Bardens vs. Lanka: It´s a shame

Gerade läuft, das dürften den meisten, die sich mit dem Thema Alternativmedizin öfters beschäftigen, bekannt sein, eine bizarre gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Arzt David Bardens und dem Biologen Stefan Lanka.

Stefan Lanka – u.a. Impfgegner und Verkünder außergewöhnlicher Weltanschauungen – hat 100.000,– € für den Nachweis des Masern-Virus ausgelobt, dessen Existenz er leugnet, genau so, wie er auch die Pathogenität von Mikroorganismen grundsätzlich in Frage stellt:

„Die Modelle von krankmachenden Viren in Lexikas, Lehrbüchern und dem Internet sind reine Erfindungen.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen, die angeblich Viren zeigen, sind in Wirklichkeit Bestandteile entweder von speziell dafür vorbehandelten Zellen im Reagenzglas oder Bestandteile des Export- und Import-Vorganges zwischen Zellen.

Im Falle des angeblichen Polio-Virus und einiger Viren, von denen behauptet wird, dass sie Krebs erzeugen, gibt es elektronenmikroskopische Aufnahmen. Die künstlich im Vakuum hergestellten kristallinen Teilchen werden fälschlicherweise als Viren ausgegeben (…)“

  – Zitat aus einer Lanka-Publikation –

 

Der Arzt David Bardens ist der Überzeugung, er hätte den Nachweis geliefert und beansprucht die ausgelobte Summe. Lanka erkennt die Nachweise nicht an, das Gericht hat nun zu entscheiden, ob Lanka zahlen muss.

Nach dem ersten Termin hat sich das Gericht vertagt. Es sieht sich offenbar außerstande, die Entscheidung ohne Gutachter zu fällen.

Je nach dem, wie der Gutachter gestrickt ist, wird am Ende der Auseinandersetzung also möglicherweise (!) die Entscheidung stehen, dass die vom Arzt gelieferten Nachweise          – rein formal – nicht ausreichen, um zweifelsfrei die Existenz der Masern-Virus nachzuweisen. Möglicherweise. Und was für ein Irrsinn, sollte es denn so sein.

Sollte das nämlich passieren, wird der Eindruck erweckt werden,

  • dass sämtliche Epidemiologen, Virologen, Pathologen und wer sich sonst noch in den Labors der Welt mit den winzigen Mistviechern beschäftigt, einen an der Waffel haben.
  • dass alle Forschungsergebnisse, die Bakterien und Viren als Ursachen zum Teil tödlicher Erkrankungen nachgewiesen haben, als Unsinn zu deklarieren sind.
  • dass Impfungen zum Zwecke der Krankheitsverhinderung, und, bei genügend hohem Impfstatus, der Eradikation eines pathogenen Mikroorganismus, völlig sinnlos sind.

Weiterhin wäre eine solche Entscheidung Wasser auf den Mühlen der Irren, die seit Jahren aus ideologischen Gründen gegen Impfungen agitieren:

„Ein Glaubenssatz der etablierten Lehrmedizin besteht darin, ständig das Auftreten von Mikroben bekämpfen zu müssen, ohne sich dessen bewusst zu sein, damit die Heilungsphase der Krankheit direkt zu torpedieren.

Da die Mikroben ganz gezielt erst in der zweiten Phase der Erkrankung vermehrt auftreten, können sie gar keine echten Erreger und damit Auslöser der Erkrankung sein. Somit ist auch der Begriff “Erreger” grundverkehrt (deshalb hier meist in Anführungszeichen geschrieben)! Genaugenommen sind diese Mikroben bestenfalls Indikatoren der zweiten Phase einer Erkrankung, der eigentlichen Heilungsphase!

