Heilpflanzen-Petition: 120.000 Ahnungslose, mal mindestens…

… sind gerade dabei, den Nachweis zu erbringen, dass die Demagogen der alternativheilerischen Szene ganze Arbeit geleistet haben.

Derzeit reichen die Stichworte Pharma-Industrie – Verbot – Heilpflanzen aus, um der verschwörungsgläubigen Volksseele eine Kausalkette zu liefern und sie damit in schwere Wallungen zu versetzen. Und dann wird protestiert, lamentiert und petitiert, was das Zeug hält; und vor allem, ohne im Grunde nur die geringste Ahnung davon zu haben, um was es eigentlich geht.

Nicht die sachliche Auseinandersetzung ist von Bedeutung, nein, es muss ein Zeichen gesetzt werden: Ein Lichtlein für das Heilkraut !

Vor allem aber eins gegen Aspirin.

Zwei Jahrzehnte Desinformation, Scheißhausparolen und Kampfrhetorik hinterlassen halt ihre Spuren im Denken. Wer daran zweifelt,  möge sich durch die Kommentare der Petition quälen.

Nun haben sich schon eine erhebliche Zahl des Lesens Mächtige zu der sowohl aus rechtlichen wie aus sachlichen Gründen völlig überflüssigen Petition geäußert und umfänglich deren Hirnrissigkeit dargestellt, beispielsweise hier, hier, hier, hier oder hier .

Und mittlerweile scheint selbst hartleibigen Alternativ-Propheten nicht nur klar zu werden, welch tieferer Sinn sich in Goethes Zauberlehrling verbirgt, sondern welchen Bärendienst die Inititatoren, Verbreiter und  Unterzeicher,  „der Sache“ aller Wahrscheinlichkeit nach erwiesen haben.

Wird doch nicht nur jedem populistischen Politiker, der momentan ins Horn der Alternativheiler trötet, in aller Deutlichkeit klar, wie viel erschreckende Ahnungslosigkeit sich hinter der vom deutschen Wahlvolk zur Schau gestellten Affinität zur Komplementärmedizin höchstwahrscheinlich verbirgt.

Aufgeschreckt vom Petitions-Dummfug äußerte sich der Verband deutscher Heilpraktiker dann auch  folgendermaßen:

In Zeiten des Internets als schnelles Medium, welches zu dem keine Kopier- und Portokosten verursacht, hat es sich leider eingebürgert, alles Mögliche an hunderte oder tausende von Menschen weiter zu leiten, oftmals ohne es zu prüfen.

Dies konnten wir als Berufsverband in den letzten Monaten immer wieder beobachten und auch leidvoll miterleben: Ob beim Thema Lebensmittelgesetzbuch, Traditionelle Heilpflanzen oder eine neu umlaufende Petition an den Deutschen Bundestag zur Abwendung eines möglichen Verbots von Heilpflanzen.

Alles wird reflexartig weiterverbreitet und damit zu einem Selbstläufer, der nur aufgrund seiner hohen Verbreitung plötzlich an Bedeutung gewinnt.

Zu dieser Petition und einem Verbot von Heilpflanzen möchten wir nochmals klar stellen:

Die EU- Richtlinie zu traditionellen Arzneimitteln ist viele Jahre alt (2004) und sie ist in Deutschland bereits seit Jahren im Arzneimittelgesetz umgesetzt. Ihre europaweite Ratifizierung 2011 wird also bei uns nichts ändern.

Damit ist eine Petition an den Bundestag, er möge hier zugunsten der traditionellen Heilpflanzen tätig werden, haltlos.

Und selbst einer der schlimmsten Demagogen im Internet, der „Chefredakteur“ des DZVhÄ-Blogs Claus Fritzsche, der bei seinen zahlreichen Internetaktivitäten nicht die kleinste Gelegenheit auslässt, gegen die Wissenschaftsmedizin zu agitieren, sah sich nun veranlasst, über seinen Bruder im Geiste, Carl Classen, die Behauptungen der Petentin zu relativieren.

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Das „eigentliche“ Problem

Es ist kaum zu übersehen, dass den Protagonisten der Heilkunde ohne Wirksamkeitsnachweis der „Arsch auf Grundeis“ geht.

Wenn nämlich das Internet, das heißgeliebte Verbreitungsmedium für jeden Blödsinn, die dringend benötigte Grundlage für das wohlfeile Geschäft mit dem Irrationalen, sich derart offensichtlich als Verkündigungsplattform für Abseitiges präsentiert, dann geht das auch ganz furchtbar zu Lasten der eigenen Glaubwürdigkeit, schon allein deswegen, weil sich damit mal wieder die  kritischen Anmerkungen von Portalen wie Esowatch, der GWUP, ScienceBlogs oder Kidmed bestätigen.

Die nämlich verweisen immer wieder – und besonders im Zusammenhang mit der sogenannten Komplementärmedizin –  auf  solche  Eigenläufer mit fragwürdigem Inhalt, die im Netz vagabundieren, und, wie es der Heilpraktikerverband so schön formuliert, nur durch ihre „hohe Verbreitung plötzlich an Bedeutung gewinnen“.

Für eine Branche, die jenseits des Internets verzweifelt um ihre Glaubwürdigkeit kämpft, ist die Heilpflanzen-Petition ein Super-Gau.

Für den Rest der Welt dagegen eine Offenbarung.

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2 Antworten zu Heilpflanzen-Petition: 120.000 Ahnungslose, mal mindestens…

  1. Huber schreibt:

    Zu Alledem belese man sich bei http://www.kidmed.de .

  2. Pingback: Tweets that mention Heilpflanzen-Petition: 120.000 Ahnungslose, mal mindestens… « excanwahn-Blog -- Topsy.com

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