Okoubaka – Das Märchen vom heilsamen Rindenmulch

Vorweg:

Seit die Karl und Veronika Carstens-Stiftung ( Klick ) sich einen Lehrstuhl für CargoCult am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité (Shame on you, Charité!) erkaufen konnte, und dort nicht nur eine Nachwuchskraft ( Klick ) installierte (deren besondere wissenschaftliche Befähigung für den Job zumindest mir ein ewiges Rätsel bleiben wird) , sondern ihre (geschätzt) halbe Belegschaft mit Job und Huschi-Fuschi-Forschungsaufträgen versorgt hat, verfolge ich die Entwicklung dieses Hochschul-Skandals mit mehr oder weniger großem Interesse.      

Als nun im vergangenen Jahr – nachdem spruchreif wurde, dass Frau Stiftungsprofessorin Witt ihre Zelte in Berlin abbrechen und nach Zürich ´rübermachen würde – auf der Website des Instituts eine leichte Hektik ausbrach, diverse offene Posten, sprich laufende Forschungsvorhaben, abzuschließen, habe ich mich dann noch einmal etwas intensiver damit befasst, was nach 5 Jahren Witt´scher Explorationen und ´ner verbratenen Million Euronen tatsächlich zu bilanzieren ist.

Besonderes interessiert haben mich dabei Studien zur Homöopathie: Die sind nämlich ein Indikator für wissenschaftliche Redlichkeit, die sich z.B. im offensiven Umgang mit möglichen negativen Ergebnissen solcher Studien ausdrückt, oder eben auch in der Art und Weise , wie die Interaktion mit dem Lehrstuhl-Stifter funktioniert und wie groß die geistige Unabhängigkeit der Forschenden von dessen Zielen ist.

Exemplarisch dafür ist eine der letzten Studien, welche die Witt-Gruppe abgeliefert hat: Eine homöopathische Arzneimittelprüfung mit Okoubaka; einem Mittel, dass nach Ansicht der Carsten-Stiftung nicht nur „in jede Reiseapotheke für einen Urlaub in heißen Regionen“ gehört, sondern „in potenzierte Aufbereitungen gegen alle Vergiftungen der modernen Welt“ einzusetzen ist. Und das, werte Leserin, geschätzter Leser, ist ja kein ganz geringer Anspruch.

Schauen wir also, was uns Okoubaka zu bieten hat, zu welchen Ergebnissen die Frau Witt kam, und was dann die Carstens-Stiftung daraus gemacht hat.

 

Eine kleine Geschichte über die Sucht, fixe Ideen zu veredeln

„Es war einmal in Afrika…“, so beginnen Märchen von Dänischen Baronessen oder, in Ausnahmefällen, von deutschen Globuli.

Es war einmal in Afrika, als – der Legende nach – eine deutsche Homöopathin, Magdalena Kunst, auf ihren Reisen auf dem schwarzen Kontinent von einem für ihre Hilfe überaus dankbaren Afrikaner (Na klar, oder?) ein Pröbchen original afrikanischer Volksmedizin in Form gemahlener Baumrinde erhielt.

Heilsamer Rindenmulch quasi, mit Gold kaum aufzuwiegen. Jedenfalls in Deutschland.

Okoubaka aubrevillei heißt das Gewächs, dessen Rinde angeblich gegen Gifte jeder Art, besonders aber gegen die aus vergammelten oder gezielt vergifteten Lebensmitteln hilft.

Weil nun zwischen nur vergammeltem und absichtlich vergiftetem Essen, schon allein im Hinblick auf die dabei zu findenden und dafür verwendeten Toxine, doch ziemliche Unterschiede existieren, muss Okoubaka wohl ein Alleskönner, ein universelles Antidot sein.

Allein, angesichts der einfachen Wege, unter den klimatischen Verhältnissen Afrikas, Lebensmittel krankheitserregend oder zumindest genussuntauglich werden zu lassen, könnte man tatsächlich von einem wahren Arznei-Schatz reden, wenn die Wirkung denn nur annähernd so wäre, wie der Volksmund berichtet.

Frau Kunst jedenfalls war, so wird erzählt, über alle Maßen vom Sägemehl beeindruckt, und hat, so geht die Geschichte weiter, wieder daheim in Frankfurt, das Präparat dem Apotheker Willmar Schwabe übergeben und ihn überredet, Okoubaka zu analysieren.