So entzünden sich Mandeln nicht deshalb, weil sich Erreger auf ihnen niedergelassen haben, sondern weil eine Störung im Organismus diese bestimmten Bakterien vermehrt für das Heilungsgeschehen benötigen. Diese von der Schulmedizin als „Erreger“ bezeichneten Bakterien sind also in Wirklichkeit unsere Helfer und niemals krankheitsverursachend! Es ist sogar so, dass die behaupteten krankmachende Viren nicht existieren, wovon sich jeder leicht durch Nachfragen nach den wissenschaftlichen Publikationen der behaupteten krankmachenden Viren bei den Gesundheitsbehörden und Laboren überzeugen kann.“

– Zitat aus einer Publikation des Impfgegener-Netzwerks AEGIS –

 

Sie wäre Wasser auf den Mühlen einer genauso ahnungslosen wie auch paranoiden, und deshalb solchen Verblödungsmechanismen nicht gewachsenen, Generation von Jungmütter- und Väterchen, die sich nicht entscheiden können, wovor sie mehr Angst haben sollen: vor Impfungen oder vor Antibiotika, und die deshalb ihre Lasses, Kevins und Schackelines nicht mehr vom Kinderarzt, sondern nur noch vom Wunderheiler mit Zuckerkügelchen und ähnlichem Firlefanz therapieren lassen.

Möglicherweise wird dieser Eltern-Generation erst nach einigen Jahren deutlich, welch´ Schwachsinnigen sie Glauben geschenkt habe, nachdem Schackeline nun ständig zur Sprachförderung gebracht werden muss, was dem Gehörschaden nach einer unbehandelten alternativ behandelten Otitis media zu verdanken ist, Lasse einen regelmäßigen Termin beim Physiotherapeuten wegen seiner motorischen Probleme nach einer Meningitis hat, die als Folge einer Infektion seiner Glandulae salivariae (auch Mumps genannt)auftrat, und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Impfung zu verhindern gewesen wäre, oder aus Klein-Kevin ein Dauerpflegefall mit infauster Prognose wegen einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis wurde.

Die Realität zeigt uns aber, dass derartige Einsichten schon deshalb kaum zu erwarten sind, weil damit die brutale Erkenntnis verbunden ist, als Eltern mitschuldig am bedauerlichen Schicksal des eigenen Kindes zu sein. Lieber wird die nächste absurde Wahnidee degoutiert.

Was passiert aber, wenn der Gutachter zugunsten des Arztes und seiner vorgelegten Nachweise entscheidet? Mit einiger Sicherheit haben wir dann einen neuen Märtyrer, ein Opfer der Verschwörung zwischen Staat, Justiz, der Pharmaindustrie und der dogmatischen Medizinerschaft. Hamer lässt grüßen.

Egal also, wie der Prozess ausgehen sollte: Er ist auf jeden Fall ein Griff ins Klo.

So oder so.

b

Was also ist zu tun?

Die wesentliche Frage – nicht nur angesichts dieses Prozesses – lautet: Sind wir eigentlich bescheuert, solchen Gestalten wie Lanka, Tolzin, Loibner, Hirte, wie Schmidt-Trauschka oder Natalie Wohlgehmut, immer noch und immer wieder die Möglichkeit geben, eine Bühne zu betreten?   Und wie können wir das verhindern?  

Ich ertappe mich mittlerweile dabei, angesichts Demagogen solchen Kalibers, über drastische Maßnahmen nachzudenken, gegen die ich, wegen des damit verbundenen Missbrauchspotentials, als aufrechter Demokrat vor 30 Jahren auf die Straße gegangen wäre; und es heute ebenso tun würde.

Andererseits: Ist die Freiheit, jeden Unsinn, jede noch so abstruse Meinung, jede noch so offensichtliche Einbildung, jedes Ergebnis pathologischer Denkstörungen, ungehindert in die Gegend tröten zu können, wirklich wichtiger, als das Recht eines Kindes auf die beste medizinische Versorgung?

Müssen wir die Kopfgeburten sich im Besitze höherer Wahrheiten wähnender, hochgradig Verwirrter oder intellektuell Überforderter tatsächlich als satisfaktionsfähig ansehen?

