DZVHÄ – der Horizont zwischen Wand und Tapete

Vorweg:

Ich habe lange nicht mehr über den Irrwitz Alternativmedizin und dessen Propheten geblogt, höchstens mal an der einen oder anderen Stelle meine Kommentare hinterlassen.

Das hat weniger damit zutun, dass dem Irrwitz mittlerweile Zügel angelegt wurden, es ist vielmehr ein Akt der Psychohygiene: Sich tagtäglich mit dem geistigen Müll auseinander zusetzen, den beispielsweise die Karl und Veronika Carstens-Stiftung unablässig absondert, macht auf Dauer krank – oder zumindest dauerhaft schlechte Laune.

Vielmehr gilt das aber noch für den DZVhÄ, diesem grotesken Verein, der gerade mal knappe 2 % der bundesdeutschen Ärzteschaft in seinen Reihen vereint, nämlich die „ächten Heilkünstler“, denen man dummerweise irgendwann die staatliche Zulassung zur Berufsausübung als Arzt verliehen hat, und vor deren Konsultation dringend gewarnt werden muss.

Norbert Aust hat in dieser Sache mal den Hinweis formuliert, „dass es in jeder Profession einen gewissen Anteil von Mitgliedern gibt, die aus welchen Gründen auch immer die Grundlagen ihrer Ausbildung vergessen haben oder bewusst ignorieren“ – die Ärzteschaft bilde da offenbar keine Ausnahme von dieser Regel.

Leider wirkt sich diese Amnesie mitunter nachteilig aus – vor allem für die Patienten. Homöopathische Ärzte sind deshalb eine latente Gefahr, weil sie sich mit kindlich-kläglicher Einfältigkeit der Erfüllung fieberwahnartiger Wunschträume fernab jeglicher Bodenhaftung widmen, und dabei vergessen haben, wie die Natur tatsächlich funktioniert. Aber das ist nun ´ne andere Baustelle…

Viel schlimmer ist der DZVHÄ dann, wenn er sich mal nicht darum kümmert, seinen abgedrehten Vereinsmitgliedern die soziale Suhle zu liefern, in der die gegenseitige Bestätigung der fixen Idee von der Macht des wirkstoffbefreiten Zuckerkügelchens das einzige Ziel ist, sondern dann, wenn der Verein in die Schlacht zieht, gegen Kritik und Kritiker, gegen Rationalität, gegen Vernunft, vor allem aber für genügend Fressplätze am Busen der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Nun mag man berechtigt einwenden, dass so etwas doch wohl die Aufgabe eines Lobbyvereins sei, es insoweit doch nicht gänzlich unerwartet kommt, wenn von jenem auf Trümmerfeldern und Ruinen Wolkenkuckucksheime gebaut werden – auch wenn deren Baupläne aus offenkundigen Lebenslügen und konsequenter Realitätsverweigerung bestehen. Ist doch sattsam bekannt, dass im Biotop der alternativen Heilerei Anerkennung nicht durch offene Diskurse oder etwa verwertbare, fundierte Erkenntnisse erreicht wird, sondern in erster Linie durch Selbstbeweihräucherung und Fremdtäuschung.

Es ist halt ein blödes Spiel – aber alle Beteiligten kennen die wesentliche Regel „Lüge, täusche, beschönige und vertusche, was das Zeug hält!“, und es gibt keine Grund, sich darüber wirklich aufzuregen.

Manchmal aber überziehen die Homöopathen – und dann ist eben doch Zeit für Zorn…

Der DZVHÄ gegen Natalie Grams

Natalie Grams, (Klick) der Name dürfte mittlerweile nicht mehr gänzlich unbekannt sein, war mal eine homöopathische Ärztin.

Erfolgreich im Beruf, gutgehende Praxis, hochgradig angetan vom Zuckerkugel-Business. Eine Zelotin reinsten Wassers, so sehr von der Sache überzeugt, dass sie es den Kritikern der Methode einmal richtig zeigen wollte.

