Was Sie über die Homöopathie wirklich wissen sollten… Teil I

ReaderVorweg:  

Ich bin der Homöopathie zum ersten Mal in den 1980er Jahren begegnet. 

Die junge Frau an meiner Seite hatte einige gesundheitliche Probleme, u.a. häufige Übelkeit und dauernde Erschöpfungs-zustände,  mit denen sie sich  – damals noch völlig unbefangen – einer Heilpraktikerin anvertraute.  

Diese Dame hatte auch die Homöopathie im Therapie-Sortiment, was dazu führte, dass ich eines Tages den Auftrag erhielt, ein Rezept für eine homöopathische Arznei unserem Kleinstadt-Apotheker zu überreichen. Der machte sich, weil es sich um eine Einzelanfertigung handelte, flugs an Werk,  um mir einige Tage später das verordnete Mittel zu übergeben – zu einem exorbitanten Preis und verbunden mit guten Genesungswünschen.

Nun war es so, dass auf den beiden mir überreichten Fläschchen kryptische Angaben zu den Inhaltsstoffen zu finden waren, aus denen man nicht recht schlau werden konnte, und einen erläuternden Beipackzettel gab´s auch nicht. Aus verständlichem Interesse, schließlich ging´s ja um meine Frau,  habe ich damals das gemacht, was man als Student so machte, wenn man auf unbekannte Sachverhalte traf – man begab sich in eine Fachbereichsbibliothek.

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DZVHÄ – der Horizont zwischen Wand und Tapete

Vorweg:

Ich habe lange nicht mehr über den Irrwitz Alternativmedizin und dessen Propheten geblogt, höchstens mal an der einen oder anderen Stelle meine Kommentare hinterlassen.

Das hat weniger damit zutun, dass dem Irrwitz mittlerweile Zügel angelegt wurden, es ist vielmehr ein Akt der Psychohygiene: Sich tagtäglich mit dem geistigen Müll auseinander zusetzen, den beispielsweise die Karl und Veronika Carstens-Stiftung unablässig absondert, macht auf Dauer krank – oder zumindest dauerhaft schlechte Laune.

Vielmehr gilt das aber noch für den DZVhÄ, diesem grotesken Verein, der gerade mal knappe 2 % der bundesdeutschen Ärzteschaft in seinen Reihen vereint, nämlich die „ächten Heilkünstler“, denen man dummerweise irgendwann die staatliche Zulassung zur Berufsausübung als Arzt verliehen hat, und vor deren Konsultation dringend gewarnt werden muss.

Norbert Aust hat in dieser Sache mal den Hinweis formuliert, „dass es in jeder Profession einen gewissen Anteil von Mitgliedern gibt, die aus welchen Gründen auch immer die Grundlagen ihrer Ausbildung vergessen haben oder bewusst ignorieren“ – die Ärzteschaft bilde da offenbar keine Ausnahme von dieser Regel.

Leider wirkt sich diese Amnesie mitunter nachteilig aus – vor allem für die Patienten. Homöopathische Ärzte sind deshalb eine latente Gefahr, weil sie sich mit kindlich-kläglicher Einfältigkeit der Erfüllung fieberwahnartiger Wunschträume fernab jeglicher Bodenhaftung widmen, und dabei vergessen haben, wie die Natur tatsächlich funktioniert. Aber das ist nun ´ne andere Baustelle…

Viel schlimmer ist der DZVHÄ dann, wenn er sich mal nicht darum kümmert, seinen abgedrehten Vereinsmitgliedern die soziale Suhle zu liefern, in der die gegenseitige Bestätigung der fixen Idee von der Macht des wirkstoffbefreiten Zuckerkügelchens das einzige Ziel ist, sondern dann, wenn der Verein in die Schlacht zieht, gegen Kritik und Kritiker, gegen Rationalität, gegen Vernunft, vor allem aber für genügend Fressplätze am Busen der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Nun mag man berechtigt einwenden, dass so etwas doch wohl die Aufgabe eines Lobbyvereins sei, es insoweit doch nicht gänzlich unerwartet kommt, wenn von jenem auf Trümmerfeldern und Ruinen Wolkenkuckucksheime gebaut werden – auch wenn deren Baupläne aus offenkundigen Lebenslügen und konsequenter Realitätsverweigerung bestehen. Ist doch sattsam bekannt, dass im Biotop der alternativen Heilerei Anerkennung nicht durch offene Diskurse oder etwa verwertbare, fundierte Erkenntnisse erreicht wird, sondern in erster Linie durch Selbstbeweihräucherung und Fremdtäuschung.

Es ist halt ein blödes Spiel – aber alle Beteiligten kennen die wesentliche Regel „Lüge, täusche, beschönige und vertusche, was das Zeug hält!“, und es gibt keine Grund, sich darüber wirklich aufzuregen.

Manchmal aber überziehen die Homöopathen – und dann ist eben doch Zeit für Zorn…

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Homöopathie: Tricky Mathie – Betrug oder Daten-Kosmetik?

Es sind insgesamt schlechte Zeiten für die klassische Homöopathie: Die Datenlage ist grottig, die Phantasten, Clowns und Spinner der spekulativen Homöopathie haben längst die Deutungshoheit über Hahnemanns Erbe übernommen, und über Wasser hält man sich derzeit nur noch durch den Erfolg der jahrelangen Publikumsverblödung ( Klick ) – was wohl auch für Homöopathen auf Dauer unbefriedigend ist.

Da kommt passend zur Jahreszeit, quasi unter der Tanne im Geschenkkarton serviert,  eine neue Metaanalyse gerade recht: Mathie et al heißt wohlmöglich das zukünftige Mantra der homöopathischen Sehnsüchte.  