Willmar Schwabe nun war nicht irgend so ein kleiner Apotheker, der, ausgerüstet mit grün-alternativer Seele, heilenden Pflänzchen eine ökonomische Nische zwischen den Chemie-Bomben aus den Reaktoren der menschenverachtenden Pharmakonzerne verschaffte, sondern einer der damaligen Chefs des gleichnamigen, ursprünglich mit der Herstellung von pflanzlichen und homöopathischen Heilmitteln befassten Unternehmens, welches im Jahre 1961 die Phyto-Sparte der Schwabe AG vom Hahnemann´schen Quatsch trennte, und zu diesem Belange die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) ausgründete, die ihrerseits heute Marktführer der Huschi-Fuschi-Pharmazie in Deutschland ist.        

Zu welchen konkreten Ergebnissen Schwabes Analyse der Okoubaka-Proben führte, habe ich mir erspart zu recherchieren. Erstens ist das Ergebnis einer chemischen Analyse im Zusammenhang mit der Homöopathie völlig uninteressant, weil die Homöopathen ohnehin nicht auf die pharmakologischen Wirkmechanismen abstellen, und zweitens, liegen andere Untersuchungen zu den Inhaltsstoffen vor, die sich mit Schwabes Ergebnissen wohl decken dürften.

Festzustellen ist, das haben eben diese pharmakologischen Untersuchungen gezeigt, in der Okoubaka-Rinde sind Gerbstoffe, Catechine und Phenole zu finden, die für eine leicht bakterizide und entzündungshemmende Wirkung ursächlich sind. Allerdings, von außergewöhnlichen Konzentrationen oder besonderen Wirkstoffen ist nicht die Rede. Von einer Wunderdroge schon mal gar nicht; genauso wenig von einem universellen Antidot.

Man darf also mit Berechtigung annehmen, dass die vom Volksmund behauptete therapeutische Wirkung in erster Linie den wohlbekannten Selbstheilungskräften des Organismus und dem Placebo-Effekt geschuldet ist.    

 

Ziehen wir eine kurze Zwischenbilanz:

Eine deutsche Ärztin bekommt ein Mittel aus der afrikanischen Volksmedizin (nebst dazugehöriger blumiger Legende) und übergibt es einem deutschen Pharmazeuten und Hersteller von Phyto-Arzneimitteln, der das Mittel analysiert.

Das Ergebnis: Überschaubar – um nicht das hässliche Wort „belanglos“ zu benutzen.

Offenbar so überschaubar, dass der Herr Schwabe, Hersteller von pflanzlichen Heilmitteln, sich entschließt, Okoubaka nicht in die Phyto-Sparte der Schwabe AG zu übernehmen, sondern als Homöopathikum über die DHU zu vermarkten.

 

Jetzt wird´s zwangsläufig blöde und dreist…

…denn das Sägemehl wird zum Homöopathikum. Das heißt: nur teilweise. Es wird nämlich nicht sofort und nur hoch und höher wirksame Hochpotenz, sondern es bleibt auch banale Tiefpotenz, und damit eigentlich nur ein mehr oder weniger stark verdünnter Pflanzenextrakt.

Hinweis am Rande: Okoubaka ist erhältlich von D1 – LM VI, also quer durch den Verdünnungsunsinn.  

Okoubaka 1 Jedenfalls, irgendwann und irgendwie muss auf dem unendlichen Weg übers legendäre Lederkissen, vermutlich zwischen D15 und D30, die feinstoffliche Sensation passiert sein:

Aus dem Mittel, das in Afrika, berechtigt oder unberechtigt, gegen eine (also allopathisch!) wodurch auch immer verursachte Lebensmittelvergiftung eingesetzt wird,  wird plötzlich eine Arznei,  die, gemäß der Definition für eine homöopathische Arznei, bei Gesunden die Symptome einer Lebensmittelvergiftung auslöst – und deshalb bei Erkrankten, die an diesen Symptomen leiden, als Arzneimittel eingesetzt werden kann.

Erstaunlich, oder?

Noch einmal, zum mitschreiben:

Aus dem in Afrika allopathisch eingesetzten Okoubaka, war also mit einem Mal ein Homöopathikum geworden, was letztlich bedeutet, dass das Simile-Prinzip angewendet werden kann:

Demnach muss das Mittel, welches – in Afrika – auch dann eingenommen wurde, wenn einer möglichen Vergiftung vorzubeugen angeraten schien, nun plötzlich – in Deutschland – bei Gesunden Symptome erzeugen, die einer Vergiftung ähnlich sind.