Das ist nun kein ganz unbekanntes Phänomen: Viele Homöopathen leiden unter den kognitiven Dissonanzen, die, als Ergebnis der Zuwendung zu einem Verfahren, dessen Elemente keinen Realitätsbezug haben, quasi unvermeidlich sind. Eine der Strategien, diesen Widersprüchen zu entkommen, besteht darin, sich der Illusion hinzugeben, mit einer Streitschrift voller bestechender Argumente dem ignoranten Kritiker zu zeigen, dass nicht die Homöopathie das Problem ist, sondern die – nicht richtig – erkannte Realität.

Nun hat sich Natalie Grams nicht damit begnügt, wie es andere vor ihr oft genug getan haben, im zirkulären Denken einer ausschließlich sozialen Konstruktion zu verbleiben, und deren Fehleinschätzungen mit sattsam bekannten Wahrnehmungsfehlern zu belegen, vielmehr hat sich Denkdisziplin auferlegt.

Denkdisziplin ist, trotz anderslautenden Gerüchten, ein Erfolgskonzept, und es kam deshalb, wie es kommen musste, wenn man nicht nur den Geschichten vom rosafarbenen Einhorn im Vorgarten lauscht, sondern darauf besteht, das Vieh tatsächlich zu sehen: Man stellt fest, da ist nichts. Es ist nicht da. Man hat mir, ich habe mir, offenbar etwas vorgemacht.

Übertragen auf Natalie Grams Büchlein bedeutet das, dass sie sich die Heilerfolge, die sie, als homöopathische Ärztin, über Jahre hinweg wahrgenommen hatte, hinsichtlich deren Begründung genauer ansah – und feststellte, dass keine schlüssigen Belege dafür existieren, dass die komplette Wiederherstellung der Gesundheit oder zumindest die Besserung des Zustandes ihrer Patienten tatsächlich den Zuckerkügelchen zu verdanken war.

Stattdessen musste sie zur Kenntnis nehmen, dass für die erlebten Heilprozesse – immer – rationale Erklärungen zu finden sind, die solche nicht belegbaren Phänomene wie die „geistartige Kraft“, die angeblich in den homöopathische Arzneien zu finden ist, völlig überflüssig machen.

Was also stattgefunden hat, und nur davon berichtet letztlich Frau Grams Büchlein, war der Prozess einer ganz persönlichen „Aufklärung“, der zur Einsicht führte, führen mußte, dass eine konsequent wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Verfahren ausschließlich zu einem einzigen Ergebnis führen kann, nämlich dem, dass die Homöopathie eine Fiktion, ein soziales Konstrukt ist, das letztlich auf einer mit viel Phantasie und sehr wenig Fachkenntnis konstruierten Grundannahme ihre Gründervaters beruht, die weder systematisch validiert wurde und noch prinzipiell infrage gestellt worden war.

Nichts, was Homöopathen als Aspekte ihrer Therapie offerieren

  • Homöopathische Ätiologie und Pathogenese,
  • homöopathische Anamnese,
  • homöopathische Arzneiverordnung nach dem Simile-Prinzip,
  • die homöopathische Arzneimittelprüfung,
  • die Gewinnung homöopathischer Arzneien mittels Dynamisierung durch Potenzierung

ist tatsächlich mehr, als das Ergebnis eines, wie der große Psychologe Bleuler es nannte, autistisch-undisziplinierten Denkaktes, und den auf  diesem basierenden sinnfreien Ritualen, die nur als Ritual Bedeutung haben.

Diese Rituale – abgesehen vielleicht von der Anamnese (deren Sinn ausschließlich in der Zuwendung zum Patienten besteht) – könnten inhaltlich komplett anders gestaltet sein, ohne dass es irgendeinen anderen Effekt auf die vermeintliche Wirksamkeit des Verfahrens hätte, solange am Ende der Prozedur die Affirmation mittels Globuli steht.  

Der Inhalt der homöopathischen Rituale ist Unsinn.                                                                       Das Simile-Prinzip ist Unsinn.                                                                                                              Die Dynamisierung durch Potenzierung ist Unsinn.                                                                         Die homöopathischen Arzneimittelprüfungen sind Unsinn.                                                    Die Materia Medica ist Unsinn.  

