Über das Blog

Warum solch´ein Blog?  Warum dieser Name?

Zumindest die Erklärung für den Namen „Bullshit“ ist einfach: Der amerikanische Philosoph Harry Frankfurt veröffentlichte 1986 ein kleines Bändchen mit dem Titel “On Bullshit“, in welchem er sich mit der Wortbedeutung der „Bullshit“ (und Synonymen wie Schmonzes, Blödsinn, Scheiß…) auseinandersetzt.

Wikipedia meint dazu:

Frankfurt vergleicht den Begriff Bullshit unter anderem mit Humbug, in dem seiner Ansicht nach die größte Verwandtschaft mit dem englischen Wort Bullshit zu finden ist. Der Kerngedanke wird jedoch mit dem Vergleich zum Begriff der Lüge dargestellt. Durch das Leugnen der Wahrheit erkennt die Lüge jene als Faktum an.

Bullshit dagegen ist von der Wahrheit abstrahiert. Er umgeht sie und erkennt so nicht einmal ihre Existenz an. Im Gegensatz zum Lügner, der absichtlich unwahre Behauptungen aufstellt und die Wahrheit daher auch kennen muss, interessiert sich der bullshitter gar nicht für die Wahrheit. Da es ihm nur darum geht andere über sein Vorhaben zu täuschen, hat er für sie keinerlei Verwendung. Somit ist der Bullshit für die Wahrheit eine noch größere Gefahr als die Lüge.   

Als Europäer sehe ich mich dem großen Projekt „Aufklärung“ verpflichtet. Aufklärung bedeutet zuerst einmal den Kampf gegen Aberglaube, religiösen Fundamentalismus, gegen Herrschaftsdenken, Vorurteil und Borniertheit. Sie, die Aufklärung, ist das Programm für den richtigen Gebrauch des eigenen Verstandes mittels deutlicher Begriffe und Urteile, die auf der Anwendung erprobter Methoden des Erkenntnisgewinns beruhen.

Bullshit ist der Gegenentwurf.

Dummerweise ist Bullshit heute vor allem in der sogenannten alternativen, wahlweise auch komplementären oder integrativen Medizin zu finden.

Das, was in diesem Bereich an satirischen, skurril-grotesken Anmaßungen, Eitelkeiten, Träumereien und Perversionen, an Absurditäten und Lächerlichkeiten geboten wird, hat mich in den letzten drei Jahrzehnten oftmals an der Fähigkeit des Menschen zu vernünftigem Denken zweifeln lassen.

Albtraumhaft borniert und von absurder Unlogik ist dieses Irrenhaus Alternativmedizin, dessen Insassen mit der Attitüde der Erleuchtung  von intellektueller Trostlosigkeit, moralischen Verkommenheit und einer zutiefst neurotischen Psyche ablenken, und für die einzig und allein der widerwärtige Denkfehler Perspektivismus mit seinem zentralen Gedanken, dass alle nur eine Frage der Sichtweise sei, die Rechtfertigung dafür ist, das bessere Argument zu ignorieren.

Das zeitbestimmende Medium Internet trägt seinen Anteil an dieser Entwicklung.

Die Freiheit der Meinung, die zumindest aus ethischen Überlegung die Pflicht zur Bemühung um Wahrhaftigkeit beinhaltet, wurde und wird weiterhin von solchen Zeitgenossen mißbraucht, die täglich aufs neue das Fehlen jeglichen signifikanten Zusammenhangs zwischen ihrer Meinung und der Realität nachweisen.

Es gibt keinen vernünftigen Zweifel daran, dass die „Alternativmedizin“ tatsächlich nicht mehr ist, als eine substanzlose Worthülse.

Ihre Relevanz basiert auf nicht einlösbaren Versprechungen derjenigen, die von der Übertölpelung eines naiven, glaubensbereiten Publikums profitieren, und mit schnödem Geschäftssinn zum Überleben des faulen Zaubers beitragen.

Alternativmedizin ist – in weiten Zügen – nicht mehr, als eine antiaufklärerische gesellschaftliche Strömung, und unter den „Alternativen Heilern“ sind nicht nur einzelne schwarze Schafe, wie man es der Welt glauben machen will, nicht ein paar bedauerliche Unikate in einer ansonsten seriösen Interessengemeinschaft. Es stinkt der ganze Laden.

Und damit komme ich zur Beantwortung der Frage nach dem Sinn diese Blogs.

Ich empfinde die „Alternativmedizin“ – sowohl in ihren ökonomischen als auch gesellschaftlichen Dimensionen – als persönliche Zumutung, weil sie die Unredlichkeit zum Geschäftsprinzip erhoben hat.

Keines der Verfahren, das in den letzten Jahrzehnten als alternativmedizinische Innovation dem Publikum präsentiert wurde, konnte auch sich auch nur ansatzweise im Kanon valider Heilverfahren etablieren, oder, was noch viel wichtiger gewesen wäre, seine Wirksamkeit nachweisen. Im Gegenteil, wir haben ein Vielzahl von Therapien erlebt, die nach kurzfristigen Hypes wieder in der Versenkung verschwanden. Es ist anzunehmen, dass der Untergang die Folgeerscheinung einer genügend großen Zahl von Opfern war.

Sie, die Opfer der Alternativheilerei, sind durchweg Gläubige der schon oben angesprochenen wohlfeilen Versprechungen, die – oftmals von irrationalen Ängsten bedrängt – nicht in der Lage sind, beispielsweise die Phantastereien eines Samuel Hahnemanns oder eines Rudolf Steiners von nachgewiesen wirksamer Medizin zu unterscheiden.