Robert Mathie, Physiologe in den Diensten der British Homeopathic Association, hat sich an die Arbeit gemacht und eine Analyse abgeliefert, die die aktuellen Datenlage bezüglich der Hypothese überprüft: „Die individuell verordnete Homöopathie ist besser als Placebo“. Dabei kommt er – wen wundert es – zu einem bei einem Homöopathen nicht gänzlich unerwarteten Ergebnis:

Yepp, Homöopathie ist besser!  Nur ein wenig besser, als Placebo-Pillen, aber besser! Yeah! Statistisch signifikant! Go, Globuli, Go!

Michael Teut, der bei Claudia Witt gelernt hat, wie man Studien homöopathiegerecht gestaltet und selbst Fragwürdiges als der Weisheit letzten Schluss verkündet, vermeldete postwendend die Frohbotschaft auf seinem Blog ( Klick ), und die ehemals designierte akademische Leiterin der Seifenblase „Homöo-Akademie Traunstein“, die Heilpraktikerin Anja Wilhelm ( Klick ), tut´s ihm schon nach.

Wir Skeptiker haben uns also geirrt: Homöopathie wirkt. Ein wenig, aber nicht wegzudiskutieren. Asche auf unser Haupt! Kniefall vor Hahnemanns Erben…

Quatsch, Bullshit!

„Erfolgreiche“ homöopathische Studien hangeln sich üblicherweise am Rande der Signifikanz entlang, und sind dabei in hohem Maße von der Größenordnung der zu findenden systemischen Mängeln im jeweiligen Studiendesign, vor allem aber von der statistischen Eigenheiten des untersuchten Sachverhalts abhängig – und in Einzelfällen führt das dann zu angeblicher Signifikanz (siehe die Studien von J. Jacobs). Weiterhin sind sie entweder statistische Artefakte, also banale nicht reproduzierbare Zufallsergebnisse, mehr oder weniger geschickte Datenmanipulationen, oder, auch das zeigt die Metaanalyse, einfach nur methodisch schlecht, d.h. Datenmüll.

Die manchmal nicht ganz einfache Aufgabe besteht nur darin, nach Fehlern – im Studiendesign, in der Datenauswertung , in der Interpretation (oder in allem gleichzeitig) zu suchen, oder, im schlimmsten Fall, bewusste Datenmanipulation nachzuweisen – keinesfalls aber einen Gang nach Canossa anzutreten, um Buße für den Unglauben an die Macht des wegverdünnten Wirkstoffs zu leisten. Dass nämlich die Fehler da sind, daran besteht kein Zweifel – denn bisher hat jede erfolgreiche homöopathische Studie sich als irgendeiner Art fehlerhaft erwiesen.

Schauen wir deshalb ein wenig genauer nach, wie es Mathie es geschafft hat, zu seinem erstaunlichen Ergebnis zu kommen.

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Homöopathie: Brechmittel für den Thorens

Wann Homöopathie wirkt

Ich habe in den letzten Tagen das Dickicht im häuslichen Keller gelichtet. Dabei stößt man in den Kisten und Kästen fast zwangsläufig auf längst Vergessenes und Verschollenes.

Beispielweise auf zwei solcher braunen 250 ml Arzneifläschchen für flüssige Zubereitungen, erstaunlicherweise in einem Karton in trauter Eintracht mit Tonband-Cassetten, einigen Schallplatten, einem etwas verranzten Sennheiser HD 414 und diversem HiFi-Gedöns.

Wieso die sich dort befanden, ist schnell erklärt: Die in den Fläschchen ehemals zu findende Lösung, eine homöopathische Zubereitung aus dem Brechmittel Apomorphin  ( Klick ) und anderen therapeutischen Abwegigkeiten in der absurden Potenz C200, bestand aus einem der üblichen Arzneiträgern, die gemäß dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) verwendet werden dürfen – in diesem Fall aus einem Äthanol-Wasser-Gemisch mit einem Alkoholgehalt von etwa 60% – und natürlich den geistartigen Kräften des Apomorphins. Nun hatte sich das Mittel als Therapeutikum einer doch sehr konkreten Erkrankungen meiner Herzallerliebsten als so genauso untauglich erwiesen, wie jedes andere homöopathische Mittel, und dementsprechend mäanderte es eine Zeitlang – ungenutzt bis auf wenige Tropfen – durch den unseren Medizinschrank.

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Homöopathie: Über Miasmen, Größenwahn und Unvermögen, die HoG und Ebola

Eigentlich halte ich die Erörterung der homöopathischen Theorien für überflüssig: Genug ist über die dahinterstehende Unwissenheit, über die Denkfehler, über die Fehlinterpretation homöopathischer Erfahrungen, und über den Anteil an reiner Phantasie in den Theorien schon geredet und geschrieben worden.

Jeder, der heute Globuli in der Annahme einwirft, sie könnten – als Alternative zur konventionellen Pharmazie – tatsächlich helfen, muss sich über folgendes klar sein: Alles, was wir heute darüber wissen, wie ein lebender Organismus funktioniert und wie seine Störungen, sprich Krankheiten entstehen, welche Folgen und Verläufe diese haben und wie sie zu therapieren sind, wurde von den Naturwissenschaften und der wissenschaftsbasierten Medizin herausgefunden.

Der Beitrag der Homöopathie ist null – was letztlich der banalen Tatsache geschuldet ist, dass Hahnemann (und die vorwissenschaftliche Medizin insgesamt) zu seiner Zeit so gut wie keine (technischen) Möglichkeiten hatte, eine Ätiologie zu entwickeln, die den heute erkannten Kausalitäten in der Krankheitsentstehungen auch nur ansatzweise gerecht wird.

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