Natalie Grams hat – im übertragenen Sinne – festgestellt, dass 1+1 weiterhin 2 ist – und eben nicht 3 oder vielleicht 4. Und im Zuge dieser Einsicht hat sie sich auch die Frage gestellt, wie sie so dumm sein konnte, der Gründergestalt und deren Nachfolgern zu vertrauen, die sie nicht nur falsche Erkenntnisse lehrten, sondern vor allem auch die Wege, ihre Zweifel an hochgradigem Unsinn zu verdrängen.

Solche Einsichten machen aus Gläubigen Häretiker.

Natalie Grams ist eine Häretikerin, eine, die vom rechten Glauben abgefallen ist. Nun ist der vom rechten Glauben Abgefallene, der sich den unerhörten Frevel erlaubt hat, über seinen Glauben nachzudenken, der Alptraum eines Dogmatikers par excellence.

Denn die Kraft – und damit die Gefahr der Häresie – besteht nicht nur in der grundsätzlichen Infragestellung der Lehre durch den, der die Lehre im Detail kennt, sondern vielmehr durch das Signal, dass es möglich ist, sich aus zirkulären Denkwelten zu befreien.

Das unterscheidet den Häretiker vom einfachen Ungläubigen, dem man, als reaktionärer Glaubenwächter, schon einfach dadurch den Wind aus den Segeln nehmen kann, in dem man simple Unkenntnis der Glaubenselemente unterstellt – eine unter Homöopathen gerne geübte Praxis im Umgang mit Kritikern.

Der vom reinen Glauben Abgefallene ist da schon ein anderer Gegner, weil bei ihm genau dieses Strategie versagt, weil man weder mangelhafte Kenntnis der Materie, noch das engstirnige Vertreten einer anderen Ideologie pauschal unterstellen kann.

Da ist das Mittel der Wahl nur noch die persönliche Diskreditierung.

Auch darin hat der DZVHÄ mittlerweile Übung…

 

Der DZVHÄ und der Umgang mit Kritik

Am 5. September 2007 strahlte das ZDF ein Wissenschaftsmagazin mit Joachim Bublath aus, Titel „Die modernen Wunderheiler“. Gelassen und sachlich präsentierte Bublath den Stand der Wissenschaft zu verschiedenen alternativen Heilverfahren: Von mangelhafter Datenlage oder erst gar nicht vorhandener Forschung war die Rede.

Kaum war die Sendung Geschichte brach über dem ZDF und Joachim Bublath ein Tsunami an persönlichen Beleidigungen und Verunglimpfungen zusammen, initiiert durch die Alternativheilergilde und deren Lobbyisten.  

Auch zur Homöopathie äußerte sich Bublath in einer Weise, die den DZVhÄ auf den Plan rief. Schon kurz nach der ZDF Wissenschaftssendung wurde eine Gegendarstellung gefordert. Es ging dabei um die Aussage:

„In keiner wissenschaftlichen Studie waren die homöopathischen Mittel wirksamer als die Placebos.“

Der DZVHÄ verlangte eine Gegendarstellung und beantragte später noch eine einstweilige Verfügung, um öffentlich durch den Sender verkünden zu lassen:

„Diese Behauptung ist unrichtig. In zahlreichen, nach wissenschaftlichen Regeln durchgeführten Einzelstudien und auch in Metaanalysen konnte eine signifikante Überlegenheit homöopathischer Arzneimittel gegenüber Placebos nachgewiesen werden.“

Lars Stange war damals 1. Vorsitzender des DZVHÄ, im Vorstand saß u.a. auch Curt Kösters, der Stange als Vereinsvorstand nachfolgte, und der jetzt für den DZVHÄ den Krieg gegen Frau Grams führt.

Der Versuch, eine einstweilige Verfügung gegen das ZDF zu erwirken, ging damals aus formalen juristischen Gründen in die Hose, und es scheint, als hätte der DZVHÄ daraus seine Lehren gezogen: Wenn wir schon keine Möglichkeit haben, Kritiker zur unfreiwilligen Verkündung unserer Sichtweise zu zwingen, dann bleibt uns wohl nichts anderes, als den Kritiker als Person unglaubwürdig zu machen – die klassische „Methode Fritzsche“  ( Klick ) eben.