Oder ist es nicht eher die unsere Aufgabe, aufzuzeigen, dass die Ignoranz von intersubjektivem Wissen, Empirie und allgemeiner Überprüfbarkeit, üblicherweise zu den Ausprägungen psychischer Erkrankungen zählen, bestenfalls noch zu solch´ postmodernen Verwirrungen zu zählen sind, die jede Meinung als gleichwertig ansehen, und damit auch für den größten Quatsch noch Toleranz einfordern?

Wo also müssen wir ansetzten?  

Müssen wir das Strafrecht ändern? Müssen wir auf diesem Weg verdeutlichen, dass uns das Kindeswohl wesentlich wichtiger ist, als der Hirnfurz der Eltern?

Ich denke ja, es bedarf Sanktionen gegenüber den Propheten des Unsinns, es bedarf Sanktionen gegenüber den Eltern, die ihre Kinder medizinisch vernachlässigen, weil sie den Geisterfahrern glauben, die ständig behaupten, dass alle die, die ihnen entgegenkommen, die eigentlichen Geisterfahrer wären. Argumente und Aufklärung laufen offensichtlich ins Leere.

Müssen wir unser Verhalten gegenüber solchen Menschen ändern, die offensichtlich an pathologisch bedeutsamen Denkstörungen leiden, und  – weil es zum Wesen einer Denkstörung gehört – nicht in der Lage sind, das einzusehen?

Ich halte es nicht für angemessen ist, bei Ideenfanatikern über Zwangseinweisungen in die Psychiatrie nachzudenken, aber vielleicht wäre es schon sinnvoll, wenn sich Politik, Medien und die wissenschaftliche Community darauf einigen könnten, das Dampfgeplaudere von Kurpfuschern, Quacksalbern und SnakeOil-Dealern unmissverständlich als das zu bezeichnen, was es ist: Entweder Ausdruck einer Geisteskrankheit oder eben kriminelles Verhalten.

Was den Prozess angeht: Ich fände es eine gute Entscheidung in der gerichtlichen Auseinandersetzung David  Bardens ./. Stefan Lanka , wenn der Vorsitzende den Herrn Lanka von der Zahlungspflicht befreien würde, weil dieser zum Zeitpunkt der Abgabe seiner Willenserklärung offensichtlich nicht geschäftsfähig war. Und weil er das weiterhin nicht ist, und im Grund auch eine Gefahr für die Öffentlichkeit bedeutet, sollte ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben werden: Eines, das den Geisteszustand Lankas klärt.

 

Dieser Beitrag wurde unter "Alternativ - Medizin", ... und anderer Unsinn, Sozialmedizin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Bardens vs. Lanka: It´s a shame

  1. Nesselsetzer schreibt:

    Ist die Freiheit, jeden Unsinn, jede noch so abstruse Meinung, jede noch so offensichtliche Einbildung, jedes Ergebnis pathologischer Denkstörungen, in die Gegend ungehindert in die Gegend tröten zu können, wirklich wichtiger, als das Recht eines Kindes auf die beste medizinische Versorgung?

    Abgesehen davon, dass das eine mit dem anderen nicht viel zu tun hat, hüte man sich davor, nach dem Motto zu handeln, dass alles, was „gut“ ist, durchgesetzt werden muss. Das ist in der Regel ein beliebtes Mittel von Diktatoren. Außerdem hat das BVerfG vor einiger Zeit ein Urteil gesprochen, wonach der Mensch ein Recht auf Unvernunft hat. Das findet in Bezug auf die eigenen Kinder Grenzen, aber gerade in Sachen Gesundheitsvorsorge oder Impfung wäre es dem Staat ein leichtes, wieder wie in den 60er und 70er Jahren große Kampagnen zu fahren und Allgemein- und Zahnärzte zur Vorsorge in die Schulen zu schicken und das Gesundheitswesen selbst in die Hand zu nehmen. Macht er aber nicht. Und manchmal ist das auch ganz gut, wenn man zur esoterischen Barbara (Steffens) nach NRW blickt.