Den Afrikanern jedenfalls scheint diese Eigenschaft von Okoubaka nicht aufgefallen zu sein, was es noch zusätzlich erschwert, das Ganze einzusehen. Weitaus schwieriger ist aber noch der Nachweis dieses Phänomens, deswegen gibt es den auch nicht.

Was aber die Einsicht angeht, versuche ich´s mal mit einem weiteren Beispiel: Stellen Sie sich, geschätzter Leser, einmal  vor, Sie hätten, wie viele Leidensgenossen, ab und an Rückenschmerzen, die nur aus Muskelverspannungen stammen, die Sie beispielsweise einem miesen Bürostuhl verdanken, also nicht die Folge einer schwereren Erkrankung sind, und Sie haben gute Erfahrungen mit Ibuprofen als entzündungshemmendes Schmerzmittel gemacht.

Nun stellen Sie sich vor, Sie nähmen, an einem schmerzfreien Tag, einmal – nur mal so, um´s auszuprobieren – ein Homöopathikum aus Ibuprofen (einfach mal vorausgesetzt, dass es das geben würde) ein, in welchem definitiv kein Ibuprofen mehr zu finden ist. Nach dem Simile-Prinzip führen Sie jetzt eine Arzneimittelprüfung im homöopathischen Sinne durch, weil sich ja keine Störung ihrer Lebenskraft zeigt, also keine Symptome vorhanden sind.

Wenn Sie nun, ohne konkrete Störung ihrer Lebenskraft, ein homöopathisches Mittel einnehmen, schlägt das Simile-Prinzip zu: Das Ergebnis müsste sein, dass Sie prompt tierische Rückenschmerzen bekommen, weil bei Gesunden (gesund im Hinblick auf die nicht vorhandenen Symptome) die Einnahme eines nach homöopathischen Regeln zubereiteten Mittels zu den Symptomen führt, gegen die dann genau dieses Mittel hilft, wenn Sie mal an diesen Symptomen leiden.  

Daraus folgt dann – jetzt besonders aufpassen – wenn Sie die Rückenschmerzen bekämpfen wollen, die Ihnen, als gerade noch Gesunder, durch die „Prüfung“ des homöopathisch aufbereitete Ibuprofen entstanden sind, dass Sie nun nicht das herkömmliche Ibuprofen einnehmen, sondern angeblich mit gleichem, wenn nicht sogar besseren Ergebnis, die homöopathische Zubereitung aus Ibuprofen, die Ihnen gerade die Rückenschmerzen verursacht hat.

Jetzt klar? Nicht? Dann ist es Homöopathie.

Nun werden Sie, irritierter Leser, einwerfen, dass das doch alles völliger Unsinn sei. Damit haben Sie wohl Recht. Möglicherweise werden Sie auch anmerken, dass die angeblichen Symptome, die eine homöopathische Arznei im Rahmen einer Arzneimittelprüfung bei Gesunden auslöst, nur sehr wenig mit deren biochemischen Effekten aus der Normalwelt zutun haben. Auch damit haben Sie Recht.

Nur, warum übernehmen dann Homöopathen die Wirkmechanismen aus der Normalwelt, wie bei Okoubaka geschehen?    

Mut zur Lücke

Ganz genau so, wie im Beispiel mit Ibuprofen, verhält es sich mit Okoubaka aber dann doch nicht. Ob nämlich Okoubaka – in homöopathischer Dosierung – tatsächlich die Symptome von Lebensmittelvergiftungen u.ä. erzeugt (oder überhaupt irgendwelche), weiß, oder besser, im Hinblick auf die aktuelle Ereignisse, wusste bis vor kurzem kein Schwein und auch kein Homöopath.

Okoubaka nämlich wurde nie geprüft, jedenfalls nicht in einer homöopathischen Arzneimittelprüfung.

Man hat einfach die angebliche Wirkung, die – ich wiederhole mich da gerne – aus der traditionellen allopathischen Anwendung stammt, übernommen.

Einfach so! Wobei das die Homöopathen öfters machen, ohne rot zu werden.