Gedacht, getan!

So beginnt dann die mittlerweile zweite Stellungnahme des DZVHÄ zu Natalie Grams Büchlein dann auch mit dem Satz:

Woran erkennt man einen unseriösen Homöopathie-Kritiker? An falschen Tatsachenbehauptungen wie diese: „Eine Wirkung [der Homöopathie] über einen Placebo-Effekt hinaus wurde in keiner Studie jemals festgestellt.“

Diese Aussage sei nicht richtig, stellt zuerst einmal Cornelia Bajic, die derzeitige Vereinsvorsitzende fest, und wir mit den Worten zitiert:

„Wer heute behauptet, es gebe keine qualitativ hochwertigen Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen, offenbart die eigene Unwissenheit und nicht die Unwirksamkeit der Methode“

Das Prozedere kommt einem bekannt vor.

Aber möglicherweise kann der DZVHÄ heute Belege vorlegen, die sich von denen im Jahre 2007 wesentlich unterscheiden?

2007 nannte der DZVHÄ die Meta-Analysen von Linde und Kleijnen sowie die Outcome-Studie von Witt als Zeugen für die Feststellung: „Die Wirksamkeit der Therapie mit gut informierten Zuckerkügelchen ist wissenschaftlich belegt.“

Was haben wir damals gelacht bei der Vorstellung, der DZVHÄ würde sein Ansinnen vor Gericht mit diesen Studien begründen. Was haben wir gelacht, und uns gleichzeitig verwundert die Augen gerieben, mit welcher Dumm-Dreistigkeit ein Ärzteverein diesen Unsinn verkündet: Linde hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Ergebnisse seiner Studie widerrufen, Kleijnen hatte darauf hingewiesen, dass wegen der miesen Qualität der homöopathischen Studien, sagen wir mal, Skepsis gegenüber den Ergebnissen durchaus angebracht wäre, und Frau Witt schließlich erforschte nicht einmal im Ansatz das pharmakologische Konzept „Homöopathie“, sondern hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich der homöopathisch betüdelte Mensch insgesamt so fühlt.

Aber möglicherweise hat der DZVHÄ aus den Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrzehnts auch andere Lehren gezogen, als die, wie man Kritiker diskredititiert; zum Beispiel die, Behauptungen glaubwürdiger zu belegen.

Schauen wir also, ob die derzeit genannten Zeugen bessere Belege liefern. Aber bevor ich jetzt noch ein paar hundert Zeilen schreibe, verlinke ich lieber zu denen, die diesen Job schon erledigt haben (Klick) (Klick) (Klick) (Klick) (Klick).

Wenn Sie, geschätzer Leser vom Ausflug zurück sind, werden Sie mir wohl zustimmen, dass sich die Beweislage zugunsten der Homöopathie nicht im Geringsten geändert hat.

Ziehen wir mal ein Zwischenergebnis: Wenn damals Joachim Bublath, oder eben heute Natalie Grams, fehlerhafte Aussagen publiziert haben, dann liegt der Fehler nicht in der Quintessence der Aussage, dass nämlich keine Belege für eine Wirkung jenseits des Placebo-Effekts vorliegen, sondern einzig und allein in einer nicht ausreichend präzisen Darstellung des Sachverhalts.

Was eigentlich hätte verkündet werden müssen, ist folgendes:

„Erfolgreiche“ homöopathische Studien hangeln sich üblicherweise am Rande der Signifikanz entlang, und sind dabei in hohem Maße von der Größenordnung der zu findenden systemischen Mängeln im jeweiligen Studiendesign, vor allem aber von der statistischen Eigenheiten des untersuchten Sachverhalts abhängig. In Einzelfällen führt das dann zu vermeintlicher Signifikanz.

Weiterhin sind sie entweder statistische Artefakte, also banale, nicht reproduzierbare Zufallsergebnisse, mehr oder weniger geschickte Datenmanipulationen, oder einfach nur methodisch schlecht, d.h. Datenmüll.

