nur durch die komplementäre Anbiederung an die Wissenschaftsmedizin – auch „Trittbrettfahrerei“ genannt – die größten Katastrophen für die Patienten zu verhindern waren.

  • Randnotiz:
    In diesem Zusammenhang frage mich regelmässig, wie oft und wie viel Angstschweiß wohl den Protagonisten der Alternativheilerei auf der Stirn gestanden haben muss, als in den Anfängen der Alternativmedizin diese wirklich noch ausschließlich „alternativ“ war, und vor allem die Laienheiler mit ihren Jodeldiplomen sich plötzlich einer Klientenschaft gegenübersahen, die sie mit medizinischen Problemen konfrontierten, die schon  der Wissenschaftsmedizin erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Was für eine Erleichterung, als man endlich „komplementär“ wurde…

Aber vor allem ist diese absurde Nachfrage nach einer Parallelmedizin, die Folge eines unglaublichen Anspruchsdenkens in Teilen der Gesellschaft, die sich, ohnehin wohlversorgt durch eine höchst anspruchsvolle Wissenschaftsmedizin, gern auch noch ein Wellness-Bonbon nebst psychosozialer Schmalspurversorgung oben drauf gönnt.

Der Blick auf die Motivlage des typischen Homöopathie-Anwender bzw. Komplementärmedizin-Nutzerspricht da Bände.

Dieser verbindet nämlich mit dem Arztbesuch nicht nur die Therapieempfehlung zur Beseitigung eines Schnupfens (der ja, aus  miasmatischer Sicht, höchstwahrscheinlich  – es ist schon der zweite im laufenden Jahr –  nur der äußere Ausdruck einer viel tiefergehenden Krankheit ist), sondern auch die Kompensation diverser psychosozialer Mangelzustände, das Erlebnis umfassender Empathie, eine Auflistung regulativer Maßnahmen, die den nächsten Schnupfen ganz sicher verhindern, und wenigsten eine dreiviertel Stunde intensiver ärztlicher Bemühungen.

Dazu addieren sich – allerdings an Zahl deutlicher geringer – solche  Klienten, für die die Anwendung der Homöopathie in erster Linie eine Art revolutionärer Geste des Protests gegen die unverstandene, deshalb als beängstigend empfundene technisierte, pharmakologische  Medizin ist,  desweiteren diejenigen, die es der „Schulmedizin“ nicht verzeihen können, dass diese immer noch nicht den Tod in den Griff bekommen hat und jetzt ihre Hoffnungen durch die Alternativmedizin verwirklicht sehen wollen, und schließlich auch die, die jede unrealistische Heilsgarantie mit der gleichen Naivität goutieren, mit er sie von ein paar Jahren den absurden Rendite-Versprechnungen der New Economy auf den Leim gegangen sind.

Zweifellos ist die Homöopathie –  und mit ihr die gesamte Alternativheilerei – eine Projektionsfläche für unterschiedlichste Bedürfnisse und Sehnsüchte, nicht selten auch für Neurosen und Psychosen, für nihilistischen Kulturpessimismus und regressive Fluchten in elitäre Errettungslehren.

Mit fast allen dieser Projektionen ist die Homöopathie und der auch der homöopathische Therapeut hoffnungslos überfordert.

Deshalb zeigen sich allenfalls dort, wo alternative Medizin weniger als Konkurrenz zur Schulmedizin wahrgenommen, sondern eher als Ergänzung bei Bagatell-Erkrankungen oder auch als Kommunikations- und niederschwelliges Psychotherapie-Angebot bei chronischen Erkrankungen in Anspruch genommen wird, die im Regelfall völlig überzogen dargestellten „Heilerfolge“.

Keinesfalls ist aber darin eine Rechtfertigung der Existenz der Alternativmedizin zu finden. Denn die fachkundige Diagnose und Therapie physischer und psychischer Erkrankungen nach zeitgemäßen Wissenstand und, vor allem anderen, mit verifizierten Verfahren , ist Aufgabe der Wissenschaftmedizin(er); und sie muss es zum Schutz des Patienten auch bleiben.

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Ein Fazit

Die Homöopathie – und mit ihr der größte Teil der Alternativmedizin – hatte in den letzten Jahrzehnten die sicher unfreiwillige Aufgabe als Indikator für Fehlentwicklungen in der medizinischen Versorgung.

Diese Probleme sind längst erkannt, und sie haben, betrachtet man die Entwicklungen in vielen Bereichen der Medizin hinsichtlich der Beachtung psychosozialer Bedürfnisse und den individuellen Dispositionen der Patienten, auch zu umfänglichen Veränderungen geführt.