Arnika ist ja ebenfalls so ein Mittel, das die Homöopathen lieben: Das Erstaunliche ist auch hier, dass man auf gleiche therapeutische Wirkungen trifft, egal ob es sich um ein „schulmedizinisches“ Präparat oder um eine „ächte homöopathische Arzney“ handelt.

Was lernen wir daraus?

Auf das Simile-Prinzip, so scheint´s, können Homöopathen, wenn es gerade nicht in den Kram passt, also durchaus verzichten.

Formal aber dürfen wir feststellen, dass ein zentrales Element der homöopathischen Lehre, nämlich eine mittels der homöopathischen Arzneimittelprüfung festgestellte Wirkung nach dem Simile-Prinzip, für Okoubaka nicht existierte. Eine Verschreibung wäre deshalb nicht statthaft, weil man definitiv nicht weiß, welche Symptome Okoubaka erzeugt, und in welchem Fall es zu verwenden ist.

Was macht nun ein Homöopath in einem solchen Fall?

Ganz einfach: Er verordnet das Mittel trotzdem. Beispielweise bei ein paar Klienten, die sich einen kleinen Brech-Durchfall wegen Mikrobe auf Kartoffelsalat (dauert ohne Behandlung 48 – 72 Stunden, behandelt dagegen 2 – 3 Tage) eingefangen haben. Die werden üblicherweise gesund.

Allerdings wären sie das auch ohne Okoubaka geworden.

Sie wissen das aber nicht, und glauben fortan („cum hoc ergo propter hoc“ heißt der für solche Überzeugungen zuständige Wahrnehmungsfehler), das Sägemehl auf Zuckerkugel hätte ihnen das Leben gerettet, von dem sie dachten, dass sie es gerade in die Kloschüssel kotzen würden.  

Der Homöopath wird – durch den gleichen Wahrnehmungsfehler, der auch für die Überzeugung seiner Klienten sorgt, sie wären am Sägemehl genesen – für seine heroischen Mut bei der Verordnung belohnt, und hat ab sofort einige nette Heilanekdoten zur Hand, mit denen sich – auch hier wiederhole ich mich – trefflich auf dem nächsten Homöopathen-Kongress emphatische Begeisterung und Erweckungserlebnisse erzeugen lassen. Und schließlich: Wen interessieren schon, angesichts heftigster Emotionen, die furztrockenen systematische Testungen der im Grunde verhassten Schulmedizin? Er, der Homöopath, betreibt ja „Erfahrungsmedizin“ an Einzelfällen. Das ist zwar ein unredlicher Medizinversuch, weil ohne Wissen des Patienten veranstaltet, aber wer heilt, der hat doch recht – auch wenn´s nur ein Wahrnehmungsfehler war.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt, also dann, wenn der Erfahrungsmediziner aus seinem emotionalen Ausnahmezustand, in dem er sich aufgrund wunderbarer Heilungserfolge befindet, konkrete therapeutische Maßnahmen ableitet, gerät erfahrungsgemäß so eine Geschichte wie die von Okoubaka richtig in Fahrt.

Nachdem nämlich die Wunderheil-Anekdoten – samt zugehöriger Legende – oft genug erzählt wurden, entsteht eine Homöopathie-typische Dynamik: Kunst verordnet, weil Obele Shabalala erzählt hat, Bajic hört von Kunst, Kösters von Bajic, und Teut schließlich von Kösters. Und der schreibt dann auch noch eine Einzelfall-Kasuistik für die Allgemeine Homöopathische Zeitung AHZ:   Ab jetzt verordnen Heerscharen von Homöopathen Okoubaka bei Übelkeit und Scheißerei – und so gut wie immer wird´s gut, weil es so gut wie immer ganz von allein gut wird.

Okoubaka 2Auf derart banale Art und Weise entstehen die felsenfesten Überzeugung, welche dann großzügig über die kleinen Unstimmig-keiten zu Beginn der Geschichte -allopathischer Wirkmechanismus  -fehlende Arzneimittelprüfung           -Verstoß gegen das Simile-Prinzip   hinwegsehen, und fortan für des  Holzgeraspels bedeutende Karriere     sorgen…

Was allerdings noch fehlt, ist der große Multiplikator!

Auf dem Weg in den homöopatischen  Olymp…

Nun hatte das afrikanische Sägemehl ein saumäßiges Glück, auf den größten, oder besser, auf die größte Multiplikatorin zu treffen, die ihm über den Weg laufen konnte: Es geriet in die Hände der deutsche Übermutter der Alternaivheilerei, Veronika Carstens, und deren Anhängerschaft.