Deshalb liegt bis heute kein ernstzunehmender Beleg dafür vor, dass homöopathische Arzneien besser als Placebo wirken.“

Das trifft´s dann, da kann dann kein DZVHÄ-Demagoge noch darauf herumreiten, dass es unzweifelhaft Studien mit für die Homöopathie positiven Ergebnissen gibt. Die gibt´s nämlich. Dass sie aber Schrott sind, vergessen die Homöopathen zu erwähnen. Wären sie kein Schrott, müsste man ihre Autoren mit Nobelpreisen überhäufen, worauf Martin Lambeck (Klick) schon häufig genug hingewiesen hat.

Wo sind also die Nobelpreise, Frau Bajic, Herr Kösters?

Ordnen wir also die Attacken des DZVHÄ gegen Natalie Grams dort ein, wo sie hingehören: Es sind die gewohnten publikumswirksamen Beschimpfungen und Verunglimpfungen von Kritikern.

Geschmacklos, erbärmlich, rücksichtslos, und weitab von Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Und damit sind an dem Punkt angelangt, wegen dem dieser Beitrag geschrieben wurde.

 

Der DZVHÄ, die menschlichen Qualitäten und der Umgang mit der Wahrheit

Das, was sich der DZVHÄ an Auskeilen Richtung Natalie Grams erlaubt, ist grenzwertig. Mit der Unterstellung mangelnder Seriosität, an andere Stelle mit dem Vorwurf der „Lüge“,  ist der Rahmen vertretbarer Kritik nicht nur aus zwischenmenschlicher, sondern auch juristischer Perspektive entgültig überschritten.

In Curt Kösters Wortwahl demonstriert sich die ganze Skrupellosigkeit der homöopathischen Talibane, die bei der Verteidigung ihrer Lehre, die sich jeder Revision ihrer Theorien verweigert – und seien diese auch noch so abwegig und absurd – jede Zurückhaltung aufgeben, wenn jemand die Deckmäntelchen der Homöopathie, den magischen Impetus, den Saccharose-Fetisch, oder das außerordentlich wissende Geraune und die Attidüde des „Alternativen“, als fadenscheinige Lumpen entsorgt.

Ich, an Natalie Grams Stelle, würde strafrechtliche Konsequenzen erwägen – allein schon wegen der seltenen Chance, die Homöopathie in einem Gerichtsverfahren zur Diskussion zu stellen. Welche Wirkung so etwas haben könnte, zeigt das Verfahren Bardens gegen Lanka.

Was mir aber wesentlich bedeutsamer erscheint, ist der Umgang der Verbands-homöopathen mit der Wahrheit.

Curt Kösters bemüht sich in seinem Essay über Seiten hinweg, die Qualität homöopathischer Studien über jeden Zweifel zu erheben, und deren Kritiker als inkompetent darzustellen. Weiterhin erörtert er deren unterschiedliche Überlegungen, wie es in vereinzelten, zuerst einmal seriös erscheinenden Studien zur „signifikanten“ Überlegenheit homöopathischer Arzneien über Placebo kommen konnte.

Was er vergisst anzusprechen, ist jedoch das Wichtigste an formulierter Kritik, dass nämlich kein Homöopathen die Homöopathie komplett zu Ende denkt, und dann die entsprechenden Schlußfolgerungen für unsere gesamte Biologie feststellt. Die   Konsequenzen, die sich nämlich ergeben würden, gäbe es denn tatsächlich die von Homöopathen beschworenen immateriellen Effekte in homöopathischen „Arzneien“ wirklich, würde letztlich Leben, so wie wir es kennen, nicht möglich sein…

Wie nennt man noch eine Argumentationsstrategie, die mit ihren Nebelkerzen die wesentlichen Problembereiche übergeht? Rabulistik? Roter Hering?

Um es auf den Punkt zu bringen: Wie Homöopathen sich und andere bescheißen, ist im Grunde belanglos. Wichtig ist, dass bisher jede intensivere Beschäftigung mit einer Studie den Murks in der Studie identifizieren konnte.

Das allein sollte schon genug zu denken geben.