Verhindern wir nun eine weitere Fehlentwicklung, wie sie die dauerhafte Etablierung einer „offiziellen“ Parallelmedizin bedeuten würde.

Lauterbach hat den ersten Schritt dazu getan. Dafür sei ihm gedankt.

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Endnoten:

(1) Ulrich Berger hat sich mit dem Problem inkompetenter Pressereaktion beschäftigt.

(2) Sie wissen schon, oder ?   Hamlet 2. Aufzug, 2. Szene

‚Ist es schon Tollheit, so hat es doch Methode!“

(3) Robbie Williams, „Live at Knebworth“

(4) Heinroth, J. C. A. „Anti-Organon oder das Irrige der Hahnemanischen Lehre im Organon der Heilkunst“, Hartmann, Leipzig 1825  (Link zum Anti-Organon)

(5) Zitat aus dem Donner-Report:

“ Es entwickelte sich ein sehr interessantes, jedoch für die Homöopathie fatales Gespräch, auf das hier nicht weiter eingegangen werden soll. Es möge genügen, daß nach langen Hin- und Her zu guter Letzt Rabe zugeben mußte, daß er nur etwa 5 % bis höchsten 10 % der Mittel für so stichhaltig halte, daß man erwarten könne, daß sie bei den vorgesehenen Nachprüfungen bestätigt werden dürften.
Mit anderen Worten, er gab zu, daß 90 -95 % der angegeben Mittel wahrscheinlich Placebosymptome darstellen, und mußte sich die weitere Frage gefallen lassen, wieso er dieses Werk (Kents Repetitorium) so sehr empfohlen habe…“

Der Donner-Report ist hier zu finden, eine kurze  Biographie Fritz Donners und ein Abriss seiner Tätigkeit stellt die GWUP zur Verfügung.

(6) Boericke, W., „Handbuch der homöopathischen Materia medica“ Haug Verlag, Heidelberg 2. Aufl. 1996

(7) Anmerkungen zur Person und zum Schaffen Vithoulkas finden sich hier ,die grotesken Auftritte als „Meister der Homöopathie“ finden sich hier oder hier . Ein besonderer Knaller ist die Vorführung des Pulsatilla-Kindes hier.

(8) Appell, Rainer (Hrsg.) Homöopathie 150 Jahre nach Hahnemann, Haug Verlag, 1994

(9) Prokop O.,  Prokop L., „Homöopathie und Wissenschaft“, Enke-Verlag Stuttgart 1957

Ich plädiere nachdrücklich dafür, Prokops Analyse zur Pflichtlektüre für jedes Mitglied des  Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags zu erheben. Gleiches gilt für Hopffs Werk: Homöopathie – Kritisch betrachtet.

(10) Die nachfolgenden Titelliste zeigt die Bandbreite kritischer Auseinandersetzungen, ist aber keineswegs vollständig. Jedem interessierten Leser sei empfohlen, die rot gedruckten Publikationen als thematische Einstiege zu verwenden, und sich über die jeweiligen Literaturverzeichnisse weiter in die Materie einzuarbeiten.

Medizin:

Prokop: Die Grenzen der Toleranz in der Medizin

Prokop: Homöopathie – Was leistet sie wirklich ?

Prokop (et al): Medizinischer Okkultismus: Paramedizin

Prokop (et al): Wünschelruten, Erdstrahlen und Wissenschaft

Prokop, Wimmer: Der moderne Okkultismus… Magie und Wissenschaft im 20. Jahrhundert

Oepen (et al): Unkonventionelle medizinische Verfahren : Diskussion aktueller Aspekte

Oepen, Sarma: Parawissenschaften unter der Lupe

Oepen (et al): An den Grenzen der Schulmedizin : eine Analyse umstrittener Methoden

Oepen, Prokop: Aussenseitermethoden in der Medizin

Much: Der veräppelte Patient? Alternativmedizin zwischen (Aber-)Glauben und Wissenschaft.

Singh, Ernst: Gesund ohne Pillen – was kann die Alternativmedizin?

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Pharmazie:

Hopff: Homöopathie: Kritisch betracht

Berndt (et al): Der Pillendreh

Psychologie:

Goldner: Die Psycho-Szene

Goldner: Psycho

Goldner: Alternative Diagnose- und Therapieverfahren. Eine kritische Bestandsaufnahme.