Zu der gehörte beispielweise die selbst-ernannte „Fachjournalistin“ Annette Kerckhoff, deren erklärte Lebensaufgabe die publizistischen Aufbereitung von Wahnwitz auf Sucrose-Kügelchen und ähnlich obskurer Therapien ist, und die ihre Karriere, so darf man annehmen, besonders durch schleimige Lobhudeleien über Veronica Carstens und deren fixe Ideen, zu denen zweifelsfrei der betonfeste Glaube an Okoubaka gehörte, beschleunigt hat.

Frau Kerckhoff hat jedenfalls einen erheblichen Beitrag zur Legende vom heilsamen Sägemehl geleistet ( Klick ).  

Dank solcher Bemühungen – allen voran denen der alternativheilerischen Übermutter Carstens – ist Okoubaka im homöopathischen Olymp angekommen – und ich mit meiner Geschichte fast in der Gegenwart. Fast, es fehlt nur noch die Kurve zurück zur Hypothese, dass der Glaube an die Homöopathie so etwas wie eine Denkstörung ist.

Dafür muss ich aber noch ein wenig mehr erzählen:

Die von der Carstens-Stiftung, also mit den Penunzen von Veronica Carstens und ihrem bundespräsidialen Göttergatten finanzierte Forschungsgruppe um Claudia Witt an der Charité, hatte in Sachen Homöopathie nicht so richtig tolle Erfolge. Keinesfalls aber solche, die von Seiten der Carstens-Stiftung eigentlich erwartet wurden, als man sich entschloss, eine allerhöchstens mit mediokren Fähigkeiten ausgerüstete Nachwuchsärztin mittels Stiftungs-Euronen zu einer Professur zu verhelfen.

Nicht nur, dass Frau Witts wachsweiche Outcome-Studien zur Homöopathie in Fachkreisen eher Naserümpfen erzeugten. Auch so durchgestylte Projekte wie „DepHom“, eine Studie, die die Wirksamkeit homöopathischer Mittelchen bei der Behandlung depressiver Zustände nachweisen sollte, gingen, genau so wie eine weitere Studie zu einen homöopathisch-anthroposophischen Therapeutikum gegen Rückenschmerzen, ganz furchtbar in die Hosen.

So sehr in die Hosen, dass man sich in Sachen Publikation ziemlich bedeckt hielt. Beispielsweise konnte man über die schon 2011 abgebrochene DepHom-Studie auf der Website des Witt´schen Instituts noch bis Ende 2013 lesen, dass sich die Studie in der „Auswertungsphase“ befindet.    

Es fehlte also weiterhin der von Homöopathen lang ersehnte, nicht anzweifelbare Erfolg in einer wissenschaftlichen Studie, deren Design ausnahmsweise mal allen Kritiken überstehen würde. Und weil, angesichts der Latte an Misserfolgen, der mittlerweile ehemalige Chef-Statistiker der Carstens-Stiftung, Rainer Lüdtke, seinen Homöopathen in Poesie-Album schrieb, dass man sich doch möglichst solche Kandidaten für homöopathische Prüfungen suchen sollte, bei denen man sich nicht mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ein weiteres Mal eine blutige Nase holt, musste ein Kandidat her, von dessen Durchschlagskraft man tatsächlich überzeugt war: Okoubaka.    

Nun wird der aufmerksame Leser jetzt den berechtigten Einwand erheben:

Todsicherer Kandidat?                                                                                                         Bei der Vorgeschichte?                                                                                                        Das kann doch nur schiefgehen!

Der Eindruck ist richtig, es ging schief. Aber dazu kommen wir später. Wesentlich ist zuerst etwas anderes: Warum sind diese Einwände den Homöopathen nicht auch eingefallen, warum setzte bei Homöopathens der Verstand aus?

Vielleicht beantwortet sich die Frage schon, wenn wir uns kurz anschauen, wer da eigentlich einen Aussetzer hatte?

Das Fähnlein der dauerhaft Verwirrten…

Da wäre zum einen Dr. Michael Teut: Oberarzt und Leiter der naturheilkundlichen Ambulanz an der Charité, Angehöriger des Wilseder Forums der Carstens-Stiftung.

