GAP 2010: Wandern zwischen Eso und Erkenntnis

Zurück bin ich in Berlin nach einer Woche Garmisch-Partenkirchen.

Sieben Tage meist kürzerer Wanderungen in  mehr oder weniger eingefeuchteten Klamotten zwischen Wank, Kreuzeck und Zugspitze, deren Existenz in den tiefhängenden Regenwolken nur zu erahnen war. Als Kurzurlaub war es im Grunde eine Katastrophe, wäre da nicht das eigentlich Ziel der Reise gewesen:

Vier Tage wissenschaftliche Druckbetankung haben durch eine enorme Zahl von Vorträgen und eine umfangreichen Posterpräsentation, bei der von A wie Aquakultur bis Z wie Zoonosenerreger fast alles angesprochen wurde, was im Arbeitsgebiet Lebensmittelhygiene/Verbraucher- und Tierschutz aktuell von Bedeutung ist, enorm vielfältiges Material angehäuft,  das in mehreren Artikeln in den nächsten Zeit verarbeitet werden will.

Ein kurzes Fazit vorab:  Der Mikro- und Molekularbiologie gehört auch in der Veterinärmedizin die Zukunft.

Auf den dort gewonnenen Erkenntnissen beruhen die vielfältigen Analyse-Methoden, die sowohl Aussagen zur Prävalenz pathogener Mikroorganismen und damit optimierte veterinärmedizinische Interventionen ermöglichen, als auch die Risikobewertungen von Lebensmitteln erheblich vereinfachen bzw. beschleunigen. Stichworte dazu „MRSA“ oder „MAP“.

Aber, wie schon erwähnt, zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Verkneifen kann ich mir allerdings nicht, schon jetzt auf einen Vortrag (1) aus dem FB Veterinärmedizin/Professur für Milchwissenschaften der Uni Gießen einzugehen, der über eine Studie berichtet, die sich mit dem Vorkommen von Listeria monocytogenes in Weichkäsen (Weißschimmel-, Rotschmier-) beschäftigt.

Untersucht wurden im Zeitraum zwischen Juli 2009 und Januar 2010 insgesamt 219 Proben aus 96 Betrieben, die über den Lebensmitteleinzelhandel oder auf Wochenmärkten ihre Produkte vermarkten.

Zusammengefasst wurde festgestellt, dass sichdie mikrobielle Belastung  von Weichkäsen mit L. monocytogenes in erfreulich niedrigen Grenzen hält.

Genauer gesagt, lediglich einer der insgesamt 96 Betriebe produzierte erheblich belasteten Käse, und das, obwohl Hinweise an das Unternehmen ergingen, über den gesamten Untersuchungszeitraum von 6 Monaten hinweg, nachgewiesen in mehrfach genommen Proben (15 von 23 Proben waren z. Tl. stark belastet). Betroffen war jeweils eine Käsesorte, ein Kuhmilch-Weichkäse, während andere Käse aus Ziegenmilch nicht kontaminiert waren.

Die Geschichte wäre vielleicht nicht besonders erwähnenswert, da es sich möglicherweise um ein hygienisches Problem einer einzelnen Käserei handelt, wäre nicht genau dieses – offenbar beratungsresistente – Unternehmen im Umfeld einer bedeutenden Vermarktergemeinschaft für biologisch-dynamisch, sprich nach anthroposophischer Weltanschauung erzeugte Produkte tätig, was im Hinblick auf die selbstgewählten, angeblich sehr strengen Regularien und Qualitätskriterien für biologisch-dynamisch produzierte Nahrungsmittel doch erhebliches Befremden erzeugt.

Wäre man tatsächlich ein Schuft, würde man – angesichts des bekannt problematischen Verhältnisses der Anthroposophen im Umgang mit den Naturwissenschaften – bei der Sache an Böses  oder zumindest an furchtbare Dummheit denken ?

Deshalb an dieser Stelle zwei doch eher rhetorische Fragen, die mir auch den Übergang zur einer weiteren Anekdote ermöglichen sollen:

1. Tröstet die Einbeziehung okkult-spirituellen Wissens in den Prozesse der Nahrungsmittelherstellung auch über mögliche embryonale Schädigungen nach einer Listeriose hinweg ?

2. Wie infektiös sind die Hirngespinste diverser Gurus, die nicht wenige Menschen veranlassen, ihre Restvernunft zugunsten verquerer Ideen in die Tonne zu treten ?

Und damit bin ich bei dem Vermieter meiner Unterkunft angelangt, der mir während der Besichtigung der Räumlichkeiten freudestrahlend und mit dem Ausdruck höchster Begeisterung erzählte, dass aus der Wasserleitung meines temporären Domizils durch Grander-Technologie energetisiertes Wasser rieseln würde.

Gut, dass wusste ich bei der Buchung nicht, aber wenn es – neben dem akuten Wetter – noch eines weiteren Antriebs bedurft hätte, möglichst vielen Vorträgen von der ersten bis zur letzten Sekunde meine Aufmerksamkeit zu widmen, in diesem Moment war dieser gegeben. Urlaub dient ja schließlich auch der psychischen Hygiene.

Ach ja, zum Schluss noch eine Frage an´s Publikum, die mit dem Thema dieses Beitrags eigentlich nichts zu tun hat. Zweimal täglich bin ich im Garmischer Michael Ende-Park an einem Artefakt vorbeigeschlendert, bei dem ich mir jedes Mal die Frage stellte, wer hier wohl Modell stand ?

The windmill move ?

Ich tippe ja nach wie vor auf Pete Townshend.

Endnote(n):

(1) Untersuchungen zum Vorkommen von L. monocytogenes in Weichkäse

D. Föller (et al.) Professur für Milchwissenschaften, Institut für Tiermedizinische Nahrungsmittelkunde,

FB Veterinärmedizin, Justus-Liebig-Universität, Gießen

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Eine Antwort zu GAP 2010: Wandern zwischen Eso und Erkenntnis

  1. 40_Fieber schreibt:

    Das ist der Ahriman, der seinen Namen tanzt🙂

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