Dierbach: Die Seelenpfuscher: Pseudo-Therapien, die krank machen

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Physik:

Lambeck: Irrt die Physik? : Über alternative Medizin und Esoterik

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Theologie:

– Zinser: Glaube und Aberglaube in der Medizin

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Fachjounalistische Publikationen, Aufsätze  und Essays:

Stadt Hamburg, LandesjugendbehördeBrennpunkt Esoterik

– Federspiel, Herbst: Die andere Medizin. / Stiftung Warentest

– Ditfuhrt: Entspannt in die Barbarei

– Hammerschmidt: Instant Nirvana

– Shermer, Traynor: Heilungsversprechen – Zwischen Versuch und Irrtum.

– Wolf: Erkenne dich selbst! Von Wonnen und Wehen der Wahrnehmungstäuschung.

– Hammerschmidt: Sisyphos im Nachteil

Wolf, Windeler: Die Erfolge der Homöopathie – nichts als Placebo-Effekte und Selbsttäuschung ?

Vahle: Die Homöopathie ist ein großer Irrtum

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(11) Hopff, Wolfgang H. , „Homöopathie – kritisch betrachtet“ Thieme, Stuttgart 1991

(12) Hier sei noch einmal auf die den meisten wohl bekannte Meta-Analyse  von Shang (et al.) aus 2005 hingewiesen, die trotz massiver Kritik in keiner Weise beschädigt ist. Ulrich Berger hat  sich auf seinem Blog „Kritisch gedacht“ umfänglich mit diesen Kritiken auseinandergesetzt.

(13) Ulrich, A.C., “ Die chronischen Krankheiten“  Hahnemanns Lehre aus der Perspektive der Medizintheorie des 21. Jahrhunderts, KVC Verlag Essen 2007

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(14) KVC Verlag (Link zum Internet-Auftritt)

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(15) Homöopathie-Forschung zu „chronischen Erkrankungen“:

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– Wirksamkeit einer klassisch-homöopathischen Therapie bei atopischem Ekzem

J.  Siebenwirth, R. Lüdtke, W. Remy, J. Rakoski, S. Borelli, J. Ring

Veröffentlicht in „Forschende Komplementärmedizin“, 2009

Schlussfolgerung: Individualisierte homöopathische Arzneien hatten in  dieser Studie keinen über Placebo hinausgehenden Effekt.

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– Monthly itraconazole versus classic homeopathy for the treatment of recurrent vulvovaginal candidias

Witt A., Kaufmann U. , Bitschnau M., Tempfer C., Ozbal A., Haytouglu E., Gregor H., Kiss H. / 2009

Übersetze Zusammenfassung: Bei der Behandlung der akuten Vaginalinfektionen durch Candida albicans ist eine Therapie mit einem Antimykotikum (Itraconazol) der Behandlung durch die Arzneimittel der klassischen Homöopathie deutlich überlegen. Auch langfristig kann eine klassisch homöopathische Konstitutionstherapie rekurrenten Candida-Infektionen nicht wirksam genug vorbeugen. Eine Zusatztherapie mit Laktobazillen zur Erhaltungstherapie mit dem Antimykotikum Itraconazol ist nicht Erfolg versprechend.

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b– The long-term effects of homeopathic treatment of chronic headaches: one year follow-up and single case time series analysis.

Walach H., Lowes T., Mussbach D., Schamell U., Springer W., Stritzl G., Haag G.

Veröffentlicht in:  British Homeopath Journal  2001 Apr;90(2):63-72.

Zusammenfassung: ‘There is no indication of a specific, or of a delayed effect of homeopathy.’

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–  The effects of homeopathic belladonna 30CH in healthy volunteers — a randomized, double-blind experiment.

Walach H, Koster H, Hennig T, Haag G.

Veröffentlicht in: J Psychosom Res. 2001 Mar;50(3):155-60.

Zusammenfassung: ‘There is no indication that belladonna 30CH produces symptoms different from placebo or from no intervention. Symptoms of a homeopathic pathogenetic trial (HPT) are most likely chance fluctuations.’

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– Classical homeopathic treatment of chronic headaches

H. Walach, et al.

Veröffentlicht in: Cephalalgia, Vol. 17, No. 2, 119-126 (1997)

Zusammenfassung: There was no significant difference in any parameter between homeopathy and placebo.

(16) Quelle des Zitats: DZVhÄ „ICE 10“ , Vorstellung der Referenten

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(17) Quelle des Zitats: Wissenschaftsmagazin „Leonardo“ (WDR 5) vom 16. April 2007

(18) Man möge sich in diesem Zusammenhang einmal die Frage stellen, warum eine Epidemiologin wie die Stiftungsprofessorin Claudia Witt, sich genötigt fühlt, neben ihrer medizinischen Ausbildung noch einen „Master in Busines Administration“ zu erwerben. Honit soi qui mal y pense.