Weiterhin finden wir, wen wundert es, Dr. Henning Albrecht, Biologe und Geschäftsführer der Carstens-Stiftung. Und wo Albrecht ist, darf auch die Millionenversenkerin Prof. Dr. Claudia Witt, (ehemalige) Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité, nicht fehlen.

Ebenfalls mit im Boot: Der schon oben erwähnte Rainer Lüdtke, Statistiker der Carstens-Stiftung, sowie Jörn Dahler: Arzt, Homöopath und Autor homöopathischer Fachbücher, Angehöriger des Wilseder Forums der Carstens-Stiftung, Ute Hirschberg, Doktorandin an der Charité, ebenfalls Angehörige des Wilseder Forums.

Sie alle werden den Vorwurf, sie hätten kurzfristig nicht mehr alle Tassen im Schrank gehabt, sicher weit von sich weisen.

Aber warum suchten die sich dann ausgerechnet ein Mittelchen aus, beim dem die naturwissenschaftlichen Fakten, genau so wie auch dessen Vorgeschichte, eine so deutliche Sprache sprechen, dass man gerade einmal zwei Finger – Zeigenfinger auf Daumen –  braucht, um die Erfolgsaussichten einer Studie zu beschreiben, in der Okoubaka einer Testung unterworfen wird?

Das müsste jedem, der frohen Mutes die Kohle für die Studie ( Klick ) verbraten hat, eigentlich klar gewesen sein. Jeder, der sich ohne ideologische Beschränktheit mit dem afrikanischen Sägemehl beschäftigt, hätte seine Pfoten von einem wie auch immer gearteten Versuch lassen, diesem Mittel die Existenzberechtigung als homöopathische Arznei zu attestieren.

Genau hier erhält die Geschichte ihre überfällige dramatische Komponente, die psychopathologische Dimension:

Homöopathie hat, soviel wissen wir mittlerweile, wenig mit Vernunft, umso mehr aber mit Unterordnung unter einer „überwertigen Idee“ zu tun. Eine „überwertige Idee“ ist ein die Lebensgestaltung in wesentlichen Aspekten beeinflussender Leitgedanke.

Menschen, deren Denken von einer überwertigen Idee in großem Maße getragen wird, sind immunisiert gegen gegensätzliche Standpunkte und Einwände. Die Verwirklichung der eigenen Überzeugungen – entgegen allen Widerständen – wird zum Lebensziel. Dieses umso mehr, je mehr die Betroffenen durch kritische Reaktionen der Umgebung in die Enge gedrängt werden, was ihnen nur die Richtigkeit ihrer Vorstellungen bestätigt.

Wesentlich ist dabei auch der epidemiologische Effekt des induzierten Wahns, bei dem die inhaltlichen Denkstörungen von Ideenfanatikern – unter geeigneten Umständen ( Klick ) – an andere weitergegeben werden.

Bringen wir es auf den Punkt: Der Ideenfanatiker verordnet dem präfrontalen Cortex eine Auszeit und ersetzt die langweilige Strenge der Vernunft durch die soziale Suhle und gegenseitiges Schulterklopfen.

Auf diese Weise funktionieren eben nicht nur Sekten…

Aber mit diesem Phänomen will ich mich hier nicht weiter beschäftigen, es würde den Rahmen sprengen. Lassen Sie uns, lieber Leser, die Story nun zu Ende bringen.

Shit happens!

Die Witt-Gruppe, ergänzt um die Leitfiguren der Carsten-Stiftung und Angehörige des Wilseder Forums, der von der Carstens-Stiftung finanzierten Kaderschmiede für den Globulisten-Nachwuchs, waren offenbar – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – der Überzeugung, dass unser afrikanisches Sägemehl ein aussichtsreicher Kandidat für eine homöopathische Arzneimittelprüfung sei.

Herausgekommen ist dabei (ich übergebe für eine kurze Zusammenfassung an die Carstens-Stiftung):

„Beim Vergleich der Symptome der verbliebenen 18 Probanden aus der Verumgruppe mit den Symptomen der verbliebenen 11 Probanden aus der Placebogruppe wurde kein statistisch signifikanter Unterschied in der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome gefunden.“

Nun entspricht dieses Ergebnis zwar nicht den Erwartungen der Homöopathen, es ist jedoch voll und ganz das, was ein Naturwissenschaftler hinsichtlich des Studienobjektes prognostiziert hätte. Aber auch von Seiten der Homöopathen hätte man damit rechnen können.