Was dann noch hinzukommt, ist die mangelnde Reproduzierbarkeit der positiven Studien. Erinnert sei da nur an die von Leipziger Pharmazeuten abgeliefert Belladonna-Groteske, die sich zum erstklassigen Wissenschaftsskandal entwickelte, was Homöopathen erst dann hinnahmen, als der von der Carstens-Stiftung finanzierte Reproduktionsversuch an der verterinärmedizischen Fakultät der FU Berlin aber auch nicht den kleinsten Hauch der schon preisgekrönten Ergebnisse zu Tage fördern konnte.

Wenn es nicht so müßig wäre, könnte sich sicher nicht nur eine Nachwuchsforscher-Generation daran abarbeiten, in den hunderten bisher angefertigten Homöopathie-Studien die Fehler zu finden. Der Lerneffekt in Sachen Vermeidung von Verzerrungen oder Identifizierung von Manipulationen wäre wohl enorm.

Worüber Kösters auch nicht gerne redet, sind die Studien, die von Homöopathen mit großen Erwartungen angefertigt wurden, und die eben keine signifikanten Effekte zeigten. Die Frau Witt, damals in den Lehrstuhl gehieft, um letztlich auch die Homöopathie zu „beweisen“,  kann von solchen Mißerfolgen ein Liedchen singen.

Apropos Frau Witt: Es erstaunt nicht wenig, wie einfach es dem DZVHÄ und Kösters fällt,  bei ihr den Furor zu vergessen, der sie bei Frau Grams überfällt. Was genau unterscheidet eigentlich die Feststellung Natalie Grams, dass es keinen Beleg für ein Wirkung jenseits von Placebo gibt, von der Feststellung Frau Witts, „ dass nicht belegt ist, dass homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind“?

Warum ist Frau Witt keine unseriöse Kritikerin, keine Lügnerin?

 

Fassen wir zusammen:

Es geht dem DZVHÄ nicht um Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Was Bajic und Kösters hier aufführen, ist Schmierentheater á la Roland Koch: Inszenierte Empörung.

Dem DZVHÄ ist, da bin ich mir sicher, bewußt, dass die Existenzberechtigung der Homöopathie einzig und allein auf sozialer Evidenz beruht, auf der Bedeutungszuschreibung durch Menschen, denen es nicht gelingt, die zahlreichen Fehlleistungen und Irrtümer der Homöopathie zu durchschauen.

Der DZVHÄ weiß, dass soziale Evidenz ein äußerst dünnes Eis ist, weiß, wie schnell Meinung umschlagen kann. Umso wichtiger ist es, das roafarbene Einhorn „positive homöopathische Studie“ entgegen aller Fakten zum stolzen Ross aufzuzäumen – auch wenn bei genauerer Betrachtung der Gaul mit allen vier Beinen lahmt.

Der DZVHÄ hat gegen die Lahmheit keine Mittel – wie auch? Deshalb muss die Diagnose weg, und am besten auch der Diagnostiker. Und wenn der nicht geht, muss er unglaubwürdig gemacht werden, unseriös, eine Lügnerin eben.

Auf dem Markt der Rosstäuscher ist halt die Illusion das beste Verkaufsargument.

 

Nachtrag:

Der DZVHÄ liebt ja Korrekturen, ich dagegen mehr die Korrekturen der Korrekturen.

Also, Frau Bajic, aufgepasst! 

„Wer heute behauptet, es gebe keine qualitativ hochwertigen Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen, offenbart die eigene Unwissenheit und nicht die Unwirksamkeit der Methode“

Das ist nicht ganz richtig! Korrekt ist: 

„Wer heute behauptet, es gebe qualitativ hochwertigen Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen, offenbart ein völlig gestörtes Verhältnis zur Realität.“

Da hätten Sie aber von selbst drauf kommen können.

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2 Antworten zu DZVHÄ – der Horizont zwischen Wand und Tapete

  1. H.K. schreibt:

    Herrlich, werter Herr „Bullshiter“.
    Nur leider viel zu selten.
    Bitte mehr davon!

  2. Ich schreibt:

    Schön zu lesen. Danke🙂
    Ok, die stark Gläubigen wird auch das nicht überzeugen. Aber ein wenig Emotionalität hier und Sachlichkeit bei Norbert Aust, da hat man wenigstens etwas in der Hand, wenn man argumentieren will.

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