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22 Antworten zu Homöopathie : Abgesang auf einen kollektiven Wahn

  1. ama schreibt:

    .

    Respekt!

    .

  2. Dingens schreibt:

    Sehr guter Artikel! Danke!

  3. rupert schreibt:

    Danke für diese gute Chronik und Zusammenfassung!

  4. Falco Schroll schreibt:

    Zitat Rainer Lüdtke: „Das Grundkonzept der Homöopathieforschung, die allgemeine Wirksamkeit der Homöopathie an der isolierten Wirksamkeit der homöopathischen Arzneimittel festzumachen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden.“

    Sehr hilfreich für meine Argumentation. Denn die „Glaubulis“ verweisen gerne auf die Karl & Veronica Carstens-Stiftung.

    Wirklich ein hervorragender Artikel. Vielen Dank!

  5. Pingback: Homöopathie: Abgesang auf einen kollektiven Wahn « testblog.de.tt

  6. Danke schreibt:

    Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel.

  7. notatall schreibt:

    Dank und Respekt an euch!!! Ich ziehe meinen Hut!

    Warum können unsere Kinder nicht lesen und schreiben, jedoch den Abfall sortenrein trennen??????
    Es gibt nur einen Weg aus dieser Misere: ALLGMEINBILDUNG für ALLE!

  8. Pingback: Äs-ku- « no heaven – only sky

  9. dubiator schreibt:

    Auch von mir vielen Dank für diesen absolut fundierten Artikel.
    Warum hat es die Vernunft so schwer?!

  10. 42 schreibt:

    Chapeau!
    Dies ist einer der besten Texte gegen die Homöopathie, die mir je zu Gesicht gekommen sind!

    Btw an alle Mitleser: Bei den Petitionen auf der Bundestagswebsite wird versucht, der Wissenschaft zu ihrem Recht und der Homöopathie zu ihrem Abschied aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu verhelfen. Eine Mitzeichnung dort und auch eine Unterstützung durch gute Argumente in den Forums-Diskussionsbeiträgen zur Petition wären sicher nicht verkehrt:

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=13042

  11. Pingback: Zur Homöopathie-Debatte « Evolutionäre Humanisten Berlin-Brandenburg e.V.

  12. BRAINSTORM schreibt:

    Ich habe diesen Blog gerade entdeckt.

    Er ist wirklich notwendig als ein Gegengewicht gegen die Millionen scheffelnde Esoterik-Branche.

    Vielen Dank für diesen Artikel.

  13. Pingback: Must Read: Gegen den Wahn! « Eloquenz

  14. nur1cent schreibt:

    Schöner, informativer Beitrag gegen die anhaltende Verblödung der Menschheit und den weltweiten Rückfall ins Mittelalter.

  15. andi schreibt:

    Guten Tag

    Dank der Schulmedizin wäre meine Tochter vor 15 Jahren gestorben, nachdem das Kind 1 Woche auf der Intensivstation im Koma lag. Mein damaliger Arzt gab den Kind Globulis und das damals 2-jährige Kind ist innerhalb von 1 Tag wieder aufgewacht. Ich selber habe auch schon sehr oft dank der Allopathik durch zahlreiche Allergieschocks ins Graß gebissen.
    Es gehört allerdings zu jeder Krankheit eine gründliche Diagnose und wenn diese ausbleibt kann keine einzige Medizin wirken.

    Schönen Sonntag

    Andi

  16. Igor schreibt:

    Andi,
    bei all der Tragik, die Dir widerfahren ist, und meinem Mitgefühl als Vater –
    Wenn zwei Dinge gleichzeitig geschehen, oder direkt aufeinander folgen, heisst es noch lange nicht, dass sie ursächlich zusammenhängen.
    Wenn ich heute tanze und es morgen regnet – liegt das an mir?
    Igor

  17. Ute Peckaj schreibt:

    Wäre dieser Artikel wirklich gründlich recherchiert und nicht bloß manipulativ es Gehetze, so wären die Verfasser bestimmt in der Lage gewesen die Autorin des Buches Miasmen und Kultur richtig zu benennen!

  18. excanwahn schreibt:

    Ach ja, Frau Peckaj, da ist mir ein kleiner Fehler unterlaufen, der sich aus ´nem Insider-Runnig-Gag mit Frau Rosinas Nachnamen, der ein Wortspiel geradezu provoziert, ergeben hat.

    Dass die Frau Sonnenschein natürlich Sonnenschmidt heißt, ist mir wohlbekannt.