Hätte man. Hat man aber nicht.

So formuliert man auch seitens der Carstens-Stiftung, durchaus ein wenig betrübt, in einem Kommentar zu Prüfung:

„(…) Das Ergebnis ist ernüchternd für Homöopathieanwender und wird sicher Fragen  nach sich ziehen.“

Das ist einerseits richtig, man könnte hier viele Fragen stellen, beispielweise

  • Wie erklären sich die Homöopathen die „Wirksamkeit“ des Sägemehls  trotz fehlendem Arzneimittelbild?
  • Mit welcher (medizinisch-ethischen) Rechtfertigung haben Homöopathen – trotz fehlendem Arzneimittelbild – Okoubaka verordnet?
  • Ist es nicht unverantwortlich, ein Mittel zu protegieren, für das nicht einmal ein homöopathischer Wirksamkeitsnachweis existiert, geschweige denn ein seriöser Beleg?
  • Ist es nicht noch viel dreister, auch dann noch das Mittel zu protegieren, wenn klar ist, dass es – im homöopathischen Sinne – nicht wirkt?

und nicht zuletzt

  • Wie verhält es sich, angesichts des wohl ausschließlich auf Phantasien und Wunschvorstellungen beruhenden Okoubaka-Hypes, mit den Überzeugungen Hahnemanns: „Es ist unmöglich, das innere Wesen der Krankheiten und was im Verborgenen durch sie im Körper verändert ist, zu errathen, und thöricht, auf solche hypothetische Vermuthungen und Annahmen derer Cur bauen zu wollen; es ist unmöglich, die Heilkräfte der Arzneien nach chemischen Hypothesen oder nach Geruch, Farbe oder Geschmack zu errathen, und thöricht, nach solchen hypothetischen Vermuthungen und Annahmen diese (beim Mißbrauch so schädlichen) Substanzen zur Cur einer Krankheit anwenden zu wollen. Und wäre ein solches Verfahren auch noch so gebräuchlich gewesen und noch so allgemein eingeführt, auch wohl seit Jahrtausenden das einzig beliebte, so bliebe es dennoch ein widersinniges und verderbliches Verfahren, nach leeren Vermuthungen sich das Krankhafte im Innern des Körpers zu erdichten und es mit eben so erdichteten Kräften der Arzneien zu bestreiten.

Andererseits zeigen aber die bisherigen Folgen negativ ausgegangener Homöopathie-Studien, dass die Befürchtung, es könnte seitens der homöopathischen Anhängerschaft zu unangenehmen Fragen kommen, beispielweise zur grundsätzlichen Aussagekraft homöopathischer Arzneimittelprüfungen, oder, was noch schlimmer wäre, die Homöopathie selber würde in Frage gestellt werden, doch rein hypothetischer Natur ist: Den durchschnittlichen Anhänger der Therapie auf Zucker interessieren keine Studien – oder allerhöchstens solche mit positiven Ergebnissen.

Insoweit kann man sich die Fragestunde ersparen, denn Antworten sind ohnehin nicht zu erwarten.

Viel aussagekräftiger ist es deshalb, sich den Umgang der Karl und Veronika Carstens-Stiftung mit der demontierten fixen Idee der Stiftungsgeberin anzusehen: Beenden wir also an dieser Stelle die absurde Geschichte vom heilsamen Sägemehl mit dem schlichten Hinweis, dass die Stiftung bisher keinerlei Schlussfolgerungen aus dem Ergebnis der Studie, an der sie maßgeblich beteiligt war, gezogen hat. Auf der Website von „Natur und Medizin“, der Propaganda-Abteilung der Carstens-Stiftung, sind heute (20.04.2014) unter dem Suchwort „Okoubaka“ 48  Einträge (!) zum Thema zu finden; allerdings keiner, der auf die hier besprochene Studie hinweist.   

 Nicht Neues also im Homöopathen-Land:  Wissenschaftliche Studien – und die dafür notwendigen Finanzen –  werden eingefordert, die Ergebnisse aber werden, sofern diese nicht den Erwartungen entsprechen, von den Protagonisten ignoriert, totgeschwiegen oder schön geredet.  

Wirklich ein Schuft, der Böses dabei denkt,  Herr Albrecht, oder gar die Carstens-Stiftung für einen Verein großer Schwätzer hält?

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2 Antworten zu Okoubaka – Das Märchen vom heilsamen Rindenmulch

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