Sollte es mir gelingem, auch nur einen einzigen Zeitgenossen zur kritischen Auseinandersetzung mit den Heilsbotschaften der Alternativmedizin anzuregen, hat dieses Blog seine Funktion erfüllt.

5 Antworten zu Über das Blog

  1. Holger S schreibt:

    Wenn alternative Verfahren etabliert sind, dann sind sie nicht mehr alternativ, sondern Teil der „Schulmedizin“. Insofern wird man im alternativen Bereich schon per definitionem nie validierte Therapien finden😉
    Natruheilkunde gehört nach allgemin üblicher Definition auch eher in den Bereich der Alternativmedizin. In den Bereich Naturheilkunde fallen (siehe auch Pfarrer Kneipp) u.a. Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, Lichttherapie, Ordnungstherapie, Pflanzentherapie. Es ist aber seriös nicht zu leugnen, dass diese Therapien in vielfacher Hinsicht validiert sind.

  2. Oliver K schreibt:

    Bei der Naturheilkunde wird zumeist von „Alternativmedizin“ gesprochen. Dabei ist sie doch in wirklichkeit (heutzutage) eine Komplementärmedizin… Übrigens ein Denkanstoß: In den Zeiten vor der Schulmedizin – was übrigens noch garnicht so lange her ist – war die Naturheilkunde der wichtigste und oft auch der einzigste Pfeiler zur Wiederherstellung der Gesundheit.

  3. bernd schreibt:

    Hallo Herr, Frau äääh

    Verzeihung, dass mir bereits in der ersten Zeile eine vernünftige Anrede misslingt. Dies ist wahrlich kein Zeichen von schlechter Erziehung oder gar Ignoranz, sondern die direkte Folge mangelnden Wissens.
    Ich stelle zwar nach wenigen Zeilen ihrer Ausführungen bereits fest, dass Sie in Ausdruck und Wortwahl sehr bewandert sind und die Gedankengänge gemäß Ihrer persönlichen Meinung wohl durchdacht wurden. So nehme ich mir die Freiheit anzumerken, dass auch der Fakt der anonymen Meinungsäusserung, eher keinem Versehen entsprungen ist.
    Sollte ich Ihren Namen jedoch lediglich übersehen haben, eventuell im Impressum, so bitte ich um Verzeihung. Dies gilt dann ebenso für die folgenden Worte.
    Ein Mensch, dessen Leidenschaft der Meinungsäusserung und dem Versuch der Meinungsbildung verfallen scheint, der zahlreichen Menschen mit Stempeln wie „Irrsinn“, „Lügner“, „wirtschaftliche Interessen“, „Borniertheit“ und einige andere nette Bezeichnungen aufdrückt, sollte auch die Größe beweisen, sich nicht hinter der „Anonymität“ des Internets zu verstecken.
    Persönlich würde ich mich freuen, wenn ich in Zukunft neben Ihren Meinungsäußerungen in der digitalen Öffentlichkeit auch Ihren Namen finden würde. Denn MEINUNG bedeutet PERSÖNLICHE ANSICHT , ein anonymer Schreiberling ist jedoch keine Person.

    In Erwartung, diesen Text niemals im Blog nachlesen zu können

    mit freundlichem Gruß

    Bernd

  4. excanwahn schreibt:

    Hallo Bernd,

    mich interessiert nicht, ob Sie eigentlich Claus, Rajiv oder Colophonius heißen. Für mich sind Sie heute Bernd, und wenn Sie morgen meinen, als Colophonius auftreten zu müssen, ist das ebenfalls in Ordnung. Für Sie bin ich excanwahn. Der Name ist so gut wie Bernd, Claus, Rajiv oder Colophonius.

    Sie setzen sich auf meinem Blog meiner Meinung aus, die, wie ich hoffe, immer gut begründet ist.
    Sie, die Meinung, ändert sich nicht, ob sie nun unter einem Klarnamen oder unter einem Pseudonym veröffentlicht wird.

    Ich wiederum muss mir Ihre Meinung gefallen lassen, ohne dass ich weiss, ob Sie gerade Bernd sind, Claus, Rajiv oder Colophonius.

    Aber das macht nichts, mir geht´s um die Meinung, und das ist „gut so“!

    Deshalb, Bernd, Claus, Rajiv, Colophonius oder sonst wer, posten Sie, was immer Sie für erwähnenswert halten und unter welchem Namen Sie wollen. Ich antworte unter excanwahn – oder welcher Name mir sonst gerade gefällt.

  5. BerndFritz schreibt:

    Ich bin erst kürzlich auf Ihrem Blog gelandet. Sie schreiben mir so aus der Seele, dass ich dies loswerden möchte. Auch ich nerve manchmal meine Umgebung mit dem Kant-Zitat „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ oder mit „wer wenig weiß muss viel glauben“. Ich habe aber nicht die Energie und das Talent für solch eine Publikation.
    Darüberhinaus ist Ihr Blog auch noch höchst unterhaltend geschrieben. Ich kann nur sagen: Weitermachen!
    Zum Namen: Jeder hat das Recht seine personenbezogenen Daten so gut wie möglich zu schützen und vertraulich zu halten. Ob dies nun bzgl. Impressum rechtssicher ist, weiß ich nicht, ist aber Ihre Sache.
    Danke für Ihr Engagement und Ihre Mühe!
    BerndFritz

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