    Sie können das auch im Beitrag https://excanwahn.wordpress.com/2013/07/15/graneis-oder-die-kunst-den-sinn-vom-un-zu-trennen/ in den Endnoten unter Punkt 7 nachlesen.

    Im Übrigen denke ich, dass der Sonnenschein die Verhohnepipelung seines oder besser ihres Namens überleben wird. Dem Harald Walach hat es ja bisher auch nicht geschadet, dass er des öfteren zum „Wallach“ gemacht wird.

    Ansonsten finde ich es schon bezeichnend, dass Sie Ihre Kritik, unter Vermeidung der Auseinandersetzung mit sämtlichen Sachargumenten, an einem einzelnen Wort festmachen. Das führt mich dann auch direkt zur der Frage, ob der manipulative und hetzende Charakter des Artikels nicht vorhanden wäre, wenn Frau Sonnenschein korrekterweise als Frau Sonnenschmidt bezeichnet worden wäre?

    Was (nicht nur Sonnenscheins) Miasmen ganz grundsätzlich angeht, lege ich Ihnen dringend Frau A.C. Ulrichs (heute Medam) Büchlein ” Die chronischen Krankheiten” Hahnemanns Lehre aus der Perspektive der Medizintheorie des 21. Jahrhunderts (KVC Verlag Essen 2007) zur Lektüre ans Herz. Dringend, obwohl es manipulative Hetze ist. Aber Hetze von der Carstens-Stiftung, die ist ja nicht so tragisch.

    Allerdings, Frau Peckaf, verlangt die Auflösung der kognitiven Dissonanzen, die nach der Lektüre des vorgenannten Büchleins zwangsläufig entstehen, wenigstens noch ab und an als Gasthörer an der Realität teilzunehmen. Ob das aber jemandem gelingt, dessen Helden der parallelweltlichen Berufsbildung Frau Sonnenschmidt und Herr Roy waren, wage ich zu bezweifeln.

    Excanwahn

  19. Pingback: “Kreative Homöopathie”: Heilpraktikerin Antonie Peppler heilt längst Malaria!? | Ratgeber-News-Blog

  20. peter nutzer schreibt:

    I. Viele Gedanken eines notorischen NICHTWISSERS,
    hilft all deine Antipropaganta nix !!! jungchen.
    Ich werde Dich auch nicht dabei unterstützen zu verstehen.
    Ich merke – Du bist kein wissenschaftler und hast nie persönliche oder irgendwelche erfolgserlebnisse gehabt.
    DU BIST DER NIHILIST, wer so benannt wurde weisst du ja.
    ICXPNIKA

    II. nazigeschwätz eines psychopathen ohne menschliches bewusstsein, friss scheisse


    Moderation:

    Ich habe mal Ihre beiden bedeutsamen Beiträge zusammen gefasst, Herr Nutzer.
    Was war los?
    Hatten Sie einfach nur ´nen schlechten Tag und mussten ein wenig Druck ablassen, oder sind Ihnen die Medikamente ausgegangen?
    Egal, wenn Ihnen das Herumpöbeln hilft, tun Sie sich keinen Zwang an. Ich habe für so etwas ein beruflich bedingtes Verständnis.

    Ihr Excanwahn, immer mit ´nem offenen Ohr.

  21. Igor schreibt:

    Ja, Herr Nutzer, Ihnen wird es dann hoffentlich nun besser gehen, nachdem sie sich sich hier
    (ob wissenschaftlich fundiert oder nicht will ich jetzt hier nicht beurteilen)
    erleichert und ein hoffentlich nachhaltiges Erfolgserlebnis verschafft haben.
    Mein Mitgefühl, wenn Sie dazu Blogs wie diesen brauchen, weil Ihnen sonst niemand zuhört. Sei´s drum, hier finden Sie ja offene Ohren…
    Und dann also bis zu Ihrem nächsten Bedürfnis einer Erleichterung. Auch im Sinne von Stuhlgang. Wenn Sie mal wieder müssen.
    Entschuldigung, Kommunikation ist nicht, was gesendet wird sondern ja immer nur das, was beim Empfänger ankommt. Daher versuche ich das in einem Ihnen offenbar näher liegenden Kommunikationsniveau auszudrücken: Wenn Sie sich mal wieder auskacken wollen warum nicht hier. Nicht mal jede Strassenlaterne ist so geduldig.
    Ihnen noch einen sonnigen Tag!
    Hat schon mancher Erkenntnis auf die Sprünge geholfen.

  22. awmrkl schreibt:

    Der Link hier
    „J.T. Kents … phantasievollen **Arzneimittelbildern**“
    ist kaputt

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