    Wer auf Meinungsfreiheit besteht, muss auch die Meinungsfreiheit allen anderen zugestehen, auch wenn sie noch so doof oder dem Allgemeinwesen nicht unbedingt zuträglich ist.
    Darüber gibt es auch einen lehrreichen Artikel von almasala, the hobo and the gypsy:
    https://hogymag.wordpress.com/2013/11/25/nazis-und-rassisten-sind-zur-diskussion-ebenfalls-herzlich-eingeladen/

    Dagegen bleibt uns nichts weiter, in eigener Meinungsfreiheit gegen den Unsinn überzeugend anzuschreiben, aber ein Forderung nach einem strafbewehrten Verbot gegen bestimmte Überzeugungen ist nicht gerade geeignet für ein freiheitliches Miteinander. Und die Bezeichnung bestimmter Ansichten als „Geisteskrankheit“ würde ich mir an Deiner Stelle noch mal genau überlegen. Siehe hierzu:
    http://nesselsetzer.wordpress.com/2012/11/10/elyn-saks-die-geschichte-meiner-geisteskrankheit/

  2. Joe schreibt:

    Der Gutachter stammt immer von Seiten der Virengläubigen (Schulmedizin, Bardens & co). Ein neutrales Gutachten ist somit nicht wirklich möglich.

    „Der Gutachter stammt immer von Seiten der Gen-Gläubigen, somit ist ein objektiver Schuldnachweis über DNA-Spuren am Tatort nicht wirklich möglich!“, sprach der Vergewaltiger und plädierte auf Freispruch.

    Aber wie man sieht hat die Mainstream-Gehirnwäsche bei Bardens prima funktioniert, er wurde erfolgreich AUS-Gebildet, klare Gedanken also unmöglich. Ich hoffe er glaubt nicht an den Storch der die Kinder bringt, aber dazu findet Bardens sicher auch „Beweise“- aus Märchenbüchern:)

    „Was heißt hier denn hier „ein Geisterfahrer“, es sind doch Tausende!“, sprach der Klardenker, nachdem er die falsche Autobahnauffahrt benutzt hatte.

    Wenn Bardens auch noch Gelder in die Verspritzung von Nervengiften (Impfungen) in Afrika investieren will könnte er auch wegen Völkermord angeklagt werden. Diese Straftat verjährt nie.

    Oh my God, Joe!
    Impfungen sind Verspritzungen von Nervengift?
    Oh my God!
    Jetzt wird mir klar, warum wir jedes Jahr Millionen von ermordeten Nachwuchsvölkern zu Grabe tragen.
    Oh my God!
    Und was geschieht jetzt mit mir, Joe?
    Ich habe erst vor ein paar Wochen meine dienstlich notwendigen Impfauffrischungen abgeholt!
    Joe, seien Sie ehrlich zu mir! Wann erwischt es mich?
    Oder bin ich schon Legende und hab´s nur noch nicht mitbekommen, Joe?
    Werden wir alle an Impfungen sterben, Joe?
    Oder, Joe, erzählen Sie nur gequirlte Scheiße?

    Der Beitrag wurde ein wenig moderiert. Das hat der Joe verdienbt.

  3. David Bardens schreibt:

    @Joe: Ich freue mich, wenn Sie mich wegen Völkermordes verklagen. Dann gibt es noch einen Impfgegner mehr, der sich in der Öffentlichkeit lächerlich macht und den man vorführen kann. Ich werde mich von Realitätsverdrehern wie Ihnen jedoch nicht davon abhalten lassen, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Die von mir vorgelegten Beweise stammen nicht aus „Märchenbüchern“, sondern aus hochrangigen peer-reviewed journals. Was dies ist entzieht sich wahrscheinlich Ihrer Kenntnis.

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